Verabschiedung der Richtlinie nach § 22a SGB V

Endlich Präventionsleistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen

Schon im Jahr 2010 machte die Zahnärzteschaft auf die teils desolate Mundgesundheit von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen aufmerksam – und forderte mehr Unterstützung für diese vulnerablen Personengruppen. Sieben Jahre, unzählige Gespräche und viele Aktionen später hat die KZBV das erste große Ziel erreicht: Die ersten Präventionsleistungen sind ab dem 1. Juli 2018 im GKV-Katalog verankert.

Die ersten Präventionsleistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen sind ab dem 1. Juli 2018 im GKV-Katalog verankert. Foto: D. Pietsch

Knapp 3 Millionen pflegebedürftige und 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen leben heute in Deutschland.* Fast 30 Prozent davon sind nicht in der Lage, ihre Zähne und Zahnprothesen eigenständig zu reinigen und zu pflegen. Die Folgen: mehr Karies, weniger eigene Zähne, eine schlechtere Lebensqualität und weniger soziale Teilhabe. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer kämpfen deshalb schon seit Jahren in der Politik dafür, dass diese Personengruppe Hilfe bei der täglichen Mundhygiene erhält. 

Die Versorgungslücke

Mit „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“ legten sie 2010 ein Konzept zur vertragszahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen vor – mittlerweile in der Versorgungslandschaft eine Art Blaupause, weil es erstmals den Blick auf diese bislang vergessenen Patienten lenkte und die Versorgungslücke, besser Versorgungsungerechtigkeit, belegt: Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit sind ältere Menschen weniger belastbar – auch für die zahnmedizinische Versorgung. Das heißt, die Therapiefähigkeit sinkt, die Mundhygienefähigkeit nimmt ab und die Eigenverantwortung ist – zum Beispiel bei der Vereinbarung und der Einhaltung eines Zahnarzttermins – in hohem Maße eingeschränkt.

Fakten, die durch die 2016 erschienene DMS V erhärtet wurden: So haben 75- bis 100-jährige Senioren mit Pflegebedarf eine höhere Karieserfahrung (24,5 versus 21,6 DMF-Zähne) und weniger eigene Zähne (22,4 versus 17,8 fehlende Zähne) als die gesamte Altersgruppe. Ebenso benachteiligt: Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung. Auch sie rutschten in der Vergangenheit durch das System: Wer motorisch und/oder kognitiv eingeschränkt ist, hat nämlich keinen Anspruch auf unterstützende Leistungen, und das obwohl er wegen der damit einhergehenden unzureichenden Mundpflege und Behandlungsfähigkeit ein erhöhtes Risiko für Karies und Zahnbettentzündungen aufweist.

Fast vier Millionen Patienten profitieren von den neuen GKV-Präventionsleistungen, die ab dem 1. Juli 2018 in Kraft treten. | Foto: iStockPhoto.com - M. Herrndorff

Der erste Durchbruch

Folglich machte die KZBV Druck, die Zahngesundheit für diese beiden Patientengruppen deutlich zu verbessern – und zwar vor allem durch regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und präventive Leistungen. Nach fünf Jahren „Klinkenputzen“ dann der erste durchschlagende Erfolg: Mitte 2015 beauftragt der Gesetzgeber im Rahmen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit der Regelung zahnärztlicher Präventionsleistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen – anspruchsberechtigt sind Versicherte, die einem Pflegegrad nach § 15 SGB XI zugeordnet sind oder Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII erhalten. Am 19. Oktober 2017 verabschiedet der G-BA schließlich die erste Fassung der Richtlinie nach § 22a SGB V: Damit sind nach den Positionen zur aufsuchenden Versorgung (§ 87 2i und 2j) nun auch die wesentlichen Leistungen zur Prävention verankert – das heißt, das AuB-Konzept ist für diesen Teil weitgehend umgesetzt. Die neuen vier Leistungen gelten ab dem 1. Juli 2018. Insgesamt 3.821.181 Versicherte (2.937.768 Pflegebedürftige und 883.413 Menschen mit Behinderung*) haben dann erstmals Anspruch auf präventive Betreuung beim Zahnarzt – insbesondere darauf, dass 

– der Mundgesundheitsstatus erhoben,

– ein Plan zur individuellen Mund- und Prothesenpflege erstellt und

– über die Bedeutung der Mundhygiene aufgeklärt wird sowie 

– einmal im Kalenderhalbjahr harte Zahnbeläge entfernt werden.

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