Leitartikel

Was Zahnärzte von der neuen Koalition erwarten

"Die Herausforderungen für das Gesundheitswesen bleiben die gleichen, auch nach der Wahl – und verlangen nach effizienten Lösungen", sagt Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer. BZÄK-Axentis

Die Bundestagswahl am 24. September hat überraschend die bisher bestehende Parteienlandschaft verändert. Das wird nicht ohne Auswirkungen auch für den zahnärztlichen Bereich sein. Wir dürfen gespannt sein, welche gesundheitspolitischen Themen im neuen Koalitionsvertrag aufgegriffen und auf welche Schnittmengen sich die Parteien einigen werden.
Es war sehr vorausschauend, dass die BZÄK bereits weit im Vorfeld der Wahl mit ihren „Gesundheitspolitischen Perspektiven 2017–2021“ Forderungen aufgestellt hat und mit den wichtigsten Politikern, die auch in der neuen Legislaturperiode die Agenda der Gesundheitspolitik maßgeblich mitbestimmen werden, in kontinuierlichem Gespräch ist. Denn: Die Herausforderungen für das Gesundheitswesen bleiben die gleichen, auch nach der Wahl – und verlangen nach effizienten Lösungen. Aus zahnärztlicher Sicht sind es vor allem vier Schwerpunktthemen, bei denen dringender Handlungsbedarf erforderlich ist:

Die Novellierung der zahnärztlichen Approbationsordnung (ZApprO):

Über die längst überfällige ZApprO, die ursprünglich am 22. September im Bundesrat verabschiedet werden sollte, wird jetzt voraussichtlich am 3. November entschieden. Die erneute Vertagung über die vergangene Legislaturperiode hinaus ist deswegen erfolgt, weil immer noch Unklarheiten in den Ländern über die konkreten finanziellen Folgen der Novelle für die einzelnen Hochschulstandorte und die Länderhaushalte bestehen. Die BZÄK wird weiterhin konstruktiv auf eine Verabschiedung durch die Länder hinwirken und etwaige Unklarheiten mit fachlicher Expertise ausräumen.

Medizinische Versorgungszentren (MVZ): 

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wurden seinerzeit die Voraussetzungen für arztgruppengleiche MVZ geschaffen. Die Folge war ein bislang ungebremster Anstieg von reinen Zahnarzt-MVZ. Gerade die Möglichkeit der unbegrenzten Anstellung führt zu Wettbewerbsvorteilen der MVZ – mit kontraproduktiven Effekten für die Versorgung. Das betrifft vor allem den ländlichen Raum. Zunehmend stellen Fremdkapitalgeber und Finanzinvestoren eine Bedrohung dar, die die Kettenbildung in Ballungsräumen forcieren. Ganz neu und kritisch sind hier etwa Bestrebungen von Unternehmensberatern aus Großbritannien zu beobachten, die sich für den deutschen Markt interessieren. Gerade diese Entwicklung zeigt, wie wichtig das Thema Europa und Freiberuflichkeit auch für die Zahnärzteschaft ist. Um eine hochwertige zahnärztliche Versorgung im ländlichen Raum auch künftig zu gewährleisten, fordern wir von der Politik ganz dringend, Anstellungsgrenzen in reinen Zahnarzt-MVZ im gleichen Umfang einzuführen, wie sie auch für Einzel- und Mehrbehandlerpraxen gelten.

Die aktuellen Verfahren zu zahnärztlichen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im G-BA:

Hierzu zählt das Thema systematische PAR-Behandlung, die Früherkennung zur Prävention von ECC und die Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung. In Bezug auf die Nutzenbewertungen, die im G-BA zu diesen Themen in nächster Zeit anstehen, fordern wir, die Methodik zu überdenken: Neben der Berücksichtigung der wissenschaftlichen Evidenz sollten auch die klinische Erfahrung sowie die individuellen Wünsche des Patienten in die Entscheidungen mit einbezogen werden. Ebenso muss die Versorgungsforschung mit ihrem spezifischen Blick auf die Praxis mit integriert werden. Wir haben unsere Forderung in einem entsprechenden BZÄK-Memorandum untermauert.

Nein zur Bürgerversicherung:

Die BZÄK spricht sich klar dafür aus, das duale Krankenversicherungssystem von GKV und PKV beizubehalten und patientenorientiert zu reformieren und weiterzuentwickeln. Eine Bürgerversicherung lehnen wir entschieden ab.
 Wir wollen die Zahnmedizin für Patienten und Kollegen zukunftsfest machen. Garant dafür ist die Freiberuflichkeit und eine an ethischen Standards ausgerichtete Berufsausübung. Freiberuflichkeit muss – auch gegen Bestrebungen zur Regulierung und Ökonomisierung des Gesundheitswesens aus Europa – verteidigt werden. Sie dient uns als Messlatte, an der wir die Politik der künftigen Koalition festmachen werden.

Bundeszahnärztekammer
Chausseestr. 13,
10115 Berlin

65196676489121648912764891286519668 6519669 6489130
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare