Volker Looman zu Vermögensreduktion durch Gebühren

Weihnachtsgeschenke für die Bank

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor. Ich denke eher an Ihr gutes Geld und wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass Sie einen tüchtigen Verwalter brauchen, hätte ich da einen Vorschlag für Sie, der jedes Bankerherz in freudige Erregung versetzen wird.

Nehmen wir einfach mal an, dass bei dem einen oder anderen von Ihnen eine Million herumliegt. Warum eine Million? Ist einfacher zu rechnen und die Dimensionen, die die Gebühren für den Erfolg Ihres Investments ausmachen, werden deutlich. Sollten es lediglich 250.000 Euro sein brauchen Sie sich nicht verschämt in die Ecke zu stellen, dann vierteln Sie die folgenden Werte. (Ich empfehle Ihnen auf jeden Fall, das Geld in Aktien anzulegen – das rate ich Ihnen, weil Sie sich ja doch nicht trauen, Männer vom Fach mit der Verwaltung Ihres Vermögens zu beauftragen.)

Sie jedenfalls geben der Bank den Auftrag, für Sie ein individuelles Depot einzurichten. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Sie maßgeschneiderte Ware erhalten werden, doch über diese Zweifel sollten wir erhaben sein. Viel wichtiger ist das Gefühl, dass Sie den Eindruck haben, erstklassig abgefertigt zu werden. Dafür bezahlen Sie jährlich 1 Prozent. Das sind 10.000 Euro pro Jahr, aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, das Geld in kleinen Scheinen bezahlen zu müssen. Die Gebühren werden in bequemen Raten abgebucht, so dass Sie weder Hautausschläge noch Kopfschmerzen befürchten müssen.

Darf ich Sie trotzdem bitten, zum Taschenrechner zu greifen und den Endwert dieses Vorschlages zu berechnen? Bitte tippen Sie: 1.000.000 Euro mal 1,05 – das ist die erhoffte Rendite von 6 Prozent minus der sicheren Verwaltungsgebühr von 1 Prozent – hoch 10. Bei sachgerechter Bedienung des Gerätes werden in der Anzeige exakt 1.628.895 Euro erscheinen. Bevor Sie ins Grübeln kommen, ob sich das lohnt, empfehle ich die stille Einkehr. Das ist erstens ein Gebot vorweihnachtlicher Nächstenliebe und zweitens sollten Sie darauf vertrauen, dass die Bank die Million besser anlegt als Sie. Die meisten Vermögensverwalter haben allerdings, soviel Aufklärung bin ich Ihnen schuldig, im letzten Jahrzehnt miserabel gewirtschaftet. In Nordamerika schafften lediglich 2 Prozent der Vermögensverwalter, den S&P-500-Index zu schlagen, und in Deutschland lagen 83 Prozent aller Verwalter unter dem Dax 30.

Die nächste Stufe der „Vermögensreduktion“ ist der Einstieg in Investmentfonds. Sie geben der Hausbank eine Million und die Hausbank leitet das Kapital an ihre Kapitalanlagegesellschaft weiter. Die Weiterreichung ist mit einer Dotation verbunden. Üblich sind 5 Prozent, doch als langjähriger Genosse und verdienter Kunde des Hauses werden Sie bestimmt einen Rabatt von 50 Prozent erhalten. Folglich werden Sie nicht um 50.000 Euro, sondern um lediglich 25.000 Euro erleichtert. Die laufende Verwaltung kostet 1,5 Prozent pro Jahr. Das sind Beträge von 15.000 Euro pro Jahr, und von diesem Geld bekommt die Hausbank in der Regel ein Drittel ab. Die Kick-Backs oder Retrozessionen sind zwar heftigst umstritten, doch die Bank wird Ihnen zu ewigem Dank verpflichtet sein, falls sie das Geld behalten darf. Wenn Sie wissen wollen, wie sich das für Sie auswirkt, müssen Sie wieder den Taschenrechner bemühen: 975.000 Euro mal 1,045 hoch 10 führen zu einem Endwert von 1.514.000 Euro. Würden Sie das kleine Minus von 114.895 Euro bitte am Ende dieses Artikels handschriftlich quittieren? Sie wissen doch, dass die Aktennotiz die Rache des kleinen Mannes ist und ich möchte mich in der Adventszeit nicht dem Vorwurf aussetzen, Sie nicht „umfassend“ informiert zu haben.
Wir sind gleich am Ende, liebe Leser. Das schönste Geschenk für den Banker Ihres Vertrauens ist der Dachfonds. Sie schicken der Bank das Geld und das Institut wählt Investmentfonds aus. So fallen jedes Jahr zwei Gebühren an, hier 1 Prozent für die Bank, dort 1,5 Prozent in den Investmentfonds. Darf ich Sie ein letztes Mal bitten, sich zum Taschenrechner bemühen zu wollen? Jetzt wird umgekehrt gerechnet: 1.628.895 Euro geteilt durch 1,085 hoch 10. Da kommen abgerundet 720.000 Euro heraus.

So viel Geld müssten Sie anlegen, um auf den Endwert des ersten Modells zu kommen. Weil aber eine Million angelegt wird, schenken Sie der Hausbank und ihren Verwandten einmalig 280.000 Euro. Ich weiß nicht, ob Sie an ein Weihnachtsgeschenk in dieser Größenordnung gedacht haben. Mir kommt das ein bisschen üppig vor, aber wenn Sie meinen, das sei in Ordnung, will ich das nicht weiter kommentieren. Sie dürfen Ihr gutes Geld nach freiem Ermessen vers(ch)enken. Halt! Eine Sache habe ich noch. Wenn Sie das in den nächsten Tagen machen, dann sollten Sie bei der Weihnachtsfeier Ihrer Hausbank wenigstens am „Ehrentisch der edlen Ritter und Spender“ sitzen, um den teuersten Whiskey Ihres Lebens genießen zu dürfen! Sie wissen ja: Wenn schon Untergang, dann aber mit Pauken und Trompeten!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


Alle Kolumnen von Volker Looman (2016)

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

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In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor.

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Kann ich mit Ihnen heute mal über Risiken bei Geldanlagen sprechen? Mir ist bewusst, dass das Thema heikel ist, weil Risiken für die meisten von Ihnen der Vorhof der Hölle sind. Arbeit, Ehe und Leben enthalten Risiken.

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Ich bin Mitglied in einem Club, der weiland eine feste Burg für Männer war, im Laufe der letzten Jahre aber von Frauen geschleift worden ist. Natürlich werde ich – das ist Ehrensache – den Namen dieses Clubs nicht preisgeben. Ich verrate Ihnen aber aus Gründen der Geldräson, dass ich in dem Mitglieder-Magazin vor einiger Zeit bemerkenswerte „Gedanken über Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ gelesen habe.

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Die Zinsen für Hypotheken sind im Keller. Das hat sich herumgesprochen. Niedrige Zinsen und geringe Tilgungen bedeuten mäßige Raten. Das scheint auch bekannt zu sein. Niedrige Raten führen zu langen Laufzeiten. Sogar diese Botschaft scheint nicht mehr neu zu sein. Ich weiß aber nicht, wie viele Akademiker sich mit solcherart Hypotheken an der Nase herumführen lassen.

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Haben Sie gerade 10.000 Euro auf dem Konto? Haben Sie vielleicht 500.000 Euro geerbt? Wissen Sie nicht, was Sie mit dem Geld machen sollen? Dann hätte ich da eine Idee.

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Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat.

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Jüngst hat mich ein Abendessen bei Freunden ziemlich mitgenommen. Dort berichtete die Gastgeberin von einer Kollegin, die 38 Jahre jung ist und sich auf ihr zweites Kind freut. Nun ist ihr Mann, ein Jahr älter, beim Joggen tot umgefallen.

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Bestimmt wissen Sie, dass Hamburg das Tor zur Welt und München die Weltstadt mit Herz ist. Da ist es kein Wunder, dass Eigenheime ihren Preis haben. Immobilien in Weltstädten gehen nicht ins kleine, sondern große Geld.

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Vorsicht, im Überschwang ist eine dynamische Kapitalversicherung schnell unterschrieben. Und dann beginnt das lange Leiden. Unser Autor Volker Looman erklärt, warum.

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Geldanlage ist finanzieller Mehrkampf: Inventur des Gesamtvermögens, Festlegung der Ziele, Verteilung auf Anlageklassen, Auswahl der Finanzprodukte und Überwachung des Privatvermögens. Die härtesten Disziplinen sind die Verteilung, die Umsetzung und die Überwachung. Dafür ist Disziplin nötig, wenn dieses Wortspiel erlaubt ist.

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Die private Altersvorsorge ist ein heißes Eisen. Sie ist absolut nötig, doch das ständige Trommeln, regelmäßig Geld auf die hohe Kante zu legen, um im Ruhestand finanziell nicht unter die Räder zu kommen, bewirkt in meinen Augen das Gegenteil: Die einen Anleger können das Trommeln nicht mehr hören, und die anderen Sparer sind wegen des Lärms längst taub.

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77 Prozent aller Deutschen glauben, Geld mache frei. Die Zahl ist allen Unkenrufen zum Trotz keine Schnapszahl, und ich will den Wert auch nicht in Zweifel ziehen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Leute zu 99 Prozent arme Schlucker sind. Wenn ich mit Anlegern, die wirklich Geld haben, ins Gespräch komme, merke ich schnell, dass diese Leute stolz sind, nicht am Hungertuch nagen zu müssen, doch von „Freiheit“ spüre ich in der Regel nicht viel.

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Die Kalkulation mit Hochprozentigem ist für viele Menschen selbst in nüchternem Zustand höhere Mathematik. Das halten Sie für üble Nachrede? Dann sollten wir die Probe aufs Exempel machen.

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Die niedrigen Kreditzinsen sind für viele Mieter die größte Gefahr, mit einem Eigenheim auf die Nase zu fallen. Darf ich Ihnen an folgendem Beispiel schildern, wie Mieter zurzeit auf Abwege gelockt werden? Es gibt in Frankfurt eine Bank, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, Leistung aus Leidenschaft zu erbringen.

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Ein Mann sollte – so will es die Tradition – im Leben drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ich weiß nicht, ob das Haus zum Glück nötig ist, doch wer glaubt, eine Villa bauen zu müssen, dem sei gesagt, dass es um mehr als nur um das Eigenheim geht.

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Darf ich Sie mal was Intimes fragen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bemerken, jahrelang betrogen worden zu sein? Ich meine jetzt nicht, was Sie wahrscheinlich vermuten, sondern es geht um Geld, das Sie für Leistungen bezahlt haben, die Sie gar nicht erhalten haben. Bitte überlegen Sie gut, was Sie sagen, weil alle Urteile, die Sie nun fällen, auch auf Sie zutreffen könnten.

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Das Thema der heutigen Erbauungsstunde lautet: Die Bedeutung des Ratenkredits für die deutsche Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Medizinern. Sie haben richtig gelesen, liebe Anhänger dieser Kolumne, es geht um das Schuldenmachen im Allgemeinen und um den (zahn)ärztlichen Konsum auf Pump. Bitte glauben Sie bloß nicht, rote Zahlen seien das Privileg niederer Stände.

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Die Geldanlage in vermietete Immobilien wird in meinen Augen von Jahr zu Jahr gefährlicher. Grundlage dieser These ist die Tatsache, dass sich die Kaufpreise in vielen Städten viel schneller entwickelt haben als die Mieten. Darf ich Ihnen das mit einem Beispiel beweisen?

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Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

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Es geht um Ihr gutes Geld, liebe Doktores, und ich werde Ihnen ab sofort alle 14 Tage (finanziell) auf den Zahn fühlen. Was hat mich zu diesem Schritt bewogen? Ich bin jetzt 60 Jahre jung, und ich habe in den vergangenen 30 Jahren eine besondere Beziehung zu Zahnärzten aufgebaut.

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