Young-Esthetics-Preis 2016

Ästhetische Rehabilitation mit zahlreichen Vorbehandlungen

Schmerzen, funktionelle Probleme, mangelhafte Ästhetik: „Seit er zum Zahnarzt ging, wurde alles nur immer schlimmer. Immer gab es neue Füllungen“, beschreibt Dr. Helena Bienas das Drama ihres Patienten, den sie mit ihrer Therapie von seinen Leiden befreite und zu mehr Lebensqualität verhalf. Für ihr Behandlungskonzept erhielt Bienas den Young-Esthetics-Preis 2016 der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin (DGÄZ).

Abbildung 2: Ausgangssituation: Situationsmodelle OK-/ UK-Front
Abbildung 3: Übertragung der Vertikalen mittels Schiene vom Wax-Up auf die provisorische Versorgung.
Abbildung 4: Provisorische Versorgung des OK
Abbildung 5: Vorbereitung des UK und der Präparationsmodelle
Abbildung 6: Definitive Arbeit des ZTM Bastian Schmid (Dentallabor Christoph Keltsch)
Abbildung 7: Definitive Arbeit eingegliedert
Abbildung 8: Vorher-Nachher-Vergleich
Abbildung 9: Vorher-Nachher-Vergleich
Abbildung 10: Vorher-Nachher-Vergleich
Abbildung 11: Situationsmodelle nach eingegliederter Arbeit
Abbildung 12: Schutzschiene
Abbildung 13: Vergleich: Lächeln vor 10 Jahren – Lächeln vor Therapiebeginn – Lächeln Endergebnis
Herzlichen Dank den Zahntechnikermeistern Bastian Schmid und Christoph Keltsch, meinen bisherigen Chefs und der DGÄZ. © privat

Der 53-jährige Patient hatte sich erstmals mit submandibulärem Abszess rechts, ausgehend von Zahn 47 bei mir vorgestellt. Nach abgeschlossener mikroskopischer Wurzelkanalbehandlung wollte er bei mir weiterbehandelt werden – insbesondere wegen seiner seit zehn Jahren schwindenden Zahnhartsubstanz mit begleitenden Schmerzen muskulär und auf Temperatur.

Spezielle Anamnese

Da er weder lächeln noch richtig kauen könne, wünsche er sich sehnlichst seine Zähne von vor zehn Jahren zurück. Seitdem er vor zwei Jahren eine Gleitsichtbrille bekommen hatte, litt er außerdem täglich unter Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen – ausgelöst durch die Computerarbeit im Job. Zu stoppen seien die Beschwerden innerhalb einer Stunde nur durch das bewusste Aufrichten der Lenden- und Halswirbelsäule – diese Übung hatte ihm der Orthopäde nach dem letzten Bandscheibenvorfall gezeigt.

Fünf Jahre zuvor hatte sich der Patient erstmals mit dem Wunsch zur Therapie seines fortschreitenden Zahnhartsubstanzverlustes bei seinem alten Zahnarzt vorgestellt. Dieser hatte ihm eine jährliche Zahnreinigung empfohlen und ihm zwei Jahre später ohne Funktionsuntersuchung eine Schiene zur Bisserhöhung angefertigt, die der Patient auch jede Nacht gerne trug, da er morgens ein gutes Gefühl habe.

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sei aber sein Leidensdruck bezüglich seines Lächelns; der Empfindlichkeit der Zähne auf kalt, süß und sauer; seiner Mundöffnungseinschränkung und des undefinierten Bisses gestiegen, obwohl er den Zahnarzt regelmäßig konsultiert hatte. Als Kind hatte er eine lose kieferorthopädische Behandlung und eine Frenulektomie im Oberkiefer, mit dem Ziel, das Diastema mediale zu schließen. Weisheitszähne waren keine angelegt.

Diagnostik

Extraoral: Kerniges Gesicht mit kräftigen Massetern. Inzisionsnarbe in rechter Halsfalte.

Psychosozial: Hohe Stressbelastung durch berufliche und familiäre Verantwortung. Keine Anzeichen für Angst oder Depression.

Intraoral: (siehe Abbildung 1, 2) Adultes, starkes Abrasionsgebiss ohne Weisheitszähne. Überkront waren 26 sowie 37, 36 und 46 alle drei (insuff.). Füllungen hatten die Zähne 17 (insuff.), 16, 14, 23, 24, 25, 27, 35, 34, 44, 45 und 47. Zahnhalsdefekte zeigten 17, 15, 14, 25, 34, 44, Attritionen 16, 21, 34, 33 und 43. 27, 36 und 47 waren wurzelkanalbehandelt.

Der PA-Befund zeigte Sondierungstiefen (ST) von 4 mm mit Blutung an den Zähnen 16 (p), 15 (mb, p), 14 (mb), 11 (mp), 24 (mb). ST=5 mm hatten die Zähne 27 (mb) und 36 (b). ST=6 mm hatte Zahn 26 (db). Der BOP lag bei 27 Prozent. Rezessionen waren generalisiert, es gab keine Lockerungen oder Furkationsbefunde. Die Mundhygiene war interdental mangelhaft, die Schleimhaut ohne pathologischen Befund mit beidseits sichtbaren Wangenimpressionen.

Radiologisch: generalisierter moderater horizontaler Knochenabbau und vertikaler Knocheneinbruch an Zahn 26 bis zu einem Viertel der Wurzel.

MRT: Ohne pathologischen Befund.

Funktionell: Die Kiefergelenke zeigten keinen pathologischen Befund.

Bei Palpation der Muskulatur waren der Musculus masseter superficialis und profundus links, der Musculus temporalis anterior beidseits und die Nackenmmuskeln beidseits schmerzhaft. Zur Missempfindung kam es am Musculus masseter superficialis und profundus rechts, am Musculus pterigoideus mediales beidseits und am linken Musculus digastricus venter posterior.

Die Mundöffnung war eingeschränkt. Sie lag aktiv bei 30 mm, mit Schmerzen ab 24 mm und passiv bei 37 mm. Von der zentrischen in die habituelle Okklusion wurde vertikal 1 mm gegleitet. Die vertikale Kieferrelation war zu niedrig.

In der Statik waren Overjet 1,5 mm und Overbite 2 mm. 17 stand zu 47 im Kreuzbiss. Die habituelle Okklusion war nicht fest definiert, sondern ergab ständig neue Ergebnisse. Dies stimmte mit der Beschreibung des Patienten überein, wonach er immer anders beiße und ohne Anspannung keinen richtigen Zahnkontakt bekomme. Die ersten Kontakte seien oft in der Front, dann gleite und presse er, damit er auf den Seiten aufkomme. Das Essen mahle er. Der Shimstock-Kontakt variierte seitenabhängig mit dem Pressen. In der Dynamik hatten nahezu alle Zähne Kontakt.

Ästhetisch: In der Vertikalen waren faziale und dentale Mittellinie in Lage und Achsneigung harmonisch. Die dentale Unterkiefermitte war 1,5 mm rechts der Oberkiefermitte. Die faziale Mittellinie stand rechtwinklig auf der Bipupillarlinie. Davon wich die Horizontale durch die Eckzahnspitzen schräg nach links unten ab. Die Zähne 27, 36, 47 waren devital, aber nicht verfärbt. Die weiße Anatomie des Lächelns war disharmonisch. Beim Lachen harmonierten die Oberkieferschneidekanten nicht mit der Unterlippe und es entstand ein negativer Bogen.

Die Eckzahnspitzen berührten die Unterlippe nicht. Bezüglich der Zahnachsen war Zahn 12 vergleichsweise gerade. Der Goldene Schnitt traf nicht zu. Die Zähne 12 und 22 waren zu schmal.

Die Zahntextur war stark abradiert und scharfkantig. Zahn 21 hatte einen dominanten Schmelzdefekt. Im Breite-/ Längen-Verhältnis überwog die Breite dis-proportional (Zahn 11: 163 %; Zahn 21: 136 %, Zahn 12: 100 %; Zahn 22: 86 %, Zahn 13: 100 %; Zahn 23: 90 %). Die Oberkieferfont war von Diastemata geprägt (zwischen den Zähnen 11-21: 0,5 mm; 11-12: 2,5 mm; 12-13: 1 mm; 21-22: 2 mm; 22-23: 2,5 mm).

Die rote Anatomie war beim Sprechen und Lächeln nicht sichtbar. Der bukkale Korridor war schmal, das Lächeln breit. Die Rot-Weiß-Ästhetik wurde erst durch Fotohaken sichtbar.

Der Gingivasaum des Zahns 22 lag auf der ästhetischen Gingivalinie, der von 12 etwas unterhalb. Der Zenit der Einser lag regelrecht distal der Zahnachse. Das Lachen wirkte alt, da nur 5 Prozent der Oberkieferfront unterhalb der Mundwinkellinie platziert waren. Bei einem minimalen Papillenspitzenanstieg nach distal bestanden schwarze Löcher von 0,5 bis 2,5 mm zwischen den Oberkieferfrontzähnen. Der Gingivabiotyp war dünn.

Diagnosen

Initialdiagnosen:
• Okklusiopathie mit gestörter statischer (Vorkontakte, Pressen) und dynamischer Okklusion (Fehlkontakte, Knirschen)

• Myopathie der Kaumuskulatur mit Missempfindung und Masseterhypertrophie

• Zustand nach Bandscheibenvorfällen vor 14 Jahren sowie vor einem Jahr

Nebendiagnosen:
• V. a. Fehlhaltung mit Bezug zur Aktivität der Kaumuskulatur und zur Kieferposition

• V. a. erhöhte Stressbelastung mit Einwirkung in die Aktivität der Kaumuskulatur

• V. a. erosive Ernährung

• lokale moderate chronische Parodontitis

• konservierend und prothetisch insuffizient versorgtes Gebiss

Differenzialdiagnosen:
• arthrogene Ursache

• nicht arthrogene ossäre Ursache

• myogene Ursache

• cicatricogene Ursache

• Inflammatio

Ätiologie

Die Befundätiologie war multifaktoriell bestimmt. Die Ursachen der gestörten habituellen Okklusion lagen in der Füllungstherapie des alten Zahnarztes, in der Abrasion und in der ernährungsbedingten Erosion. Erosion, Abrasion und Alter waren auch für den Verlust der Vertikalen mitverantwortlich. Die Okklusiopathie drückte sich unter anderem in Parafunktionen aus und übertrug sich auf die Muskeln, die dadurch im Funktionsbefund palpationsempfindlich waren. Das Knirschen lief besonders über die ventrale und kaudale Faserrichtung des Musculus masseter pars superficialis. Das Pressen erstreckte sich über die vertikalen Faserrichtungen des Musculus masseter pars profunda und des Musculus temporalis anterior.

Die genannten Muskeln waren zusammen mit dem ebenfalls im Funktionsbefund palpationsempfindlichen Musculus pterygoideus medialis Elevatoren, wodurch es zur eingeschränkten Mundöffnung kam. Diese wurde auch durch den palpationsempfindlichen Musculus digastricus venter posterior bedingt. Palpationsempfindlich waren auch die Nackenmuskeln, die den Kopf stabilisieren und ihn im Gleichgewicht halten.

Jede Veränderung der Kopfhaltung oder Körperhaltung bewirkt eine Positionsänderung von Unterkiefer zu Oberkiefer, die mit einer Veränderung des Zungenbeins und einem veränderten Tonus der Kaumuskulatur einhergeht. Die tägliche Arbeitshaltung des Patienten vor dem PC mit Gleitsichtbrille war eine Kopfextension nach dorsal.

Dadurch wurde der Unterkiefer nach retral verlagert, was zu einem verstärkten Okklusalkontakt der Molaren führte. Zur Entlastung führte der Patient dann eine Inklination, also eine Kopfneigung nach anterior durch. Dies führte zu einer Vorverlagerung des Unterkiefers und einem verstärkten Frontzahnkontakt.

Umgekehrt hatte der Zahnkontakt Auswirkungen auf Kopfposition und Körperhaltung. Der Dauerstress wirkte natürlich auch direkt auf Okklusiopathie und Myopathie ein.

392517386780386781386782390304 392518 391952
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen