Aufsuchende Alterszahnheilkunde

Im Netzwerk mobil behandeln

Oft ist nur der mobile Zahnarzt in der Lage, pflegebedürftige und demente Menschen mit Zahnerkrankungen zu Hause und im Heim relativ stressfrei zu behandeln. Ein Projekt in Bayern zeigt, wie sich Zahngesundheit und Wohlbefinden der Patienten steigern, wenn die Zusammenarbeit mit Pflegekräften, Angehörigen und Netzwerken gut funktioniert.

© Dr Göbel

© Dr Göbel
© Dr Göbel
© Dr Göbel

Sie sind alt und krank und können deshalb nicht mehr in die Praxis kommen: Immer mehr Patienten sind auf mobile Zahnarztbesuche angewiesen. Doch obwohl sich zunehmend eine „Bring-Struktur“ entwickelt, bleibt die „Komm-Struktur“ bisher der Standard.

Wie aber kann man immobile Pflegebedürftige – im Heim und zu Hause – zahnmedizinisch besser versorgen? Antworten darauf gibt die "wissenschaftliche Begleitstudie zur Umsetzung ambulanter zahnärztlicher Leistungen in Privathaushalten und stationären Einrichtungen", die im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums vom Berliner ISGOS-Institut unter der Leitung von Jürgen Dettbarn-Reggentin und Heike Reggentin erstellt wurde.

Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft bestehen die neuen Anforderungen aus zahnmedizinischer Sicht laut Studie hauptsächlich in

 

  1. dem erhöhten Zeit- und Personalaufwand bei der Anamnese, der Wegezeit und den Erschwernissen bei der Behandlung in häuslicher Umgebung,
  2. den veränderten individuellen Voraussetzungen der Patienten, die sich in altersphysiologischen Veränderungen und Multimorbiditäten zeigen,
  3. einer bisher unzureichenden (Re-)Finanzierung der Leistungen wie auch
  4. der ungenügenden Verankerung von Präventivmaßnahmen bei erwachsenen Menschen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

 

Die Folgen „unangepasster“ – will heißen althergebrachter – Praxiskonzepte zeigen sich der Studie zufolge nicht nur in der mangelnden Zahnhygiene, sondern auch im Verlust an gesellschaftlicher Teilhabe und im Rückzug aus sozialen Beziehungen.

Dr. Volker Göbel, fachzahnärztlicher Leiter des Projekts, hat mit seiner Praxis als einer der ersten in Deutschland Patienten ambulant behandelt. Das heißt, sein System ist auf eine vollumfängliche, dezentrale präventive Mundheilkunde ausgerichtet, die mehr als akute Reparaturzahnheilkunde leistet und auch zahnmedizinische Prophylaxe einbezieht.

Voraussetzung dafür ist eine hochtechnisch ausgestattete Behandlungseinheit mit Lichtmotor, Ultraschalleinsatz, integrierter Absaugung und Kompressor, inklusive eines tragbaren Röntgengeräts. Der technisch hoch qualifizierte Ausrüstungsstand ist die eine Säule im Konzept der ambulanten Versorgung, eine andere die effiziente Patientensteuerung und die dritte die Fortbildung der Pflegekräfte in den stationären Einrichtungen.

Die konkreten Schwierigkeiten und Widerstände pflegebedürftiger Menschen gegen Zahnarztbesuche in der Praxis sind in der Studie konkret genannt:

Pflegebedürftigen Patienten mit einer Demenz fehlt die selbstständige Entscheidungsfähigkeit, Zahnkrankheiten behandeln zu lassen beziehungsweise mit Blick auf das Risiko eine Therapie zu unterlassen.

 

  • Sie können Schmerzen nicht auf ihre Ursachen deuten.
  • In einigen Fällen besteht eine massive Abwehr gegen eine Behandlung.
  • Insbesondere auf dem Land mangelt es oft an der nötigen Mobilität, eine Zahnarztpraxis aufzusuchen.
  • Auch kognitiv rüstige schwer pflegebedürftige Menschen schätzen häufig die Bedeutung der Mundhygiene für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit insgesamt nicht richtig ein.
  • In der häuslichen Betreuung haben Angehörige keine Zeit, um die Betroffenen zum Zahnarzt zu begleiten.
  • Es besteht Angst vor dem Wechsel aus der häuslichen Umgebung in die entfernte Zahnarztpraxis.
  • Die allermeisten Praxen sind nicht barrierefrei, was auch in diesem Projekt von nahezu allen Befragten angeführt wurde.
  • Angehörige haben kein Problembewusstsein für die Folgen vernachlässigter Mundhygiene und von Zahnerkrankungen.

 

Hier schließt sich der Kreis: Wenn pflegebedürftige Menschen – mit und ohne Demenz – nicht behandelt werden, kommt es zu negativen Reaktionen durch Zahnschmerzen, schlecht sitzende Prothesen oder Mundinfektionen. Die ohnehin hohe Belastung der pflegenden Angehörigen steigt unverhältnismäßig an, denn Zahnerkrankungen verursachen zusätzlich Unruhe und Unzufriedenheit.

Generell stellt die Mundgesundheit alter und hochaltriger Menschen ein erhebliches gesundheitliches Problem dar. Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich Erkrankungen und nicht behandelte Schädigungen des Zahnapparats negativ auf die Demenz auswirken. In der Folge nehmen die sozialen Kontakte ab, die Personen ziehen sich verstärkt zurück, und es kommt zu größerer Unruhe und Schmerzäußerungen.


Alle Artikel der Titelgeschichte

Oft ist nur der Zahnarzt in der Lage, Pflegebedürftige zu Hause und im Heim relativ stressfrei zu behandeln. Ein Projekt in Bayern zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Pflegekräften und Angehörigen ist.

Hier geht's zum Artikel!

Aufsuchend tätige Zahnmediziner sind ein Glück für alle Patienten, die nicht in die Praxis kommen können. Bleibt die Frage, welche prothetischen Maßnahmen sich außerhalb der Praxis durchführen lassen.

Hier geht's zum Artikel!

Heute haben selbst die ältesten Menschen immer mehr eigene Zähne, und die Reinigung eines voll- oder teilbezahnten Gebisses erfordert einen völlig anderen Ansatz als bisher üblich.

Hier geht's zum Artikel!


11442801142196114219711421981144281 1144282 1142201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen