Aus der Grundlagenforschung

Prophylaxestrategien gegen Wurzelkaries

In einem Laborversuch wurde der Einfluss von Natriumfluorid, Chlorhexidin und Silberdiaminfluorid in unterschiedlichen Applikationsformen auf die Prävention von Wurzelkaries untersucht – preiswürdig! Für ihre Studie erhielten die Autoren aus der Zahnklinik der Charité in Berlin den 2. Platz beim Wrigley-Prophylaxe-Preis 2016.

Abbildung 1: Wurzelkaries in verschiedenen Stadien an unterschiedlichen Bereichen der freiliegenden Wurzeloberfläche: Die Wurzeloberfläche stellt eine Kariesprädilektionsstelle bei Senioren dar. © Falk Schwendicke

Abbildung 2: Bissflügelaufnahme mit Wurzelkaries in unterschiedlichen Stadien bei einem 75-jährigen, pflegebedürftigen Patienten: Einige ansonsten kariesfreie Zähne weisen ausgeprägte Wurzelkariesläsionen im Approximalbereich auf. © Falk Schwendicke
Abbildung 3: Design der Proben für den Versuch: Quaderförmige Proben wurden aus Rinderzahnwurzeln gewonnen. Ein Teilbereich der Proben wurde als Referenz mit Nagellack abgedeckt. © Gerd Göstemeyer
Abbildung 4: Mineralverluste in den unterschiedlichen Versuchsgruppen als Parameter für den kariesprotektiven Effekt: Je geringer der Mineralverlust, desto besser ist der kariesprotektive Effekt (Abkürzungen: SDF = Silberdiaminfluorid, CHX = Chlorhexidin, NaF = Natriumfluorid). Die hellblauen Diagrammsäulen stellen die Messwerte für die an den Lack angrenzenden Flächen dar. © Gerd Göstemeyer

Durch Fortschritte in der zahnärztlichen Prävention und Therapie können Senioren heute ihre eigenen Zähne bis in ein hohes Alter behalten. Aufgrund altersbedingter Veränderungen – wie zum Beispiel der Rückbildung des Zahnhalteapparats – besteht für die erhaltenen Zähne jedoch ein hohes Risiko für die Entwicklung von Wurzelkaries (Abbildung 1).

In der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) konnte gezeigt werden, dass insbesondere Zähne von pflegebedürftigen Senioren häufig Wurzelkaries aufweisen. Da Wurzelkariesläsionen in unzugänglichen Bereichen wie Approximalräumen schwer zu therapieren sind (Abbildung 2) und die Therapieoptionen bei pflegebedürftigen Patienten meist eingeschränkt sind, ist es von großer Bedeutung, der Entstehung von Wurzelkaries bei Senioren vorzubeugen.

Das Ziel unserer Untersuchung war, den Effekt von unterschiedlichen kariesprophylaktischen Substanzen in verschiedenen Darreichungsformen (als Lack oder Spülung) auf die Entstehung von Wurzelkaries in einem kariogenen Biofilmmodell zu untersuchen.

Methoden

Aus den Wurzeln von Rinderzähnen wurden 140 Dentinproben gewonnen (Abbildung 3) und randomisiert einer von sieben Gruppen mit je 20 Proben zugeteilt. In vier Gruppen wurden jeweils Lacke appliziert: 38-prozentiges Silberdiaminfluorid, 35-prozentiger Chlorhexidinlack, 22,600 ppm Natriumfluoridlack, Plazebolack (Lack ohne kariesprotektive Substanz). In zwei Gruppen wurden Spüllösungen appliziert: 500 ppm Natriumfluoridspülung und 0,1-prozentige Chlorhexidinspülung. Eine Gruppe wurde nicht kariespräventiv behandelt und diente als Kontrolle.

Die Lacke wurden einmalig vor Versuchsbeginn aufgetragen, die Spüllösungen einmal täglich während des Versuchs appliziert. Die kariogenen Bedingungen wurden in einem kariogenen Biofilmmodell durch die Kultivierung von Lactobazillus-rhamnosus-Bakterien erzeugt. Die Bakterienkulturen wurden dabei mehrmals täglich im Wechsel mit Substrat (Saccharose-haltige Spülung) und mit künstlichem Speichel umspült.

Nach zwölf Tagen wurde – als Maß für den kariesprotektiven Effekt – der Mineralverlust in den Proben unterhalb der behandelten Flächen mittels Transversaler Mikroradiografie ermittelt. Bei den Proben aus den Lackgruppen wurde zusätzlich der Mineralverlust unterhalb der an den Lack angrenzenden Flächen untersucht. Um die antibakteriellen Eigenschaften der getesteten Substanzen zu untersuchen, wurde zudem die Bakterienzahl des die Proben bedeckenden Biofilms bestimmt.

Ergebnisse

Die tägliche Spülung mit Natriumfluorid hatte den stärksten kariesprotektiven Effekt (Abbildung 4). Der Effekt von Silberdiaminfluorid- und Plazebolack war zwar geringer als der von Natriumfluoridspülung, jedoch signifikant besser als der kariesprotektive Effekt von Chlorhexidinlack oder -spülung. Keine der Behandlungen hatte einen signifikanten Effekt auf die Bakterienzahl und keiner der Lacke hatte einen kariesprotektiven Effekt auf die angrenzende, nicht von Lack bedeckte Dentinoberfläche.

Fazit

Aufgrund der Ergebnisse der Studie kann angenommen werden, dass die regelmäßige Applikation remineralisierender Substanzen in Form von Spüllösungen wirksamer ist als die einmalige Applikation in Form von Lacken. Die antibakteriell wirkende Substanz Chlorhexidin hatte unabhängig von der Applikationsform keinen Effekt auf die Kariesprogression im Mundmodell. Da es sich bei der vorliegenden Studie jedoch um eine Laboruntersuchung handelt, sollten zunächst weitere Untersuchungen unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden, um klare Empfehlungen für die Praxis ableiten zu können.

Dr. Gerd Göstemeyer, Anna Kohls, Prof. Dr. Sebastian Paris, PD Dr. Falk Schwendicke
Charité Centrum für ZMK-Heilkunde, Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4–6, 14197 Berlin, gerd.goestemeyer@charite.de

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Abteilung für Orale Diagnostik, Digitale Zahnheilkunde und
Versorgungsforschung CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
MVZ Charité Zahnheilkunde Charité – Universitätsmedizin
Berlin

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