Walter Hoffmann Axthelm - Helfer der Macht

Er wusste, was er tat

Walter Hoffmann Axthelm hat es geschafft, seine Karriere in der Zahnmedizin sowohl vor, während und nach dem Nationalsozialismus kontinuierlich voranzutreiben. Der Zahnmediziner Stefan Paprotka hat jetzt die erste Monografie geschrieben, die sich mit Hoffmann Axthelms Rolle insbesondere im „Dritten Reich“ beschäftigt. Bisher gab es dazu keine Recherchen.

Walter Hoffmann Axthelm im Hörsaal der chirurgischen Abteilung der Humboldt-Universität zu Berlin, in der er Mitte der 1950er-Jahre gearbeitet hat. © Haesler

Walter Hoffmann Axthelm wurde am 29. April 1908 in Berlin-Friedenau als Walter Hoffmann geboren. Im Jahr 1939 entschloss er sich „seinen unverwechselbaren Doppelnamen“ anzunehmen, der in dieser veränderten Form aber erst 1952 durch den Magistrat von Groß-Berlin offiziell bestätigt wurde [Hoffmann Axthelm, 2012].

Später verschwieg er die Namensänderung bei Auskünften zu den Jahren 1933 bis 1945 im Zusammenhang mit seiner Person. Seine Eltern waren der Kaufmann Karl Hoffmann (1870–1933) und Anna Hoffmann, geborene Axthelm (1878–1972). 1927 schrieb er sich für ein Studium der Zahnmedizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität ein, das er mit dem Staatsexamen 1931 an der Berliner Universität beendete. Im selben Jahr legte er seine Dissertation „Über die Beteiligung der Schleimhaut bei der Hauttuberkulose“ vor [Hoffmann Axthelm, 1931].

In seiner „Chronik über das eigene Leben“ begann er das Jahr 1933 mit der lapidaren Bemerkung: „[…] nun hatten wir also das Dritte Reich“ [Hoffmann Axthelm, 1990]. In Berlin wurde er Zeuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten: „[...] alles ging seinen Gang“ [Hoffmann Axthelm, 1990]. Im Mai 1933 erwarb er eine Praxis in der nordwestlich von Berlin gelegenen Stadt Perleberg. Der Ort wurde von ihm als „saubere, etwas verschlafene Landstadt mit damals knapp zehntausend Einwohnern“ beschrieben [Hoffmann Axthelm, 1990]. Dort gab es aber bereits eine rege breitenwirksame machtpolitische Tätigkeit.

Vor Ort existierte in der Bäckerstr. 20 ein Büro der NSDAP-Kreisleitung [Kannengießer, 1940]. Eben dort befand sich auch seine neue Praxis. Hoffmann Axthelm verschwieg diese Adressenkoinzidenz konsequent in seiner Chronik. 1933 ist auch das Jahr weiterer persönlicher Entscheidungen: Mit seinem freiwilligen Eintritt in das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK, eine paramilitärische Unterorganisation der NSDAP) im Oktober 1933 kam er der Aufforderung seiner inzwischen gleichgeschalteten Studentenverbindung „Gothia“ zuvor.

Das KZ ließ er unerwähnt

Wie alle deutschen Zahnärzte war auch Hoffmann Axthelm Mitglied im Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands e.V. [Heinrich, 1938]. Wegen seines Berufs wurde er innerhalb des NSKK mit der Stelle eines Standartenzahnarztes „beliehen“ [Hoffmann Axthelm, 1990]. Das Bestehen eines provisorischen Konzentrationslagers in Perleberg von Mai bis Juni 1933, in dem auch 15 Perleberger Bürger einsaßen, hielt er in seiner Chronik ebenso wenig für erwähnenswert. 1935 heiratete er seine Kollegin Gerda Hemmerling, die am 20. April an einer Lungenembolie nach der Geburt ihrer Tochter Gisela starb. „Im gleichen Augenblick dröhnte aus dem benachbarten Hotel der Gesang unserer neuen Nationalhymne, des Horst-Wessel-Liedes. Man feierte den Geburtstag des Führers“ [Hoffmann Axthelm, 1990].

Für die „Leistungen“ Adolf Hitlers fand er anerkennende Worte und nannte sie „Mut zur Tat“. Die November-Pogrome und antijüdischen Aktivitäten in Perleberg 1938 erlebte Hoffmann Axthelm subjektiv ganz anders, als in umfangreichen Akten des Stadtarchivs nachgelesen werden kann. Wie andernorts im Deutschen Reich sollte auch „Perleberg zu einer judenfreien Stadt“ gemacht werden [Kannengießer, 1938]. Die aktenkundige Zerstörungswut der Sturmabteilung (SA) und die Gräuel gegenüber der jüdischen Gemeinde erfuhren von ihm eine gänzlich verharmlosende Darstellung.

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