Hilfseinsatz in Indien

Dr. Lila will es wieder tun

Zahnärztin Dr. Gabriele Hübener von der Nordseeinsel Langeoog wird vom 23. November bis zum 13. Dezember 2018 ins südindische Madurai reisen. Dort will sie – wie schon im vergangenen Jahr – ehrenamtlich Waisenkinder behandeln; kommen werden auch andere Patienten. Über Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Zahnarzt gesehen haben, Spielzeugenten aus Langeoog – und ein Waffeleisen.

Die Zahnärztin kommt. Was so prominent angekündigt wird, spricht sich rum – mit der Folge, dass die Patienten sich nicht nur aus dem Waisenhaus rekrutieren werden. Hübener

Für ihren Hilfseinsatz kooperiert Hübener mit dem „ISA Childrens Home Unterstützungsverein e.V.“ aus Bremen. Das Ehepaar Dörte und Andreas Bölts, beide Mitglieder im Lionsclub in Bremen, gründete 2003 den Verein, um aus christlicher Überzeugung karitativ zu helfen. Mit Eigenkapital und Spenden kauften sie in Madurai ein Grundstück und errichteten darauf ein christliches Waisenhaus für Mädchen, das „ISA Childrens Home“. „ISA ist arabisch und bedeutet Jesus. Es soll den christlichen Ursprung, in Tamil Nadu [Bundesstaat in Südindien, Anm. der Red.] eine Minderheit, betonen“, erläutert Hübener. Sie selbst ist Mitglied des Lionsclubs „Gräfin Anna“ auf Langeoog und hörte dort von ISA Childrens Home, begeisterte sich für die Idee, und beschloss: „Da machst du mit!“ 

„Gabriele, da machst du mit!“

Bereist hat Hübener Indien schon früher – und dort teilweise bitterste Armut erlebt. „Ich weiß um mein Privileg, hier in Deutschland geboren worden zu sein, in diesem vergleichsweise reichen Land, mit funktionierender Infrastruktur“, sagt sie, „ich habe mir immer gewünscht, Indien nicht nur von außen als Touristin, sondern von innen kennenlernen zu dürfen, hier zu arbeiten. Ich bin bereit, denen etwas abzugeben, die es nicht so gut haben.“

Und wie wird behandelt? „Seit 2015 gibt es in Madurai einen modernen Zahnarztbehandlungsstuhl, der unter Mithilfe des Dortmunder Zahnarztes Dr. Uwe Kiszka im ISA Childrens Home eingerichtet wurde“, so Hübener. Nach dessen Tochter, der Zahnärztin Dr. Sina Kiszka, der Bremer Oralchirurgin Dr. Wibke Schumann mit Assistentin Jasmin und in einem zweiten Einsatz mit Assistentin Antje, war Hübener die vierte Fachkraft, die dort tätig wurde. Hübener: „Durch diverse Materialspenden konnten die Behandlungsmöglichkeiten vor Ort so nach und nach immer weiter verbessert werden. Dies veränderte die Lebensqualität der Kinder ungemein.“

Abbildung 1a | Hübener

Abbildung 1b. Vor (Abb 1a) und nach der Behandlung (Abb 1b): Viele Menschen in Südindien haben seit Jahrzehnten keinen Zahnarzt gesehen, für viele war es überhaupt das erste Mal – trotz eines Alters von etwa 40 Jahren. | Hübener

Aber nicht nur die jungen Waisenkinder wurden und werden kostenlos behandelt, sondern auch die Menschen aus den umliegenden Dörfern. „Das hat sich trotz der schlechten Verbindungsmöglichkeiten schnell herumgesprochen“, so Hübener. „Deshalb waren auch viele Patienten dabei, die ihre Zähne etwa durch unbehandelte Unfälle, aber auch durch die ungesunde Ernährung, die sehr kohlehydratlastig und kariesfördernd ist, verloren hatten.“ 

Zahnpflege als Ausnahme

Offensichtlich war schnell, dass die Pflege der Zähne keine Selbstverständlichkeit ist in der Region. Daher sind Zahnbürsten und -pasta geschätzte Mitbringsel: nach der Behandlung erfolgt regelmäßig eine Instruktion vor Übergabe der Zahnbürste. In der Aufklärung zur Zahnpflege und über gesündere Ernährungsgewohnheiten sieht Hübener demzufolge dann auch eine vorrangige Aufgabe.

„Am ersten Weihnachtstag wurde ein großes Picknick mit allen Kindern und dem Personal an einem nahe gelegenen Stausee gemacht. Alle hatten ihre neuen Gewänder an, ein schönes Farbenspiel, die Stimmung in freier Natur war großartig“, erinnert sich Hübener.Mehr Fotos auf zm-online.de | Hübener

Die Praxiszeiten waren zuvor auf großen Plakaten angekündigt worden – doch das Zeitfenster war bald obsolet. „Wir behandelten, wenn der Erste vor der Tür stand bis zum letzten Patienten spät am Abend. Wie froh die Menschen über die Versorgung waren, lässt sich daran ablesen, dass sie zum Teil bis zu 250 Kilometer Wegstrecke in Kauf nahmen, um zu uns zur Behandlung zu kommen“, berichtet die Langeoogerin. „Viele Menschen in Südindien haben seit Jahrzehnten keinen Zahnarzt mehr gesehen, für viele war es das erste Mal – trotz eines Alters von etwa 40 Jahren. Dies liegt jedoch nicht am Wollen, sondern an der Unbezahlbarkeit, der Armut der Menschen, fehlender Krankenversicherung, keiner geschulten Vorsorge.“

Um den Dank gegenüber der Zahnärztin aus Deutschland auszudrücken, organisierte der Verein des ISA Childrens Home mehrere Ausflüge in die nähere Umgebung: in eine staatliche Molkerei, die Verpackungsmaschinen aus Deutschland benutzt, in eine Ziegelei, die noch handgefertigte Ziegel herstellt, und auch in den großen Tempel von Madurai. „Auch wenn Armut ein großes Thema in Indien ist, holt das Land auf“, weiß Hübener. „Die allgemeine Schulpflicht in Englisch trägt dazu bei, wettbewerbsfähig zu sein. Die lernbegierigen und fortschrittsorientierten Inder vergessen dennoch nicht ihre bewährten Traditionen und Werte.“

Eine Ente und das Meer

Da Hübener im vergangenen Jahr zur Weihnachtszeit ihren Einsatz hatte, erlebte sie mit den Mädchen auch eine Weihnachtsfeier. „Alle Kinder bekommen zu Weihnachten ein neues festliches Gewand! Da an ihren Schulen auch traditioneller Tanz gelehrt wird, führen sie Tänze in der christlichen Kirche der nahegelegenen Gemeinde im Weihnachtsgottesdienst auf. Dass dieser etwas anders ausfällt als in Deutschland, ist klar: länger, fröhlicher, bunter und mit sehr viel Musik.“ Hübener in der Rolle des Ehrengastes: Ihr wurde ein weißer Seidenschal umgelegt! „Ich fühlte mich gewertschätzt als Fremde, in einer gelebten christlichen Gemeinde am anderen Ende der Welt.“

Als Überraschung gab es kleine Geschenke aus Deutschland. Mitgenommen hatte Hübener unter anderem Malbücher und 30 Spielzeugenten mit „Langeoog“-Emblem – als Gruß der Inselgemeinde. Hübener: „Schön war, dass uns für die Reise auch viele Privatpersonen mit Spielzeug beschenkt haben oder uns mit Geldgeschenken unter die Arme gegriffen haben.“

Dann gab es – für die meisten Kinder das erste Mal – gebackene Waffeln, aus dem aus Deutschland mitgebrachten Waffeleisen. Ein eigens angeschaffter Minibackofen erweiterte den Weihnachtsteller um deutsche Plätzchen und einen Weihnachtskuchen, für den Hübener zuständig war. „Am ersten Weihnachtstag wurde ein großes Picknick mit allen Kindern und dem Personal an einem nahegelegenen Stausee gemacht. Alle hatten ihre neuen Gewänder an, ein schönes Farbenspiel, die Stimmung in freier Natur war großartig!“

Eine Langeooger Geldspende ermöglichte einen Busausflug ans 350 km entfernte Meer. | Hübener

Ein weiterer Höhepunkt zum Abschluss war ein Busausflug ans 350 km entfernte Meer, finanziert aus einer Langeooger Geldspende. Nur wenige Mädchen waren bisher am Meer gewesen: „Das war ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich die Zahnärztin, die gleich mit ihrem Spitznamen – „Dr. Lila“ – angeredet wurde. 

Und die Bilanz? „Ich werde es wieder tun! Auch wenn ich hier unter schlechteren Bedingungen und auch nur eingeschränkt behandeln konnte, teilweise mehr als in Deutschland arbeitete, so habe ich doch auch Vieles bekommen! Wenn man es denn annimmt, die deutsche Brille abzunehmen und genau hinzuschauen, wie es denn in Indien so funktioniert.“ 

Eines ist „Doktor Lila“ von Langeoog noch wichtig: sich zu bedanken, bei den Menschen, ohne die solch ein Einsatz gar nicht möglich gewesen wäre: dem Ehepaar Bölts, die Kost und Logis im ISA Childrens Home boten! Auch wurde sie mit Geld- und Materialspenden unterstützt von der Zahnärztin Dr. Bremer-Bohde aus Lingen, der Zahnarztpraxis Ebrecht und Partner aus Esens sowie dem Dental Depot Bauer in Oldenburg und den Langeooger Damen- und Herren-Lions-Clubs.

Der Verein, das Projekt

2003 errichteten Dörte und Andreas Bölts in Madurai das christliche Waisenhaus für Mädchen. | Hübener

Damit das Spendengeld nicht in bürokratischen Strukturen versickert, sondern dort ankommt, wo es gebraucht wird, gründeten Dörte und Andreas Bölts einen Verein in Indien und einen in Deutschland. Heute noch fahren sie mindestens zweimal im Jahr nach Madurai, um sich davon zu überzeugen, dass die Spenden ankommen, und um „unsere Kinder“ zu sehen. Interessierte Zahnärzte, die beim Projekt mithelfen wollen, können sich beim Verein melden. In dem Waisenhaus wohnen derzeit 25 indische Mädchen und junge Frauen im Alter von vier bis neunzehn Jahren. Ziel des Vereins ist, das Waisenhaus langfristig zu erhalten, die Lebensbedingungen der Jugendlichen nachhaltig zu verbessern und ihnen eine gute Schulbildung und danach eine Ausbildung zu ermöglichen.

Weitere Infos im Netz unter:
http://www.isa-childrens-home.org

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