Humor als Kommunikationsmittel

Sie wollen witzig sein? Dann übertreiben Sie!

Wenn wir etwas lustig finden, liegt das immer daran, dass etwas übertrieben wird. Die Übertreibung ist der Lautstärkeregler des Humors. Wenn ich zu sehr übertreibe, fühlt sich mein Gegenüber vielleicht veräppelt. Wenn ich zu wenig übertreibe, ist sich mein Gegenüber nicht sicher, ob ich es wirklich ernst meine. Die Dosis macht das Gift!

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Übertreibungen können Sie zunächst einmal mit sich selbst üben. Nehmen Sie eine (positive oder negative) Eigenschaft von sich selbst und übertreiben Sie sie tüchtig:

  • Ich kann so gut kochen, dass Sterneköche sich heimlich bei mir Tipps holen.
  • Ich bin so zerstreut, dass der Salzstreuer schon neidisch ist.
  • Ich kann so gut Spritzen geben, dass der Patient sich immer fragt: Wann kommt denn jetzt der Schmerz?

Für Übertreibungen müssen Sie nicht lange nach Material suchen. Nehmen Sie das Offensichtliche an einer Situation oder an sich selbst, übertreiben Sie die Eigenschaft – und schon wird es ein bisschen witzig. Das erlaubt Ihnen außerdem einen liebevollen Blick auf sich selbst und auf die eigenen Macken.

Als nächsten Schritt können Sie anderen Menschen übertriebene, liebevolle Komplimente machen. Diese Komplimente sollten ehrlich gemeint sein. Das geht auch gut mit Ihrem Praxispersonal:

  • Ohne Dich würde der Laden hier nicht laufen. Du bist unsere Orga-Heldin! 
  • Toll, wie Sie den schwierigen Patienten gemanagt haben. Ich muss ja aufpassen, dass Sie nicht abgeworben werden, als Friedensvermittlerin im Nahost-Konflikt!

Eine humorvolle Übertreibung kann auch beim Kommunizieren unangenehmer Aufgaben weiterhelfen:

  • Der Zahnarzt bittet die ZFA, die ohnehin schon völlig überarbeitet ist, kurzfristig etwas ganz Dringendes für ihn zu erledigen, das er leider vergessen hat. „Könnten Sie das bitte sofort rausschicken?“, fragt er auf dem Weg zur Mittagspause. „Und könnten Sie das hier bitte bis fünf Uhr rausschicken?“ Der Blick der ZFA verfinstert sich. Der Zahnarzt nimmt einen Apfel und einen Müsliriegel aus seiner Tasche: „Und mit der anderen Hand, könnten Sie bitte mit diesem Apfel und dem Müsliriegel jonglieren?“ Die ZFA entspannt sich, lacht und meint: „Klar, wenn Sie mein Auto nach Hause schieben könnten – der Tank ist fast leer ...“ Dann lachen beide. Mit seiner Jonglier-Bitte hat der Zahnarzt zu verstehen gegeben, dass er sich bewusst ist, dass er zu viel fordert, und dass dies eine Ausnahmesituation ist. (Angelehnt an John Morreall, „Humour works“)

Mit liebevollen Übertreibungen können Sie sich und andere entspannen. Beim Übertreiben können (und sollen) Sie übrigens auch Ihre Körpersprache einsetzen: Stemmen Sie die Hände in die Hüften, pusten Sie die Wangen auf, werfen Sie die Arme in die Luft und behalten Sie vor allem das Schmunzeln in Ihren Augen.

Kennen Sie humorvolles Spiegeln?

Neben der Übertreibung gibt es eine weitere nützliche Humortechnik: Das Spiegeln ist eine bekannte Kommunikationstechnik, die auf Carl Rogers zurückgeht. Spiegeln bedeutet, das, was ein anderer Mensch gesagt hat (oder vermutlich denkt), in eigenen Worten wiederzugeben.

  • Es reicht mir!
    Spiegelung: Du brauchst eine Pause.

Damit signalisiert man dem Gegenüber: Ich habe dich verstanden. Wir von „Arzt mit Humor“ wenden auch gern die humorvolle Spiegelung an. Dabei wird gespiegelt und gleichzeitig humorvoll übertrieben:

  • Es reicht mir!
    Humorvolle Spiegelung: Du möchtest am liebsten auswandern und nichts von dem hier je wiedersehen!

Oder auch:

  • Das haben wir schon immer so gemacht!
    Spiegelung: Das bisherige Vorgehen hat sich für Sie bewährt. Humorvolle Spiegelung (mit einem liebevollen Schmunzeln): Immer diese wilden Experimente! Das ist Ihnen viel zu anstrengend.

Auch hier ist wichtig, dass Sie Ihrem Gegenüber wohlgesonnen sind, dass Sie lächeln, eine offene, nicht ablehnende Körperhaltung einnehmen, einen liebevollen Ton anschlagen. Sonst wird Ihre Spiegelung vielleicht als Sarkasmus aufgenommen.

Mit wohlwollenden, liebevollen Übertreibungen können Sie Ihr Team und sich selbst motivieren. Humorvolle Spiegelungen helfen in Konfliktsituationen und sorgen für eine reibungslosere Kommunikation im Team und mit Patienten. Wie bei allen Humortechniken gilt auch hier: Üben Sie erstmal im vertrauten Umfeld, mit sich selbst, zu Hause, mit Freunden oder in der Familie. Wenn Sie sich dann sicherer fühlen, können Sie erste Versuche in der Praxis starten. Trauen Sie sich einfach. Es lohnt sich!

Katrin Hansmeier ist Mitarbeiterin des Deutschen Instituts für Humor, das 2005 in Leipzig gegründet wurde. Sie trainiert Unternehmen, die Ressource Humor für sich optimal zu nutzen.

Ihre Kollegin Dr. Kareen Seidler erforscht den Humor auf wissenschaftlicher Basis.

Die Initiative „Arzt mit Humor“ fördert wertschätzenden Humor bei Ärzten und Pflegekräften aller Fachrichtungen. Weitere Informationen unter www.arztmithumor.de

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