Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Paracetamol – wann wird’s gefährlich?

In der Schwangerschaft bleibt Paracetamol das Analgetikum der Wahl. Eine dänische Studie kommt jetzt jedoch zu dem Ergebnis, dass das Medikament die Hirnentwicklung beim Kind stört. Worauf Zahnärzte im Umgang mit Schwangeren achten und welche Schmerzmittel nicht eingesetzt werden sollten, erklärt Prof. Christoph Schindler, Leiter des Klinischen Forschungszentrums CRC an der Medizinischen Hochschule Hannover.

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Zunächst zur Studie: In einer prospektiven Kohortenstudie mit 7.796 Schwangeren wurde untersucht, ob Verhaltensprobleme bei Kindern im Alter von sieben Jahren mit der mütterlichen Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft in Zusammenhang stehen.

Die Schwangeren wurden in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche, sowie 61 Monate nach Geburt befragt, ob sie Paracetamol eingenommen hatten. Auch die Partner wurden nach Paracetamolanwendung befragt. Das Verhalten der Kinder wurde über standardisierte Fragebögen erfasst und analysiert.

Die Autoren kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft insgesamt mit einem signifikant höheren Risiko für Verhaltensstörungen (risk ratio: 1,42) und Hyperaktivität (risk ratio: 1,31) bei den Kindern assoziiert war. Die Einnahme von Paracetamol in der 32. Schwangerschaftswoche war darüber hinaus auch mit emotionalen Problemen (risk ratio: 1,29) bei den Kindern assoziiert.

Keine Informationen zur eingenommen Dosis

„In der Studie gibt es keine Angaben zu Dosis und Dauer der Therapie. Das Verständnis einer Dosis-Wirkungsbeziehung ist aber eine Grundvoraussetzung für eine verlässliche Kausalitätsbewertung“, sagte Prof. Christoph Schindler, Leiter des Klinischen Forschungszentrums CRC an der Medizinischen Hochschule Hannover. Ein pharma- kologischer Wirkmechanismus für die postulierte schädigende Paracetamol-Wirkung sei bisher nicht bekannt. Die in der Studie als „signifikant“ angegebenen risk ratios für emotionale Symptome, Betragen und Hyperaktivität würden sich verringern und verlieren teilweise völlig ihre Signifikanz, wenn auf potenziell einflussnehmende Covariablen wie das Alter der Mutter, den sozioökonomischen Status, Rauchen, Alkohol, BMI, psychiatrische Anamnese und Behandlungsindikation adjustiert würde (diese Informationen finden sich nicht in der Originalpublikation, sondern nur online im E-Supplement).

Paracetamol ist kein harmloses Medikament

Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und kognitiven Störungen beim Kind ließe sich, laut Schindler, aus diesen Ergebnissen nicht ableiten. Auch ein pharmakologischer Wirkmechanismus für die postulierte schädigende Paracetamol-Wirkung sei in der Schwangerschaft im Hinblick auf spätere kognitive Störungen beim Kind bisher nicht bekannt.

Schindler warnt jedoch nachdrücklich davor, Paracetamol in der Schwangerschaft mehr oder weniger unkritisch einzunehmen: „Paracetamol ist definitiv kein harmloses Medikament. Die Lebertoxizität von Paracetamol in höheren Dosen (ab 5g/d beim Erwachsenen) ist beispielsweise wissenschaftlich unzweifelhaft bewiesen.“ Besonderes in der Schwangerschaft sei eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung somit grundsätzlich bei der Einnahme von Paracetamol geboten. Auf der anderen Seite könnten behandlungsbedürftige Schmerzen und Fieber den Schwangerschaftsverlauf ebenfalls sehr kritisch beeinflussen. Auch eine Nichtbehandlung könne ein nicht unerhebliches Risiko für das Ungeborene darstellen und schlimmstenfalls zu einem Abort führen. Von einer unkontrollierten Selbstmedikation rät der Experte schwangeren Patienten ab. Eine Nutzen-Risikoabwägung sollte am besten durch einen Arzt erfolgen. Zudem bestünde die Möglichkeit, sich von einem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie gezielt beraten zu lassen. Laut Schindler könnten Frauen bis zur Schwangerschaftswoche 28 alternativ zu Paracetamol den Wirkstoff Ibuprofen zur Schmerzbehandlung einnehmen. Ab der 29. Schwangerschaftswoche blieben nur Opioide. Paracetamol bleibt bei richtiger Indikationsstellung vorläufig Mittel der Wahl. Acetylsalicylsäure hingegen sollte von Zahnärzten nicht zur Analgesie eingesetzt werden, schon gar nicht in der Schwangerschaft, da dadurch das Blutungsrisiko erhöht werde. Auch auf schmerzhafte zahnärztliche Eingriffe solle während der Gravidität verzichtet werden.

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