Der besondere Fall

Fremdkörper als Zufallsbefund im Sinus maxillaris

Abbildung 1: Darstellung des röntgenopaken Fremdkörpers im Bereich des rechten Kieferhöhlendachs im OPT © Paulßen von Beck
Abbildung 2: Exakte Lokalisation des röntgendichten Fremdkörpers im Bereich des rechten Kieferhöhlendachs im NNH-CT in der coronaren (A), in der axialen (B) und in der sagittalen Schichtung (C) © Paulßen von Beck
Abbildung 4: Der geborgene Fremdkörper im Sinne von Kompositfüllungsmaterial © Paulßen von Beck
Abbildung 5: Postoperative Röntgenkontrolle © Paulßen von Beck

Diskussion

Funde von Fremdkörpern im Sinus maxillaris sind äußerst selten und können aufgrund von Traumata oder versehentlich während eines zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffs in die Kieferhöhle disloziert worden sein [Sugiura et al., 2016]. Zumeist handelt es sich dabei um in die Kieferhöhle luxierte Wurzelreste oder Zähne [Kumar et al., 2015]. Am häufigsten wird diese Komplikation in Verbindung mit der palatinalen Wurzel des ersten Molaren sowie mit den maxillären Weisheitszähnen beschrieben [Ferguson, 2014].

Weitere Fremdkörper können frakturierte Bohraufsätze, Wurzel- und Zahnfüllungsmaterial, Nadeln, Zahnimplantate, aber auch Abformmaterial sein [Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016]. All diese Komplikationsmöglichkeiten wurden vom Patienten im Vorfeld negiert.

Die aus einem in den Sinus maxillaris dislozierten Fremdkörper resultierenden Symptome sind vielseitig und können von seiner asymptomatischen Verweilung über das Auftreten von Fieber, Gesichts- und Kopfschmerzen, einseitiger nasaler Obstruktion bis hin zu putridem Ausfluss aus der Nase reichen [Deniz et al., 2016].

In unserem Fall zeigte sich der röntgenopake Fremdkörper im OPT als Zufallsbefund. Zur genauen Lokalisation ist jedoch eine zwei- bis dreidimensionale radiologische Darstellung notwendig [Ferguson, 2014]. Bei der zweidimensionalen Darstellung bietet sich zum OPT ein Fernröntgenseitenbild und bei der dreidimensionalen ein DVT, NNH-CT sowie im Fall von nicht ferromagnetischen Fremdkörpern auch ein MRT an.

Zu bedenken gilt jedoch, dass es bei einem inkognito in die Kieferhöhle gelangten ferromagnetischen Fremdkörper während der Durchführung eines MRT zu starken Schmerzen bis hin zu ausgeprägten Verletzungen kommen kann [Voss et al., 2015].

Da der Patient uns bezüglich der Ursache des Fremdkörpers keinerlei Angaben machen konnte, vermuten wir, dass jener über eine aus einer früheren Zahnentfernung resultierende alveolo-antrale Fistel unbewusst in die rechte Kieferhöhle gelangt ist und durch die aus der lokalen Entzündung resultierende hypertrophe Kieferhöhlenmukosa anschließend in Richtung Kieferhöhlendach gedrängt wurde.


• Fremdkörper können durch Traumata oder versehentlich während eines zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffs in die Kieferhöhle gelangen.
• Zumeist handelt es sich dabei um in die Kieferhöhle luxierte Wurzelreste oder Zähne. Aber auch frakturierte Bohraufsätze, Wurzel- und Zahnfüllungsmaterial, Nadeln, Zahnimplantate sowie Abformmaterial sind mögliche Ursachen.
• Die hervorgerufenen Symptome können vielseitig sein und reichen von asymptomatisch bis hin zu ausgeprägten Beschwerden mit einseitiger nasaler Obstruktion und putridem Ausfluss.
• Zur genauen Lokalisation ist eine zwei- bis dreidimensionale radiologische Darstellung notwendig.
• Da Fremdkörper zu Irritationen der Kieferhöhlenmukosa führen können, wird deren Entfernung auch bei Symptomlosigkeit propagiert.
• Die Bergung ist mittels transnasaler Endoskopie sowie mit transoralem osteoplastischem offenem Zugang im Bereich der äußeren Kieferhöhlenwand möglich.


 

Da Fremdkörper zu Irritationen der Kieferhöhlenmukosa bis hin zu einer chronischen Sinusitis führen können, wird deren Entfernung auch bei Symptomlosigkeit propagiert [Mehra and Murad, 2004; Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016]. Je nach Größe und Lage des Fremdkörpers stehen zur Bergung unterschiedliche Verfahren zur Verfügung: transnasal mittels Endoskopie durch das Ostium naturale oder durch ein neu angelegtes Kieferhöhlenfenster zum Nasengang sowie transoral durch die operative Anlage eines temporären Kieferhöhlenfensters im Bereich der äußeren Kieferhöhlenwand im Sinne eines osteoplastischen offenen  Zugangs [Deniz et al., 2016; Sugiura et al., 2016].

Aufgrund der Größe des Fremdkörpers haben wir uns für den transoralen Zugang im Bereich der lateralen Kieferhöhlenwand entschieden.

Felix Paulßen von Beck, Sarah Schmidt, Dr. Dr. Konstantsa Milioti, Dr. Dr. hc. Andreas Hammacher
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische und ästhetische Operationen
Malteser Krankenhaus, St. Josefshospital Uerdingen
Kurfürstenstr. 69, 47829 Krefeld-Uerdingen
Felix.Paulssen@malteser.org

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