Praxis-Outfit

Legen Sie einen Dresscode fest!

Gerade die Außenwirkung des Praxisteams hat einen großen Anteil daran, wie Patienten eine Praxis insgesamt bewerten. Das Image wird wesentlich durch das äußere Erscheinungsbild mitbestimmt. Doch was ist angemessen? Was geht in Sachen Kleidung, Schmuck und Haare beim Praxispersonal - und was geht nicht?

In der „Dirndl-Praxis“ der Kieferorthopädin Dr. Marie-Catherine Klarkowski (4. von rechts) arbeiten alle Mitarbeiterinnen im Dirndl. © M. Helwig

Bei Mitarbeitern mit Patientenkontakt, zumal an der Rezeption, kann der Praxisinhaber das äußere Erscheinungsbild im Wesentlichen vorschreiben. Klarheit bringt ein selbst formuliertes Regelwerk über die Kleidungsvorschriften in der eigenen Praxis. © braddy - iStockphoto.com
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Eines vorweg: Das Weisungsrecht gibt dem Zahnarzt als Praxisinhaber und Arbeitgeber das Recht, die Arbeitsbedingungen näher zu bestimmen. Darunter fällt auch, die Art der Kleidung festzulegen, mit der sich die Praxis nach außen zeigt. Damit sich die Mitarbeiter in der Kleidung aber auch wohlfühlen und es deswegen nicht zu Unstimmigkeiten oder Missstimmungen kommt, raten Experten, sich vorher mit ihnen abzustimmen. Schließlich müssen Kleidungsvorgabe, Stil, Tragekomfort und persönliches Wohlbefinden unter einen Hut gebracht werden.

Das weiß auch Praxistrainerin Christa Maurer aus Lindau am Bodensee, die sich auf die Betreuung und das Coaching von Zahnarztpraxen spezialisiert hat. „Wichtig ist, dass bereits bei der Einstellung verbindlich fest gelegt wird, wie sich der künftige Mitarbeiter dienstlich zu kleiden hat. Dann gibt es keine Verunsicherungen, ob bauchfrei erlaubt ist oder nicht, ob kurz- oder langärmlig getragen werden soll, ob kurze Hosen oder lange erwünscht sind, ob Jeans oder Berufshosen zu tragen sind, T-Shirts, Sweatshirts oder Berufskleidung.“

Auch andere Experten empfehlen, innerhalb der Praxis eine bestimmte Kleiderordnung festzulegen – möglichst gemeinsam mit den Mitarbeitern. Es ist zwar immer ein Kompromiss nötig, um die Überlegungen des Praxisinhabers und die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen unter einen Hut zu bekommen.

Doch mittlerweile zählt es zum Allgemeingut, dass die Mitarbeiterinnen auch Botschafter der Praxis sind – nicht nur als erste Anlaufstelle für die Patienten. Und die will man ja schließlich für die Praxis gewinnen. Maurer: „Kein aufdringliches Parfüm sowie saubere und gut sitzende Berufskleidung gelten nach wie vor als Standard.“ Zu bedenken sei, dass die Altersspanne der Patienten oft über mehrere Generationen reicht – jede mit eigenen Vorstellungen. Daher sollten ausgefallene Outfits privat getragen werden.

Auf hochwertige Kleidung achten

Was ja auch passiert in Deutschlands Zahnarztpraxen: Vielfach werden weiße Hosen und Shirts mit Praxislogo als „Grundkleidung“ getragen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Kleidung hochwertig und farbecht ist und nach einem langen Arbeitstag immer noch gut aussieht. Maurer: „Hochwertige Zahnmedizin darf nicht in drittklassiger Kleidung stattfinden, sonst leidet die Glaubwürdigkeit der Praxis.“

Und wenn der Mitarbeiter mit seinem Outfit doch über die Stränge schlägt? Wo verläuft die Grenze? Welche Outfits muss der Zahnarzt tolerieren und wogegen kann er einschreiten? „Hier gilt es abzuwägen zwischen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters und dem Weisungsrecht des Praxisinhabers“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. „Bei Mitarbeitern mit Patientenkontakt, zumal an der Rezeption, kann der Praxisinhaber das äußere Erscheinungsbild im Wesentlichen vorschreiben. So kann er verfügen, eher gedeckte statt knallbunte Kleidung zu tragen oder T-Shirts zu wählen, die nicht zu tief ausgeschnitten sind. Auch Piercings und sichtbare Tattoos kann er untersagen, wohingegen er gegen ein verdecktes Tattoo nichts einwenden kann.“

Was ist mit den Schuhen? Sind Sandalen oder gar Crocs oder Flip-Flops zu tolerieren? Einheitlichkeit ist beim Schuhwerk nicht zwingend, so Maurer. Der Praxisinhaber entscheide, ob Turnschuhe erlaubt oder erwünscht sind, ob weiße oder bunte Schuhe getragen werden sollen, sowie darüber, ob Sandalen akzeptabel sind. Allerdings sollten lang getragene Lieblingsstücke irgendwann ausgetauscht werden. Denn schiefe Absätze oder vergilbtes Leder wirkten ungepflegt.

Streitpunkt Kopftuch

Anlass zu Diskussionen bietet bisweilen auch das Thema Kopftuch als Teil des persönlichen Dresses. Hier gerät die Direktions- und Weisungsbefugnis des Unternehmers in einen Konflikt, nämlich dann, wenn eine Mitarbeiterin das Kopftuch als Glaubensbekleidung trägt, sagt Dr. jur. Gwendolyn Gemke, Fachanwältin für Medizinrecht aus München. Das Tragen religiöser Symbole, worunter auch das Kopftuch fällt, genieße durch die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit einen sehr hohen Schutz. Dieser Schutz greife auch im Rahmen der Berufsausübung, so dass zwei Grundrechte aufeinanderprallten: einerseits die Religionsfreiheit der Mitarbeiterin gemäß Art. 4 Grundgesetz (GG), anderseits die Unternehmerfreiheit des Arbeitgebers gemäß Art. 12 GG. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 14. März dieses Jahres dazu eine Grundsatzentscheidung getroffen: Arbeitgeber dürfen das Tragen von Kopftüchern verbieten. Im Unternehmen müsse es dafür aber eine allgemeine Regel geben, die diskriminierungsfrei umgesetzt wird.

Grundlage des Urteils (Az.: C-157/15 und C-188/15) waren zwei Klagen muslimischer Frauen. So wurde etwa in Belgien einer Rezeptionistin gekündigt, weil sie das Kopftuch auch während der Arbeitszeit tragen wollte. Das widersprach jedoch der internen Arbeitsordnung des Arbeitgebers, die sichtbare Zeichen von „politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen“ nicht erlaubt. Unter diesen Umständen stelle ein Kopftuchverbot keine unmittelbare Diskriminierung dar, so die Luxemburger Richter. Und eine „mittelbare Diskriminierung“ könne gerechtfertigt sein, um etwa politisch, philosophisch oder religiös Neutralität gegenüber den Kunden zu wahren, so das Gericht.

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