Editorial

Bloß kein Stillstand

Gabriele Prchala Stellvertretende Chefredakteurin Foto: zm-Axentis.de

Die Parteien haben es vor der Bundestagswahl oft bekräftigt: Digitalisierung bietet große Chancen, sie soll politisch zur Chefsache werden, Deutschland soll endlich auf die Überholspur kommen, auch das Gesundheitswesen muss stark aufholen, andere Länder in Europa sind längst weiter ... et cetera, et cetera. Sie als Leserinnen und Leser verfolgen diese Entwicklungen ja schon lange. Man darf gespannt sein, in welcher Form diese Themen dann in praktische Politik umgesetzt werden.
Während der Konsensprozess für eine neue Regierung also noch läuft, schaffen Akteure in Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen schon harte Fakten. „Wir können uns keinen Stillstand leisten“, begründete das etwa Ärztepräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery kurz nach der Wahl. Er drängt angesichts der vielen Reformbaustellen im Gesundheitswesen zur Eile. Das gelte auch für „durchdachte Digitalisierungsstrategien“, sagte er.

Doch: Was ist damit gemeint? Bei der KBV beispielsweise wird man fündig: Sie arbeitet verstärkt an dem Thema. Ganz klar fordert sie eine übergreifende E-Health-Strategie der Politik, auch im Hinblick auf die europäische Ebene. Jetzt hat sie in zwei Grundsatzpapieren festgezurrt, was für sie wichtig ist. Das erste Papier widmet sich der Digitalisierung. Die KBV fordert übergeordnete Strukturen im Gesundheitswesen, um alle Akteure digital zu vernetzen. Dazu gehört eine Interoperabilität der Systeme. Die KBV will auch verbindliche Standards, um einen vernetzten Informationsfluss zu gewährleisten. Dazu fordert die KBV gesetzliche Grundlagen, damit die Selbstverwaltung diese Standards auch vorgeben kann. Bei der Einführung der Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen geht es der KBV vor allem darum, sich für den Mehrwert für die Ärzte einzusetzen und die Bürokratielast so gering wie möglich zu halten.
Das zweite Papier dreht sich um die elektronische Patientenakte, die die KBV als Ergänzung zu den bereits bestehenden Dokumentationswegen des Arztes sieht. Sie kann aus Sicht der KBV den Austausch aller Beteiligten sehr verbessern. Trotz unterschiedlicher Anbieter soll es nach Meinung der KBV bundesweit letztlich nur eine Akte geben und der Arzt sollte die Akten aller Anbieter nutzen können.

Die KBV macht bei all diesen Themen also weiter Nägel mit Köpfen. Gerade hat sie ein Diskussionsforum zur Ausgestaltung der Digitalisierung und der elektronischen Patientenakte ausgerichtet. Mit den Apothekern ist eine gemeinsame Absichtserklärung zur Umsetzung einer digitalen Agenda unterzeichnet worden.
Doch jetzt einmal weg von den Ärzten und hin zu den Zahnärzten: Auch hier werden in Sachen Digitalisierung Nägel mit Köpfen gemacht. Die Anbindung an die TI-Struktur, wie sie im E-Health-Gesetz vorgesehen ist, geht nach Plan voran. Umfangreiche Informationen an die Praxen über das Wie und Warum sind bereits breit über die KZBV und die KZVen in die Zahnärzteschaft kommuniziert worden. Als wichtigen weiteren Schritt der Vorbereitung zum flächendeckenden Online-Rollout Stufe 1 kann die KZBV jetzt einen weiteren Meilenstein zur Vorbereitung des Produktivbetriebs verbuchen. Für den ersten der insgesamt fünf Gesundheitssektoren, nämlich für die Zahnärzte, ist die Bundesdruckerei als Anbieter für den elektronischen Praxisausweis zur Anbindung an die TI von der KZBV zugelassen worden (siehe Bericht Seite 22). Zahnärzte können den Ausweis jetzt beantragen.
Über das Thema Digitalisierung (als eines der Kernthemen für die neue Legislaturperiode) wird in der KZBV derzeit intensiv beraten. Vor allem geht es der KZBV darum, die Chancen zu nutzen, die Risiken zu minimieren, die Bürokratielast für die Zahnärzte so gering wie möglich zu halten, die Versorgung zu stärken und dem Patienten zu dienen.

Und was steht in Sachen Digitalisierung auf der To-do-Liste der Politik? Das wird – so hat es das Bundesgesundheitsministerium bereits angekündigt – ein zweiter Teil des E-Health-Gesetzes sein, bei dem es auch um die Umsetzung der elektronischen Patientenakte geht. Und der Wunsch vieler Ärzte und Zahnärzte, ein flächendeckendes, schnelles und leistungsfähiges Internet auszubauen, sollte ebenfalls Gehör finden. Denn nur so ist eine funktionierende telematische Infrastruktur auch möglich.

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