Anwendung der neuen Fluoridempfehlungen

Zwischen Kariesprävention und Dentalfluorose

September 2018 wurden die neuen Empfehlungen zur Fluoridkonzentration vorgestellt. Hintergrund für die Initiative bildete der Befund, dass bevölkerungsweit der Kariesrückgang bei den Milchzähnen im Vergleich zum bleibenden Gebiss deutlich zurückgeblieben war. AdobeStock_Yantra

Eine akute Fluoridintoxikation ist klinisch fast ausgeschlossen, da die therapeutische Sicherheit in der Kariesprophylaxe ausgesprochen hoch ist. Die wahrscheinlich toxische Dosis von 5 mg Fluorid pro kg Körpergewicht ist mit Präparaten zur Kariesprophylaxe kaum zu erreichen [Hellwig, 1996]: Bei einem einjährigen Kind mit einem Gewicht von acht Kilogramm sind dies 40 mg Fluorid, was beispielsweise der Menge von 160 der altersentsprechenden Fluoridtabletten entspricht.

Die sicher tödliche Dosis liegt um das Sechs- bis Zehnfache darüber. Die Sicherheitsmargen bei Zahnpasten (Abbildung 2) liegen aufgrund der niedrigeren Konzentration noch erheblich darüber. Nur bei sehr kleinen Kindern (0 bis 4 Jahre) und dem fahrlässigen Einsatz von fluoridhaltigen Reinigungspasten, Gelen und Lacken können akute, toxische Symptome hervorgerufen werden. Beim Verschlucken von geringfügigen Überdosen kann es allerdings zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Abbildung 2a: Eine nichtrepräsentative Besichtigung der Drogerie- und Supermarktregale erbrachte eine Kinderzahnpaste mit 1.000 ppm und dünner Öffnung für eine reiskorngroße Dosierung vom ersten Zahn an. | Mourad/Splieth

Abbildung 2b: Andere Zahnpasten mit 1.000 ppm haben eine größere Öffnung und sind daher erst ab einem Alter von zwei Jahren vorgesehen| Mourad/Splieth

Abbildung 2c: während viele Kinderzahnpasten trotz Aufdruck „Altersgerechter Fluoridanteil“ mit nur 500 ppm für Kindergartenkinder noch nicht die neuen europäischen und deutschen Empfehlungen umsetzen. Eltern sollten deshalb in der Zahnarztpraxis beraten und dazu angehalten werden, die Herstellerangaben zur Fluoridkonzentration genau zu lesen. | Mourad/Splieth

Die Gefahr von klinisch relevanten Dentalfluorosen (Abbildung 3) besteht bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren, da bis dahin alle bleibenden Zähne im sichtbaren Bereich mineralisiert sind. Somit ist bis zu diesem Alter die Fluoridnutzung sorgfältig zu kontrollieren. Bei 0,05 bis 0,07 mg Fluorid pro kg Körpergewicht kommt es bei einem Teil der Kinder zu sehr leichten, weißlichen Schmelzflecken [Angmar Manson und Whitford, 1982; Baelum et al., 1987]. Das Risiko für die permanenten Frontzähne ist bei Kleinkindern am höchsten, da sie ein geringes Körpergewicht aufweisen und damit die kritische Dosis niedrig liegt. Außerdem verschlucken sie einen Teil der Kinderzahnpaste.

 

Zur Vermeidung von Dentalfluorosen sollte/n bei Kindern unter sechs Jahren
- vor der Fluoridnutzung eine Fluoridanamnese erhoben werden,
- die Fluoridaufnahme über Kinderzahnpaste kontrolliert werden,
- die Kombination von mehreren Fluoridpräparaten kritisch abgewogen werden,
- hochkonzentrierte Fluoridpräparate nur in der Zahnarztpraxis und sparsam aufgebracht werden.

 

Fluoridpräparate für Kleinkinder

Fluoride sind nicht die einzige Säule der Kariesprävention. Die Fluoridanwendung muss in ein präventives Gesamtkonzept eingebettet sein, das auch die Plaqueentfernung und Ernährungslenkung einbezieht. Die Evidenzbasis für Fluoride ist allerdings gegenüber allen anderen Präventionsansätzen am besten und daher sollten sie explizit genutzt werden. So bietet sich beim Zähneputzen neben der reinigenden Wirkung die gleichzeitige Lokalfluoridierung mit Zahnpaste an. Bei der Ernährung ist neben der Häufigkeit der Zuckerimpulse die Fluoridaufnahme im Trink- und Mineralwasser sowie in anderen Lebensmitteln zu berücksichtigen.


Insgesamt stehen zur Kariesprävention zahlreiche Fluoridpräparate zur Verfügung, aber bei Kleinkindern sollte die Aufnahme von erhöhten Dosen ausgeschlossen werden. Aufgrund der Gefahr des unkontrollierten Verschluckens ist der Einsatz von Mundspüllösungen oder Fluoridgelen daher bei Kleinkindern nicht sinnvoll. Der regelmäßige ordnungsgemäße Gebrauch von Kinderzahnpasten führt bei einer Kontrolle der anderen Fluoridquellen, insbesondere bei Ausschluss der systemischen Zufuhr über Tabletten, nicht zur Dentalfluorose (Abbildung 3).
Die Wirkung von Fluoridlacken ist wissenschaftlich hervorragend untersucht. Auch bei kleinen Kindern ermöglichen sie als professionelle Applikation einen gut dosierbaren, risikobezogenen Einsatz für Kariesprädilektionsstellen, Initialläsionen oder kariöse Defekte. Eine Metaanalyse ergab einen durchschnittlichen kariespräventiven Effekt von 46 Prozent [Marinho, 2009].

 

Abbildung 3: Die leicht erhöhte, systemische Fluoridaufnahme im Kleinkindalter führt zur Dentalfluorose, meist an den permanenten Frontzähnen. | Christian H. Splieth

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Stefan Dr. Dietschedie heilige Kuh
Sehr geehrte Kollegen-innen,
auch wenn es die heilige Kuh der ZHK ist...
Gibt man "fluoride toxicity" oder "fluoride toxicity" ein, erhält man über 400.000 links mit oft schlimmen wissenschaftlichen Verdachtsmomenten. Und das Argument,
mehr anzeigen ...
es werden nur kleine Dosen Fluoride..., ist angesichts der Fluoridakkumulations im Körper hinfällig.
Und nun?

Vor 2 Monaten 4 Wochen
1567943399
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