Moderne Hypnose in der Zahnheilkunde

Mit Trance gegen den Würgereiz

Vor allem Angstpatienten schaffen den Weg in die Praxis nur, wenn sie akute und meist starke Schmerzen haben. Sie sind ein enormer Stressfaktor für alle Beteiligten. Diese Patienten befinden sich schon in einer Trance, aber in einem sehr unangenehmen Zustand – Dystrance genannt. Der Zugang zu ihnen kann in den meisten Fällen mit „Rapiden Hypnosetechniken“ sogar schon in der ersten Sitzung gefunden werden.

Abbildung 1: Die Fokussierung der Aufmerksamkeit des Patienten auf den Mundspiegel ermöglicht die Behandlung auch von solchen Patienten, die ansonsten durch Würgereize in ihrer Kooperationsbereitschaft eingeschränkt sind. © D. Kyrys

Abbildung 2: Bei den „Rapiden Hypnosetechniken“ werden die Patienten durch direkte Suggestionen schneller und damit komfortabler in einen Trancezustand versetzt. © D. Kyrys

Durch das rasche Vorgehen und durch direkte Suggestionen wirken rapide Hypnosetechniken schnell – und den Patienten kann geholfen werden. Der Zahnarzt kann ohne zusätzlichen großen Zeitaufwand präzise und konzentriert arbeiten – ein Gewinn für beide Seiten.

Es gibt konkrete Fälle in der täglichen Arbeit der Zahnarztpraxis, wo diese Techniken sehr hilfreich sind:

• akute Schmerzfälle / Notfälle

• Zahnarztphobie

• starker Würgereiz

• chirurgische Behandlungen ohne chemische Anästhesie (zum Beispiel bei Allergie, bei Anästhesieversagen)

• wenn der Patient eine „richtige“ Hypnose erwartet

In jeder Zahnarztpraxis werden täglich unbewusst unterschiedliche Elemente der Hypnose angewendet. Deren gezielte Anwendung könnte die Behandlungen aber noch leichter und entspannter gestalten. Denn Worte schaffen innere Bilder, Bilder erzeugen Gefühle, Gefühle verändern die Wahrnehmung. (Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten, beißen Sie lieber in eine gelbe Zitrone!)

Schnell intervenieren

Hier ein paar Beispiele für die Anwendung der schnellen Hypnosetechniken, bei unterschiedlichen „Schwierigkeiten“ des Praxisalltags, bei denen keine tiefen Trancezustände notwendig sind. Diese direkten Suggestionen, bei denen das Wort Hypnose nicht fallen wird, formulieren klare Ziele und erreichen eine Art Wachhypnose durch verbale und nonverbale Kommunikation.

bei leicht ängstlichen Patienten:

• Der Zahnarzt erzählt, während er arbeitet, von einem schönen, angenehmen Ereignis: Urlaub, Konzert, Film, Fußballspiel, etc.

• Der Patient füllt vor der Behandlung einen Entspannungsfragebogen aus, in dem er Worte, Bilder, Töne, Klänge, Orte, Gerüche, Farben, Empfindungen notiert, die ihn entspannen und angenehme innere Welten erleben lassen. Diese Informationen werden vom Zahnarzt genutzt, indem er während seiner zahnärztlichen Tätigkeit diese Worte wiederholt.

bei Würgereiz:

• Der Patient wird aufgefordert, nur durch die Nase zu atmen, dabei soll er seine Füße abwechselnd nach oben und unten bewegen.

• Der Patient soll während der Behandlung das obere Ende des Griffes eines Mundspiegels nur mit den Fingerkuppen von Daumen und Zeigefingern beider Hände senkrecht festhalten (Abbildung 1). Der Zahnarzt wiederholt die Aufforderung, auf den Spiegel zu schauen, ihn gut festzuhalten – und nicht fallen zu lassen. Währenddessen können ohne den unangenehmen Würgereiz alle Behandlungen im Mundbereich durchgeführt werden.

bei Injektionen:

• Der Zahnarzt bittet den Patienten, abwechselnd oder gleichzeitig verschiedene Finger der linken und der rechten Hand oder die Zehen des linken und des rechten Fußes zu bewegen.

• Der Zahnarzt berührt mit dem Mundspiegel oder einem Finger auch andere als die zu injizierenden Stellen im Mund und/oder bewegt die Wangenmuskulatur und wiederholt die Aufforderung locker zu lassen.

bei Zahnextraktionen:

• Der Zahnarzt könnte dem Patienten folgende Suggestionen geben: „Ich werde jetzt mit Ihrem Körper sprechen, Sie müssen nicht verstehen, wie es funktioniert. Ich werde bis drei zählen, mit jeder Zahl macht Ihr Körper den Knochen ganz weich und der Zahn wird locker und lockerer. Eins – der Knochen wird ganz weich. Er schmilzt wie Butter in der Sonne. Zwei – der Zahn wird immer lockerer. Drei – jetzt gibt mir der Körper Ihren Zahn.“

Durch solche gezielten Suggestionen, die auch von einer geschulten Mitarbeiterin gegeben werden können, kann der Mund „unempfindlich“ werden, Blutungen oder der Speichelfluss werden angeregt oder gestoppt. Der Einsatz dieser Formulierungen umfasst das gesamte Gebiet der Zahnmedizin. Der Fantasie und der Wortwahl des Zahnarztes sind keine Grenzen gesetzt – es geht darum, das gewünschte Ziel der Behandlung umzuformulieren. Das Lachen des Patienten ist eine Nebenwirkung dieser Kommunikationsart und: Humor ist die beste Therapie.

Es gibt zahlreiche Methoden der modernen, rapiden Hypnosetechniken. Um diese sicher anwenden zu können, benötigt der Zahnarzt Grundkenntnisse der Hypnose, er sollte sie trainieren, um eine passende, kongruente Methode zu finden und zu beherrschen.

Hypnose bedeutet mehr als ein Werkzeug für den Zahnarzt. Für mich, mein Team und meine Patienten ist Hypnose nicht mehr wegzudenken. Die Macht verbaler und nonverbaler Kommunikation und die Beeinflussung des Gesundheitszustands sind enorm.


Klinische rapide Hypnosetechniken

• Theoretisch didaktisch durchlaufen sie alle Phasen der Hypnose, fließen aber ineinander, die Induktionsphase ist gleichzeitig auch eine Vertiefungsphase.
• Sie sind schnell, die Induktion dauert nur zwei bis fünf Minuten.
• Sie erreichen tiefe Trancen.
• Sie können in der ersten Sitzung eingesetzt werden, vorausgesetzt, ein guter Rapport ist vorhanden, der Patient wünscht sich Hypnose oder ist damit einverstanden und der Zahnarzt ist kongruent mit der Methode.
• Sie sind vor allem bei „Extremfällen“ erfolgreich.
• Sie entstehen durch gleichzeitige verbale Anweisungen in Form klarer, eindeutiger, direkter Suggestionen und einer Mischung aus Überraschungen, Überladungen der optischen, motorischen und kinästhetischen Reize, Konfusion, messmerische Passes, Fraktionierung etc.


Kommunikation und Hypnose sollten meiner Meinung nach ein fester Bestandteil jedes Medizin- und Zahnmedizinstudiums sein. Selbsthypnose zu lernen ist auch eine prophylaktische Maßnahme gegen das Burnout-Syndrom, gerade für uns gefährdete Zahnärzte. Und nicht zuletzt: Hypnose ist ein sehr kreativer Prozess. Die Patienten können dadurch einen Zahnarztbesuch als angenehm empfinden und werden Sie weiterempfehlen.

Dr. (UMF Bukarest) Daniela Kyrys, drkyrys@gmail.com

• Die Autorin hält zu „Rapiden Hypnosen“ einen Vortrag auf dem Hypnose-Kongress,  der vom 7. bis zum 10. September 2017  in Berlin stattfindet.  www.hypnose-kongress-berlin.de


Alle Beiträge der Titelgeschichte "Mildert Kopfkino die Angst?"

Hypnose ist ganz anders, als Sie es sich vermutlich vorstellen. Sie erleichtert den Alltag in jeder Praxis. Mit moderner Hypnose wird die ganz normale tägliche Arbeit einfacher, effektiver und angenehmer. Für die Patienten bedeutet das: weniger Angst, Stress und Schmerz – für das Team mehr Freude an der Arbeit.

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