Digitales Röntgen

Wie man das richtige Röntgengerät findet

Röntgengeräte zählen zu den teuersten Investitionen in einer Zahnarztpraxis und beeinflussen in hohem Maße die täglichen Arbeitsabläufe. Eine suboptimale Konfiguration der Röntgentechnik kann viel Zeit und Geld kosten und beeinträchtigt nicht zuletzt die Zufriedenheit im Praxisteam. Die eingefügten Checklisten helfen bei der Kaufentscheidung.

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Am Anfang der Überlegung sollte eine Analyse der Praxissituation stehen: Was habe ich, was brauche ich zusätzlich, was benötige ich in drei bis fünf Jahren? Beim Punkt „Was habe ich?“ ist es sinnvoll, kritisch zu prüfen, ob die vorhandene, vielleicht noch analoge Hardware den Ansprüchen bislang genügt hat und ob sie vollumfänglich genutzt wurde. Der Blick in die Zukunft ist naturgemäß schwierig: Zum einen kann sich in drei bis fünf Jahren die Konzeption der Praxis ändern, wodurch eventuell neue Anforderungen ans Röntgen entstehen. Zum anderen ist die Industrie eifrig bemüht, mit neuen Entwicklungen immer neue Akzente zu setzen. Dadurch entsteht Druck beim Kunden, sich in immer kürzeren Zyklen ein neues Gerät anzuschaffen. Gegebenenfalls sollte man also überlegen, ob Leasing eine sinnvolle Alternative ist und dies im Einzelfall mit dem Depot erörtern.

Eine andere wichtige Frage ist, ob man in jedem Behandlungszimmer ein Röntgengerät für intraorale Aufnahmen haben will oder ob sich die Röntgentätigkeit in einem Raum konzentrieren lässt. Für beide Varianten gibt es gute Argumente, hier ist das Praxiskonzept der entscheidende Parameter. Tubusgeräte sind vergleichsweise preisgünstig zu haben, die teurere Komponente der Sensoren oder Speicherfolienscanner muss nicht pro Röntgengerät angeschafft werden, da man sie problemlos variabel einsetzen kann. Wer also häufig während der Behandlung intraorale Aufnahmen macht, kann den Workflow durch ein Tubusgerät in jedem Behandlungszimmer verbessern. Zu bedenken sind dabei aber die Folgekosten für die wiederkehrende Sachverständigenprüfung, die Wartung und die Prüfungsgebühren der zahnärztlichen Röntgenstelle, die ja pro Gerät anfallen.

Beim Anbieter bleiben oder wechseln?

Um zukunftsoffen zu sein, sollte man Netzwerkstrukturen einplanen (lassen), die einen zuverlässigen und einfachen Bilddatenaustausch innerhalb der Praxis erlauben. Die Anbindung an die Abrechnungssoftware ist in der Regel empfehlenswert. Für den ab 2020 auch in der Zahnmedizin vorgesehenen DICOM-Standard gibt es von den Herstellern sogenannte DICOM-Conformance-Statements, aus denen hervorgeht, welche DICOM-Daten über welche Schnittstellen ausgetauscht werden können. Leider ist der Standard beim zahnärztlichen Röntgen nicht so eindeutig, dass alle wünschenswerten Daten auch ausgetauscht werden. Spätestens wenn man eine Vorauswahl für die Geräte und die damit verbundene Software getroffen hat, sollte also die Frage nach der Kompatibilität gestellt werden.

Für die jeweiligen Gerätetypen (Tubus, OPG, DVT, OPG-FRS-Kombi, OPG-DVT-Kombi und OPG-DVT-FRS-Kombi) gibt es eine Vielzahl von Herstellern und Varianten, die einem die Wahl nicht leicht machen. Sicherlich wird man sich erst einmal mit der Hardware des Herstellers beschäftigen, dessen Geräte man bereits in der Praxis hat oder – bei Neugründungen – mit denen man bislang gearbeitet hat. Nach dem Motto „Never change a winning team“ liegt es nahe, gute Erfahrungen übertragen zu wollen. Die Industrie versucht ja auch gezielt, bei Neu- oder Weiterentwicklungen, dem bisherigen Kunden den Umstieg auf neue Geräte einfach zu machen, indem das bekannte Design und vertraute Optionen möglichst beibehalten werden. Bei Investitionen im fünf- bis sechsstelligen Bereich lohnt aber vielleicht doch einmal der Vergleich mit anderen Anbietern.

Erfreulicherweise gibt es heute Portale, die Listen anbieten, in denen Geräte unterschiedlicher Hersteller mit ihren jeweiligen Eigenschaften verglichen werden, zum Beispiel auf www.dentalkompakt-online.de, das vom Spitta-Verlag betrieben wird. Diese auf Herstellerangaben basierenden Tabellen geben die Möglichkeit, sich vor Messe- oder Depotbesuchen einen Überblick zu verschaffen. Interessanterweise sind die Tabellen für DVT-Geräte inzwischen deutlich umfangreicher als die für Tubus- oder OPG-Geräte. Man kann dabei online auch jeweils vier Geräte auswählen und sich deren Eigenschaften vergleichend anzeigen lassen. Auch die Röntgensoftware ist erfasst. 

Allgemein von Interesse sind die Angaben zum Hersteller beziehungsweise Vertreiber und zum Zeitpunkt der Markteinführung. Letzterer verrät uns, wieviel Erfahrung es bereits mit dem Gerät gibt. Angaben zum Gewicht dürften nur bei DVT-Geräten von Interesse sein, da diese durchaus besondere Anforderungen an die Aufstellfläche stellen können. Gerade bei knappen Raumverhältnissen sollte man sehr kritisch den Platzbedarf für die Aufstellung und die im Raum mögliche Anordnung bei größeren Geräten prüfen. Auch für die Anlieferung muss bekannt sein, wie groß die größten Einzelteile (inklusive Verpackung) sind. Das Auspacken auf der Straße, damit die Teile in den Aufzug passen, ist sicher kein erstrebenswertes Szenario. 

Schließlich spielt die Kompatibilität mit anderen Systemen eine wichtige Rolle. Auch Wartungsintervalle und -kosten sind Aspekte, die man berücksichtigen sollte, sind sie doch ein erheblicher Faktor für Folgekosten. Empfehlenswert ist weiterhin, einen Blick auf die Garantiezeit zu werfen. Diesbezüglich gibt es teilweise interessante Angebote und auch die Möglichkeit der Garantieverlängerung gegen Aufpreis. Angaben zu Aufnahmespannung und -strom sind als Auswahlkriterium von untergeordneter Bedeutung, weil sie von den Herstellern in gewissen Grenzen frei wählbar sind (ausgenommen die Untergrenze von 60 kV) und es keine Studien darüber gibt, inwieweit bestimmte Kombinationen aus Spannung und Stromstärke bei OPG- und DVT-Geräten Folgen für die Strahlenexposition und die Bildqualität haben. Das überrascht eigentlich, denn man möchte annehmen, dass diese physikalischen Größen nicht beliebig variabel und kombinierbar sein sollten. Es kann somit keine Empfehlung gegeben werden, in welchem Spannungs- und Stromstärkebereich sich die Werte eines Geräts idealerweise bewegen sollten. Zu beachten ist allerdings, dass bei Geräten mit mehr als 100 kV die Bedingungen für den Strahlenschutz strenger sind (als unter 100 kV).

Bei der Brennfleckgröße gibt es deutliche Unterschiede. So wirkt sich ein kleiner Fokus positiv auf die Bildqualität aus. Studien zur diagnostischen Relevanz der Unterschiede sind dem Autor allerdings nicht bekannt. Für Tubusgeräte liegen die besten Werte bei 0,4 mm, für DVT- und OPG-Geräte bei 0,5 mm – die Nennung erfolgt üblicherweise ohne Einheit mit der Angabe IEC (International Electrotechnical Commission), kann aber als mm-Angabe interpretiert werden.

Sechs Checklisten

In sechs Tabellen (siehe anbei) werden – gegliedert nach Produktgruppen – ausgewählte praxisrelevante Geräteeigenschaften betrachtet und jeweils Erläuterungen und Empfehlungen zu diesen Parametern gegeben. Dabei sind die Tabellen in Anlehnung an die Systematik des Vergleichsportals „dentalkompakt-online.de“ gestaltet.

Wichtig ist: Die Liste der Geräte bietet keinen vollständigen Marktüberblick – es fehlen teilweise auch Geräte namhafter Hersteller. Die Tabellen können als Checklisten genutzt werden und sollen helfen, auf wichtige Kriterien zu achten und rechtzeitig beim Anbieter relevante Fragen abzuklären.

Eine nicht unwesentliche Rolle im täglichen Betrieb von Röntgeneinrichtungen spielt auch das Fehlermanagement. Software soll den Anwender durch die durchzuführenden Prozeduren lenken und dabei unterstützen. Sie soll vor Fehlbedienungen schützen und bei Fehlern konstruktive Vorschläge machen. Diesbezüglich gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Vor allem Fehlermeldungen, die dem Bediener nichts erklären und einfach auf die Hotline verweisen, die dann ihrerseits erst in speziellen Handbüchern recherchieren muss, was die Fehlermeldung bedeuten könnte, sind alles andere als hilfreich. Auch dass Hilfe vielfach nur online zu erhalten ist, ist unbefriedigend. Erfordert es doch vom Administrator der Praxis sicheren Internetzugang von Rechnern, die man vielleicht lieber nicht ans Internet anbinden möchte.

Da Hard- und Software nur bedingt voneinander unabhängig zu erwerben und anzuwenden sind, kann die Entscheidung für das eine oder andere System schwierig werden. Sofern man aber ohnehin plant, Komponenten verschiedener Hersteller in der Praxis zu kombinieren, ist es wichtig zu klären, welche Programme und Geräte problemlos miteinander kombinierbar sind. Anzustreben ist dabei eine Lösung, die möglichst wenig unterschiedliche Röntgenprogramme erfordert. Das unmittelbare Ansteuern der Geräte wird dabei nur mit der dazugehörigen Software möglich sein, aber die Bildverarbeitung kann im Idealfall geräteunabhängig ausgewählt und auf ein Programm begrenzt werden.

Die Vergleichsportale bieten eine gute erste Orientierung

Es dürfte leichter sein, eine Behandlungseinheit auszusuchen und zu kaufen als die optimale Röntgenausrüstung für die Praxis. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie sollte möglichst früh erfolgen. Wenn die heiße Phase der Praxisgründung beginnt, wird man kaum die Zeit haben, sich darum zu kümmern. Fehler bei der Konfiguration der Röntgentechnik können sich später im Hinblick auf die Zufriedenheit beim Team mit dem Workflow und den Diagnosemöglichkeiten unangenehm bemerkbar machen.

Dr. Werner Betz
Oberarzt und Leiter der Röntgenabteilung und Akutambulanz des Zentrums der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7, Haus 29
60596 Frankfurt am Main
w.betz@em.uni-frankfurt.de

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