FDI-Weltzahnärzteverband tagt in San Francisco

Ein Kongress der Überraschungen

Was bleibt im Gedächtnis vom FDI-Weltkongress 2019? Zwei handfeste politische Überraschungen: In der Generalversammlung wurde die Außenseiterin aus Marokko, Prof. Ishane Ben Yahya aus Casablanca, zur Präsidentin-elect gewählt. Sie ist die erste Afrikanerin im Vorstandsgremium der FDI. Und Dr. Juliane von Hoyningen-Huene, Vorstandsmitglied des Verbands der Zahnärztinnen (VdÄZ), wurde zur Vorsitzenden der FDI-Sektion Women Dentists Worldwide gewählt.

Die Freude der marokkanischen Delegation ist groß: Prof. Ishane Ben Yahya wurde zur Präsidentin-elect gewählt und wird in zwei Jahren den Weltverband FDI führen. Anita Wuttke

Stabübergabe nach zwei Jahren: Dr. Gerhard Seeberger übernimmt das Amt des FDI-
Präsidenten für die kommenden zwei Jahre von Dr. Kathryn Kell.  | Anita Wuttke

Rund 30.000 Teilnehmer kamen Anfang September zur Fortbildung nach San Francisco – so viele wie selten zuvor in der Geschichte des FDI-Weltzahnärzteverbandes. Der Grund für die deutlich höhere Zahl im Vergleich zu Buenos Aires 2018 und Madrid 2017: die mächtige American Dental Association (ADA) fungierte dieses Jahr als Partner der FDI. Entsprechend viele US-amerikanische Zahnärztinnen und Zahnärzte waren in San Francisco. Die ADA ist die größte zahnärztliche Vereinigung der USA und repräsentiert 157.000 Zahnärzte und 20.000 Zahnmedizinstudenten.

Nach zweijähriger Amtszeit wurde Dr. Kathryn Kell, USA, als Präsidentin der FDI von Dr. Gerhard Seeberger abgelöst, der zwei Jahre zuvor von den 130 Delegationen aus aller Welt in Madrid zum Präsident-elect gewählt worden war. Der neue erste Mann ist seit 2004 für die FDI aktiv und war seinerzeit Präsident des italienischen Zahnärzteverbandes (AIO). 2007 stand er der ERO, der Europäischen Regionalorganisation der FDI vor; anschließend wurde der deutschstämmige Seeberger Council-Mitglied, später zum Sprecher gewählt und 2017 in Madrid Präsident-elect. Die Schwerpunkte seiner zweijährigen FDI-Präsidentschaft sieht Seeberger in der Umsetzung des Strategieplans 2018 bis 2020, der auf die Chancengleichheit für (zahn-)medizinisch unterversorgte Menschen abzielt.

Mit der Marokkanerin Ishane Ben Yahya ist nun erstmals auch der afrikanische Kontinent im FDI-Council vertreten. Ben Yahya ist Professorin der zahnmedizinischen Fakultät für Oralchirurgie an der Universität von Casablanca. Sie setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Bundeszahnärztekammerpräsident Dr. Peter Engel durch.Der bisherige Schatzmeister, Dr. Jack Cottrell aus Kanada blieb chancenlos. Er verlässt turnusgemäß den FDI-Council nach zweijähriger Amtszeit. Zum Nachfolger gewählt wurde Dr. Ben Chadwick aus den USA.
Die Generalversammlung verabschiedete insgesamt acht Resolutionen (Policy Statements). Sie zielen auf die Verbesserung der globalen Mundgesundheit und konkretisieren die in Buenos Aires und in früheren FDI-Generalversammlungen gefassten Beschlüsse.

Die deutsche Delegation mit Dr. Peter Engel (links) an der Spitze war für viele Impulse und Vorschläge verantwortlich, die in die Beschlüsse und Resolutionen flossen. | Anita Wuttke

Kam, sah und siegte: Mit Prof. Ishane Ben 
Yahya aus Casablanca wurde die erste Afrikanerin in den Vorstand der FDI gewählt. | Anita Wuttke

  • Bei der Erstbehandlung kariöser Läsionen bevorzugt die FDI, wo möglich, den präventiven Ansatz anstelle der restaurativen Therapie – dem Internationalen Caries Classification and Management System (ICCMS) folgend. Der Beschluss nennt neben Fluorid erstmals auch Silberdiaminfluorid als Alternative zum Bohren – eine Konzession an die amerikanische Delegation.
  • Auch bei der restaurativen Behandlung befürwortet die FDI nach wie vor den minimalinvasiven Ansatz und fordert entsprechende Fortbildung in Form von Curricula und ständigen Weiterbildungen.
  • Die Forderung nach Zugang und Verbesserung zur/der Mundgesundheit für schutzbedürftige und unterversorgte Bevölkerungsgruppen bleibt nach wie vor ein Hauptanliegen der FDI. Die Resolution wurde 2018 auf Initiative der Bundeszahnärztekammer in Buenos Aires auch an den G20-Gipfel adressiert und gehört zur FDI-Strategie 2018 bis 2020. Darin fördert die FDI in Kooperation mit nationalen Zahnärztekammern die Suche nach Möglichkeiten der Finanzierung und Umsetzung, die zu einer Verbesserung der zahnmedizinischen Versorgung von schutzbedürftigen und unterversorgten Menschen führen könnte.
  • Das Thema Antibiotika-Resistenzen bleibt brisant. Die FDI plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika und nimmt auch den zahnärztlichen Berufsstand in die Pflicht: Zahnärzte müssten national und global ihren Beitrag leisten, um diese Resistenzen zu reduzieren.
  • Der Zugang zu e-Learning-Programmen ist weiter ein Anliegen der FDI, um es den Zahnärzten weltweit zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten an den (zahn-)medizinischen Standard anzupassen und die Anforderungen der Bevölkerung an die Zahnmedizin zu erfüllen.
  • Bei der internationalen Rekrutierung von zahnmedizinischen Berufsangehörigen hat auch die FDI Defizite ausgemacht. Analog zur Forderung der Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem Verhaltenskodex für die internationale Rekrutierung von Gesundheitspersonal fordert die FDI von den Regierungen und nationalen Zahnärzteverbänden, darauf zu achten, dass eine angemessene Anzahl von Zahnärzten entsprechend ausgebildet und zugelassen ist, um den nationalen Standard der Mundgesundheit aufrecht zu erhalten und die Migration in entwickelte Länder zu unterbinden. Die Migration von Gesundheitspersonal hat in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zugenommen, insbesondere aus Ländern mit niedrigem Einkommen und bereits fragilen Gesundheitssystemen.
  • Infektionsprävention und -kontrolle in der Zahnarztpraxis sind seit Singapur 2009 Thema in den Ausschüssen der FDI. Jetzt wurde das Papier überarbeitet und die Forderungen wurden präzisiert. So ergeht im Detail die Aufforderung an zahnmedizinische Berufsangehörige, sich entsprechend zu schützen, die notwendigen Impfungen vorzuweisen und die Schutzmaßnahmen zum Infektionsschutz einzuhalten. In Bezug auf die Patienten wird hervorgehoben, dass es für den Berufsstand unethisch sei, Patienten allein aufgrund ihrer durch Blut übertragenen Infektionskrankheiten von der Behandlung auszuschließen.
  • Nicht jede Okklusionsstörung oder Fehlstellung macht zwangsläufig eine kieferorthopädische Behandlung erforderlich. Die FDI verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf den Index of Orthodontic Treatment Need (IOTN) und den Dental Aesthetic Index (DAI), die den Behandlungsbedarf nach einem Ranking-System einordnen. Eine der wesentlichen Forderungen in dem Papier: Kenntnisse zum Zusammenhang von Okklussionsstörung, oraler und allgemeiner Gesundheit sollten in der zahnmedizinischen Ausbildung vermittelt werden.
  • Die Generalversammlung stimmte mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit neuen Mitgliedschaften zu. Der Zahnärzteverband der Republik von Srpska (Bosnien-Herzegowina) sowie die Zahnärztekammer von Bosnien-Herzegowina wurden aufgenommen und gehen als FDI-Mitglied im Zahnärzteverband von Bosnien und Herzegowina auf.

Der nächste FDI-Weltkongress findet 2020 in Shanghai statt.

Anita Wuttke
freie Journalistin, München

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