25-jähriges Jubiläum der Entdeckung

niversität Hype um Ötzi

Am 19. September 1991 stößt ein Ehepaar aus Nürnberg bei einer Wanderung in den Ötztaler Alpen auf eine Mumie: Ötzi. Eine Forschergeneration ist seither mit dem Leben und Sterben des Eismanns beschäftigt. Auch der Mumienkongress in Bozen widmete sich 25 Jahre später der meist untersuchten Leiche der Welt.

Universität Zürich

© Südtiroler Archäologiemuseum Museo Archeologico dell Alto Adige
© EURAC-M.Samadelli
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Ötzis gesamtes Genom wurde entschlüsselt, sein Aussehen wurde rekonstruiert und der Mageninhalt erforscht. Über seine Laktose-Intoleranz wurde geschrieben, bekannt sind auch die Kreislaufprobleme und seine Arthrosen in den Sprunggelenken. Auch die Bemalungen auf seinem Körper sind den Bozener Forschern zufolge identifiziert: Die 61 vorgefundenen Hautzeichen bestehen aus zig Linien und zwei Kreuzen. Jetzt – kein Scherz – hat man sogar Ötzis Stimmbänder und seinen Mund nachgebaut, um herauszufinden, wie sich seine Stimme angehört haben könnte.

Karies, Parodontitis und unfallbedingte Zahnschäden

Dass Ötzi schlechte Zähne hatte, ist dagegen ebenfalls schon länger bekannt: Dreidimensionale Rekonstruktionen der Mundhöhle haben gezeigt, dass er offenbar unter einer fortgeschrittenen Parodontitis litt. Vor allem im Bereich der hinteren Molaren wiesen die Forscher einen Verlust des parodontalen Stützgewebes nach, der beinahe die Wurzelspitze erreicht. Karies war ebenfalls ein Problem: Sie ist auf die stärkehaltige Nahrung wie Brot und Getreidebrei zurückzuführen, die sich mit dem aufkommenden Ackerbau in der Jungsteinzeit durchsetzte. Verunreinigungen und der Abrieb der Mahlsteine wirkten stark abschleifend, wie die abrasierten Zähne belegen. Insgesamt trug Ötzis Ernährung allerdings viel zur Selbstreinigung bei, obwohl er sich kaum die Zähne putzte.


Info

• Trotz Normalgewicht und viel Bewegung waren viele seiner Bauch- und Beinarterien verkalkt. Die jetzt neu entdeckten drei kleine Verkalkungen nahe der Ausflussbahnen des Herzens untermauern den Befund, dass Ötzi eine starke genetische Veranlagung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatte – vermutlich der Hauptgrund für seine Arteriosklerose.
• Ötzi kam als Händler womöglich bis in die Gegend des heutigen Florenz.
• Der wohl tödliche Pfeilschuss kam aus größerer Distanz und für das Opfer überraschend, also heimtückisch. Weitere medizinische Befunde legen nahe, dass Ötzi stürzte und der Täter keine weitere Gewalt anwandte. Da wertvolle Gegenstände wie seine Kupferaxt am Tatort verblieben, ist das Mordmotiv wahrscheinlich ein persönlicher Konflikt.


Ein Frontzahn ist durch einen Schlag abgestorben – die Verfärbung ist noch deutlich sichtbar – und einen Molaren hat er wohl durch ein Steinchen im Getreidebrei verloren. Diese unfallbedingten Zahnschäden zeugen wie seine anderen Verletzungen vom rauen Leben in jener Zeit.

Heimtückisch ermordet

Ötzi ist mehr als 5.300 Jahre alt und beschäftigt bereits eine ganze Forscher- generation. Sein Leben endete schließlich unfreiwillig, auch so viel wissen wir.

Er wurde – wohl heimtückisch von hinten mit einem Pfeil in die linke Schulter – ermordet. Die Spitze des Pfeils wurde bereits 2001 entdeckt, die Todesursache steht seit 2007 fest: inneres Verbluten.


Die Sicht der Forscher

„Für die Forschung hat Ötzi nicht die Bedeutung eines isolierten Mumienfunds. Er ist vielmehr ein typischer Europäer aus der früheren Zeit und daher so wertvoll“, erklärt Anthropologe Abert Zink, Kongressleiter in Bozen. „Dadurch, dass Ötzi als Gletschermumie so gut erhalten ist, dient er uns Forschern als Modell, an dem wir wissenschaftliche Methoden etablieren, die dann auch an anderen Mumien angewendet werden.“ Heute beschäftigt die Forscher vor allem: „Wer der Mann aus dem Eis war, welche Rolle er in der Gesellschaft hatte und was in seinen letzten Lebenstagen passiert ist“, sagt Angelika Fleckinger, Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, das den Kongress mitorganisiert hat.


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