Dr.-Z.-Studie zu Praxisgründungsformen

JA zur Gemeinschaft?

„Die Praxisgemeinschaft stellt durchaus eine Alternative zur Einzelpraxis dar.“ Zu dem Schluss kommt eine neue Studie, die für das Praxisnetzwerk „Dr. Z.“ untersucht hat, welche Gründungsformen persönlich für Zahnärzte infrage kommen. Aber ist das wirklich so? Wie sind die Ergebnisse zu bewerten?

Fast 70 Prozent schätzen den Wissenstransfer als Vorteil von Gemeinschaftspraxen, 71,5 Prozent fürchten aber auch den Verlust der Entscheidungsfreiheit. © D. Pietsch

Fast 90 Prozent sehen die organisatorischen Vorteile von zahnärztlichen Gemeinschaften, gut 40 Prozent befürchten aber geringere Verdienstmöglichkeiten. © D. Pietsch
Auffällig waren die Informationslücken, die vor allem Zahnärzte mittleren Alters aufwiesen, wohingegen sich jüngere deutlich offener gegenüber den verschiedenen Praxisformen zeigten. © D. Pietsch

Über 4.000 Zahnärzte bundesweit wurden im Auftrag des Praxisnetzwerks „Dr. Z.“ 2012 gefragt, welche Gründungsform sie bevorzugen und warum. 480 (11,6 Prozent) antworteten. Wie die Autoren schreiben, kann sich der überwiegende Teil der Befragten persönlich am besten eine Einzelpraxis oder eine Berufsausübungsgemeinschaft vorstellen. Auch informelle Kooperationen sind für rund drei Viertel eine denkbare Option. Laut Studie erwarten mehr als zwei Drittel (68,5 Prozent) einen Trend zu zahnärztlichen Gemeinschaften. Nichtsdestotrotz stimmten die meisten zu, dass das Gros der Zahnärzte auch in Zukunft weiterhin eine eigenständige Praxis führen wird.


Info

Die Studie hatte drei Hypothesen und Zielfragen:

Hypothese 1: Der Praxisverbund ist wenig bekannt, wobei ein grundsätzliches Interesse an einer alternativen Berufsausübung der Zahnärzte zu erwarten ist.

Zielfrage: Was assoziieren Sie mit dem Begriff Praxisverbund?
Ergebnis: Desinteressiert oder nicht richtig informiert? Überdurchschnittlich viele 30- bis 40-Jährige hatten keine Meinung zu Praxisverbünden und konnten oder wollten die Praxisverbünde somit auch nicht bewerten.

Hypothese 2: Zahnärzte sehen Praxisgemeinschaften als Chance.

Zielfrage: Wenn Sie die Chancen und Risiken von Praxisgemeinschaften abwägen. Zu welchem Entschluss kommen Sie im Allgemeinen?
Ergebnis: Die Selbsteinschätzung des Zahnarztes beeinflusst offenbar, wie er Praxisgemeinschaften einschätzt.

Hypothese 3: Insbesondere junge Zahnärzte halten Praxisverbünde für ein vorstellbares Geschäftsmodell.

Zielfrage: Welche Geschäftsmodelle beziehungsweise Kooperationen sind für Sie persönlich grundsätzlich vorstellbar?
Ergebnis: Zahnärzte mittleren Alters können sich eine Einzelpraxis eher als neues Geschäftsmodell vorstellen als jüngere und ältere Zahnärzte (< 30 beziehungsweise > 60 Jahre).


Nachdem sie Chancen und Risiken abgewogen hatte, kam die Hälfte der befragten Zahnärzte zu dem Entschluss, dass Praxisgemeinschaften auch für sie eine denkbare Option bei der Wahl der Niederlassungsform darstellen. Nachteilig sehen dabei gleichwohl 71,5 Prozent den Verlust der Selbstständigkeit – zum Beispiel weniger Entscheidungskompetenzen. Ein möglicher Identitätsverlust – etwa die eingebüßte Sonderstellung als freier Beruf – treibt 51,7 Prozent um, geringere Verdienstmöglichkeiten befürchten 41,3 Prozent der Befragten.

Als Vorteile wurden von 89,2 Prozent indes organisatorische Aspekte genannt, etwa flexible Arbeitszeiten und die gegenseitige Vertretung. Der Wissenstransfer erschien 69,4 Prozent als besser; geringere Investitionskosten und eine Risikominimierung nannten 61,7 Prozent. Soziale Aspekte wie Kollegialität, Selbstkontrolle und sozialer Zusammenhalt sahen 50,6 Prozent der Befragten als Nutzen, administrative Aspekte – weniger Bürokratie – 45,8 Prozent.


Info

Die Studie wurde beauftragt, um die Grundmotive bei der Wahl der Gründungsform für eine Praxis zu erfragen, um mögliche Barrieren für den Zusammenschluss von Praxisgemeinschaften heraus¬zuarbeiten und um die Bedeutung der Markenbildung für Zahnarztpraxen zu analysieren. Dazu wurden 2012 bundesweit 4.138 niederlassungsberechtigte Zahnärzte angeschrieben, 480 (11,6 Prozent) antworteten. 39,6 Prozent waren Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 50,1 Jahren – der jüngste Zahnarzt war 27 Jahre alt, der älteste 76. Jünger als 29 Jahre waren 3,8 Prozent, zwischen 50 und 59 Jahren 56,5 Prozent. Über zwei Drittel der Befragten arbeiteten in Praxen in Ortschaften mit weniger als 10.000 Ein¬wohnern. 89 Prozent der befragten Zahnärzte waren niedergelassen, 6 Prozent angestellt, 4 Prozent Ausbildungsassistenten (1 Prozent  Sonstige). Die Teilnehmer konnten sich einem Zahnarzt-Stereotyp zuordnen: Die meisten Zahnärzte sehen sich demnach als passionierter Handwerker (43 Prozent), ganzheitlicher Zahnbehandler (36 Prozent), Präzisionsfreak (31 Prozent) und Im¬provisierer (26 Prozent). Als Dentalkaufmann (5 Prozent) oder Funktionär (4 Prozent) nahmen sich die wenigsten wahr.

Die Primärdaten wurden sowohl deskriptiv ausgewertet als auch im Rahmen von bi- und multivariaten Modellen analysiert.


Diejenigen, die sich selbst als Dentalkaufmann oder selbstbewusster Könner einstufen, glauben, dass bei Praxisgemeinschaften die persönlichen Risiken überwiegen. Zahnärzte, die sich als Handwerker wahrnehmen oder finanzielle Risiken scheuen, stehen Praxisverbünden und -netzwerken dagegen aufgeschlossen gegenüber. Männer finden tendenziell in der klassischen Einzelpraxis ihre Erfüllung, während Frauen alternative Geschäftsmodelle bevorzugen. Diese werden laut Studie immer attraktiver, weil immer mehr Frauen in den Beruf gehen.


Expertenmeinung

„Es handelt sich um eine Primärdatenerhebung. Die Erhebung erfolgte allerdings uneinheitlich, hälftig per Brief, hälftig per E-Mail. Die Rücklaufquote ist ziemlich bescheiden (11,6 Prozent). Die Adressädaten stammen von einer Agentur ‚aus dem Dentalbereich‘. Die Stichprobe ist meines Erachtens also alles andere als repräsentativ.
Zum Vergleich mit unserer Berufsbild-Studie: Während die IDZ-Studie durchaus als repräsentativ angesehen werden kann (Grundgesamtheit wurde angeschrieben; Rücklaufquoten 69,3 Prozent Studenten; 33,8 Prozent Assistenten und angestellte Zahnärzte), gilt das für die stark selektive Stichprobe der Wasem-Studie nicht. Die Stichprobe unserer Studie beträgt n = 6.155, also fast das 13-Fache der Stichprobengröße der Wasem-Studie (n = 480).
Das Durchschnittsalter der Befragten ist in der Wasem-Studie mit 50 Jahren deutlich höher als in unserer Berufsbild-Studie, 69 Prozent sind hier älter als 50 Jahre (in der Berufsbild-Studie lediglich 5,4 Prozent). Der Anteil der weiblichen Zahnärzte beträgt knapp 40 Prozent, im Berufsbild-Projekt hingegen 68 Prozent (Studenten) beziehungsweise 75 Prozent (Assistenten und Angestellte). Das hat natürlich auch Einfluss auf das Antwortverhalten, soweit es sich auf ‚Zukunftsvisionen‘ und ‚Interesse an alternativen Berufsausübungen‘ bezieht (da interessieren doch primär die Vorstellungen der Jüngeren, insbesondere der Frauen!)
Viele Befragte haben ‚keine gefestigte Meinung‘, was möglicherweise auch auf die etwas diffusen und speziellen Fragestellungen zurückzuführen ist. Die Studie wurde durch das zahnärztliche Praxisnetz Dr. Z gefördert. Zu dieser Form der Kooperation wird im Beitrag wörtlich formuliert: ‚Eine Definition für Praxisverbünde gibt es nicht, da es heterogene Formen dieser gibt (auch Praxisnetze genannt)‘.
Speziell für die in der zweiten Zielfrage angesprochenen ‚Praxisgemeinschaften‘ gilt, dass diese Praxisform im Vergleich zu den gängigen ‚Gemeinschaftspraxen (beziehungsweise Berufsausübungsgemeinschaften)‘ eigentlich ‚eine seltene Orchidee‘ in der zahnärztlichen Praxislandschaft darstellt (im InvestMonitor 2015 nur 0,2 Prozent Praxisgemeinschaften, aber 28 Prozent BAGs).
Die Autoren formulieren angesichts dieses sehr uneinheitlichen Antwortbildes sehr verhalten, ‚dass vermutlich noch einige Informationslücken innerhalb der Zahnärzteschaft gegenüber alternativen Geschäftsmodellen bestehen‘. Diesen Eindruck hatten wir beim Berufsbild-Projekt übrigens ebenfalls. Die multivariaten Modellergebnisse machen sehr deutlich, dass die ausgewählten erklärenden Variablen sehr wenig zur Aufklärung der Fragestellungen beitragen.
Fazit: Wir haben es hier mit einer etwas bemühten Studie zu tun, in der erklärungsbedürftige (und wohl vor allem Dr. Z interessierende) Fragestellungen an eine nicht so richtig passende Personengruppe gerichtet wurden. Die Ergebnisse hauen einen daher erwartungsgemäß auch nicht vom Hocker und verdeutlichen eigentlich nur den ‚weiteren Forschungsbedarf‘ in diesem Bereich.“

Dr. David Klingenberger ist Stellvertretender Wissenschaftlicher Direktor des Instituts
der Deutschen Zahnärzte (IDZ)
Universitätsstr. 73, 50931 Köln


Doch mussten die Forscher auch feststellen, dass besonders Zahnärzte mittleren Alters aufgrund von Informationslücken offenbar gar keine feste Meinung gegenüber Praxisverbünden haben. Außerdem wiesen die Ergebnisse darauf hin, dass die Zahnärzte – je nach Typ – ihre Profession innerhalb von kooperativen Zusammenschlüssen gefährdet sehen. „Letztlich bleibt die Frage“, schreiben die Autoren, „inwieweit ein höherer Informationsgrad dazu führen könnte, dass die möglichen Vorteile auch für den jeweiligen Zahnarzt erkannt werden und zu einem Umdenken mit Blick auf für ihn denkbare Geschäftsmodelle führen können.“ Die Ergebnisse zeigten freilich das grundsätzlich große Interesse an dem Thema.

David Matusiewicz, Gerald Lux, Jürgen Wasem und Helmut Dahl:
Bundesweite Zahnärztestudie zu Grundmotiven und Zukunftsvisionen niederlassungsberechtigter
Zahnärzte in Deutschland,
in: Sozialer Fortschritt, Jahrgang 65/2016,
Heft 12, Dezember 2016.

In Auftrag gegeben wurde die Studie von der „Dr. Z Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH“, ein Praxisnetzwerk mit aktuell 28 Zahnarzt-Gemeinschaftspraxen, Hauptsitz Düsseldorf.


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