Die zm-Kolumne rund um die relevanten Praxisfragen: Personalmangel Teil 2

Wie der Personalnot konkret begegnen?

Henrici hilft - der Praxisflüsterer nosorogua martialred-Fotolia

 

E-Mail an Henrici | Privat

Im zweiten Teil der Serie zum Thema Personalmangel geht es darum, beispielhaft Lösungsvorschläge für die aufgestellten Thesen aufzuzeigen.
Zuvor ein Beispiel, warum sich der Personalmangel noch schlimmer auswirken wird, als die reinen Zahlen vermuten lassen. Kürzlich führte ich ein Gespräch mit dem Personalvorstand eines multinationalen Konzerns zum Thema Personal und Personalentwicklung. Er berichtete, dass bereits im Einstellungsgespräch bei Studienabgängern und auch bei soeben fertig studierten Fachkräften die Möglichkeit zum Sabbatjahr in den Personalentwicklungsplan frühzeitig eingebaut wird, teilweise schon bevor das 30. Lebensjahr erreicht ist. Das klingt alles gut, aber in der Konsequenz wird auf diese Weise die generell zur Verfügung stehende Arbeitszeit zusätzlich verengt, was in der Konsequenz eine weitere Verschärfung für den Arbeitsmarkt bedeutet.
Doch zurück zu meinen Thesen aus Heft zm 12/2019, S. 38–40 und den möglichen Lösungsansätzen. Auf einen wichtigen Umstand muss ich zuvor noch hinweisen: Ich habe keine Glaskugel vor mir liegen, mit der ich die Zukunft vorhersagen kann! Vielmehr basieren meine Aussagen und Thesen auf der Beobachtung der makro- und mikroökonomischen Veränderungen in Verbindung mit     dem breiten Erfahrungsschatz und den Erkenntnissen aus der Beratung und Betreuung von mittlerweile fast 3.000 Zahnarztpraxismandaten, die wir deutschlandweit begleiten.

 These 1
 Die derzeitige Personalnot ist nicht mehr als ein kleiner Vorbote. Der Tsunami mit den hohen Abgängen beim Personal, aber eben auch bei den Praxisinhabern, wird ab den Jahren 2021 und 2022 hart einschlagen.

 

 Mehr Automatisation, um Arbeitskraft einzusparen

Wir müssen das zahnärztliche Arbeitsumfeld so weiterentwickeln, dass einfache Tätigkeiten wegfallen beziehungsweise durch eine Maschine/Automatismen/Robotik oder einen schlankeren Prozess ersetzt werden können. Dies hat zwei Konsequenten: Entweder wir ersetzen dadurch nicht am Markt rekrutierbare Arbeitskräfte oder – und das ist die bessere Vorgehensweise – der oder die Mitarbeiter/in wird für hochwertigere Aufgaben aufqualifiziert (mehr dazu unter 3).

 These 2.
 Der Kampf um den Nachwuchs wird für alle Arbeitgeber brutal. Im Vergleich zur Dentalwelt sind andere Branchen jedoch seit Jahren hochgerüstet auf der Jagd nach arbeitsfähigen Schulabsolventen.

Mit der Erfahrung aus mehr als 2.600 umfassenden Mandaten in zehn Jahren beantwortet der Praxisexperte und Hauptgesellschafter der „OPTI health consulting GmbH“ Fragen von Mandanten und Lesern zum Unternehmen Zahnarztpraxis. Der Einblick in seinen „Praxis“- Alltag soll Lösungsansätze aufzeigen, um Problemen in der Praxis so früh wie möglich begegnen zu können. Oder besser – um diese gar nicht erst entstehen zu lassen. | zm-mg

Wir müssen lernen, eine Vielzahl an Behandlungen mit der Zwei-Hand-Technik durchzuführen. Die skandinavischen Länder können hier als Vorbild dienen. Die Terminplanung muss so umgestaltet werden, dass en bloc Zwei-Hand-Behandlungen durchgeführt werden und in Zeiträumen, in denen eine weitere Kraft zur Verfügung steht, werden Vier-Hand-Behandlungen an der Reihe sein. In Zukunft werden deutlich weniger Mitarbeiter(zeiten) für folgende Tätigkeiten benötigt werden:
- Allgemeine Patientenkommunikation
- Abrechnung
- Assistenz eines Behandlers bei einer Vielzahl von Behandlungen
- Abdrucknahmen
Mehr Mitarbeiter(zeiten) werden hingegen für delegierbare Behandlungen benötigt:
- Prophylaxebehandlungen
- Zahnaufhellungen
- Teilbehandlungen
- Vorbereitende Behandlungen
- Nachbereitende Behandlungen
Damit sind die Behandlungen gemeint, die der Arzt teil- oder vollständig an seinen Mitarbeiter übergeben kann. Hierfür wird eine saubere Prozesskette in der Personal- und Terminplanung zwingend erforderlich werden.
Mehr Mitarbeiter werden ebenfalls im Rahmen der allgemeinen Organisation und Compliance benötigt:
- Hygiene
- Datenschutz

 These 3.
 Die Lage wird sich für Generationen nicht wieder bessern. Im Gegenteil: Die Generationen ab 1970 haben weitere lebensarbeitszeitreduzierende Bedürfnisse.

Mitarbeiter konsequent und stetig qualifizieren

Vorhandenes Personal muss weiter qualifiziert und mit mehr Verantwortung, mehr Geld und einem attraktiven Arbeitsumfeld ausgestattet werden.
Von den circa 210.000 ZFAs, die in deutschen Praxen beschäftigt sind, haben etwa 25.000 eine Aufstiegsfortbildung. Das sind knapp 12 Prozent aller ZFAs. Auf der Metaebene betrachtet sind es eben diese 12 Prozent, die tendenziell die Möglichkeit besitzen, Erstverdiener in ihrem Haushalt zu sein. Erstverdiener arbeiten regelmäßig deutlich mehr Stunden die Woche als Zweitverdiener. Um mehr Arbeitsstunden je Mitarbeiter zu generieren, muss es unsere Pflicht werden, das bestehende Potenzial auszuschöpfen und das Personal aufzuqualifizieren.
Ich schätze, dass eine Verdopplung auf 50.000 ZFAs mit Aufstiegsfortbildung bis zum Jahr 2025 notwendig ist, um die anfallenden, beschriebenen delegierbaren Tätigkeiten bearbeiten zu können. Das bedeutet, dass dann circa 25 Prozent der ZFAs eine Aufstiegsfortbildung haben werden. Pro Jahr müssen somit circa 5.000 ZFA weiterqualifiziert werden …

 These 4.
 Der Nummer-1-Grund für Praxisschließungen wird ab dem Jahr 2024 der Zustand „personallos“ sein.

Bessere Branchenwerbung hat Priorität

Der Berufsstand muss viel entschlossener, auffälliger und signifikant aggressiver investieren, um junge Leute in den Beruf zu bringen. Die (um junge Leute) mitbewerbenden Branchen haben bereits vor zehn bis fünfzehn Jahren angefangen, eine sorgfältige und attraktive Branchenwerbung zu gestalten. Mit der Zeit ist diese durch viele Lernkurven gegangen – so hat heute beispielsweise der Einzelhandel einen deutlich besseren Ruf als in den 90er-Jahren. Diese Initiativen und Lernkurven hat auch unsere Branche zu bestreiten und das als Priorität Eins – mit dem entsprechenden Zeit- und Geldaufwand.

Fazit: Wir dürfen nicht wegschauen, jeder Beteiligte hat seine Aufgabe. Wir alle müssen konzertiert an Lösungen arbeiten: Sowohl die Zahnarztpraxis als auch die Standesvertretungen sowie Fortbildungsinstitutionen. Nachdem die Mahnungen jahrelang nicht „gehört“ worden sind, haben nun eine Vielzahl an Zahnärztekammern ihre Initiativen gestartet. Besonders gefreut hat mich kürzlich bei der Kammerversammlung in Schleswig-Holstein, auf der ich die Eröffnungsrede halten durfte, dass sogar Anträge zu diesem Themenkomplex vorlagen und von den Delegierten überwältigend befürwortet wurden.
In der nächsten Ausgabe werde ich eine Annäherung versuchen, was wir jetzt bereits tun müssen.

In diesem Sinne …
Ihr Christian Henrici

Henrici@opti-hc.de
www.opti-hc.de


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