Abschlussfeier des 10. Jahrgangs der AS Akademie

Zwei Väter, keine Mütter, trotzdem drei Kinder

Wenn es stimmt, dass die höchste politische Währung Glaubwürdigkeit ist, dann war die Gründung der AS Akademie vor 20 Jahren die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt. Sie zielte darauf ab, eine breite personelle und gut ausgebildete Basis für eine erfolgreiche, auf Augenhöhe agierende zahnärztliche Berufs- und Standespolitik mit Schwerpunkt Selbstverwaltung zu legen. Wurden die Ziele erreicht?

Abb.: Die AbsolventInnen des 10. Jahrgangs der AS Akademie: 
Reihe oben, von links: Dr. Markus Esch (Rheinland-Pfalz), Damian Desoi (Hessen), Dr. Daniela Wind (Saarland), Dr. John Frederic 
Jennessen (Nordrhein-Westfalen), Dr. Gerrit Meyer (Rheinland-Pfalz), Dr. Dimitrios Georgalis (Hessen), Inna Dabisch (Geschäftsführerin 
AS Akademie), Helge Suhr (Schleswig-Holstein), Dr. Stephanie Beyer (Sachsen), Dr. Julia Hartl (Baden-Württemberg), Johanna Sophie 
Mücke (Mecklenburg-Vorpommern); Reihe unten, von links: Manja Gampe (Brandenburg), Rebecca Otto (Thüringen), Dr. Gabriela Haas (Schleswig-Holstein), Dr. Stefanie Marxkors (Nordrhein-Westfalen), Prof. Dr. Christoph Benz (wiss. Leiter), Dr. Sarah Schneider (Mecklenburg-Vorpommern), Katrin Holst (Hamburg), Dr. Romy Ermler (Brandenburg), Dr. Franziska Pohlmeyer (Schleswig-Holstein), Ann-Kathrin Kiesel (Nordrhein-Westfalen), Dr. Isabel Deckwer (Hessen), Ulrike 
Johanna Schneider (Nordrhein-Westfalen), nicht im Bild: Dr. Jeannine Bonaventura (Saarland) Jürgen Schulzki ©

Den 10. Studiengang der Akademie haben im Dezember 2019 insgesamt 23 zahnärztliche KollegInnen mit dem Zertifikat „Manager in Health Care Systems“ erfolgreich abgeschlossen. Betrachtet man die mittlerweile zehn Jahrgänge, die die zweijährige Fortbildung erfolgreich durchlaufen haben und die großteils aktiv in der Standespolitik engagiert sind, dann ist die AS Akademie zweifellos ein Erfolgsmodell, um ZahnärztInnen für die Berufspolitik fit zu machen. Denn ein am Gemeinwohl orientierter freier Beruf ist darauf angewiesen, seine Rolle in einer sich verändernden Gesellschaft und damit in und gegenüber der Politik nachhaltig deutlich machen zu können. Der wissenschaftliche Leiter der AS Akademie, Prof. Dr. Christoph Benz, brachte die Notwendigkeit anlässlich der Abschlussfeier des nunmehr 10. Jahrgangs auf den Punkt: „Als freier Beruf sind wir angewiesen auf unsere Intelligenz, auf unser Charisma, auf unsere Möglichkeiten, auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Dies insbesondere mit der Politik.“

Dazu braucht es fundiertes Wissen (das man im Studium nicht lernt) und engagierten Nachwuchs für die Berufs- und Standespolitik. Der aus möglichst allen Bereichen der Zahnärzteschaft kommen soll. Rebecca Otto, niedergelassene Kinderzahnärztin aus Jena, beschrieb es in ihrer Rede der AbsolventInnen so: „Vor etwa zwei Jahren sind wir in den Räumen der Bundeszahnärztekammer erstmalig aus vielen Teilen Deutschlands zusammengekommen, um gemeinsam auf eine Reise zu gehen. Junge Kollegen trafen dabei auf erfahrenere, gestandene Kollegen, Angestellte auf Niedergelassene, Frauen auf wenige Männer. In der Standespolitik noch Neuland. Aus Kollegen wurden Freunde fürs Leben, die sich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein breit gefächertes Netzwerk ist entstanden. Einige haben in den zwei Jahren schon Ämter und Aufgaben in der Selbstverwaltung übernommen.“

Die AS Akademie wirkt

Stichwort Netzwerk: Dr. Henner Bunke, Präsident der Landeszahnärztekammer Niedersachsen, machte die Quintessenz in seinem Grußwort der Träger der AS Akademie deutlich, nämlich dass „wir nur alle zusammen besonders schlagkräftig sind“. Die Selbstverwaltung, basierend auf der Subsidiaritätsvorstellung der preußischen Verwaltung, erfordere zunehmend ein ständiges Ringen um föderale Strukturen. Es gehe um die Selbstbestimmung für eine demokratische Selbstverwaltung und eben nicht um die Funktionärsherrschaft mit überzogenem Selbstdarstellungsanspruch. „Bleiben Sie in der Berufspolitik – wir brauchen mehr von Ihnen“, rief der Kammerpräsident den AbsolventInnen zu. Das allerdings hört sich nach Arbeit an und weniger nach der viel beschworenen Work-Life-Balance moderner Prägung.

Rüdiger Winkelmann, führte in seiner Ansprache aus, wie wichtig es war und ist, „Waffengleichheit“ herzustellen, „sonst haben wir“ – so seine immer wieder gemachte Erfahrung – „in der Politik keine Chance“. Und auch er, AS-Absolvent des 1. Studienjahrgangs, formulierte einen Wunsch an den 10. Jahrgang: „Vergessen Sie nicht Ihren Berufsstand!“ Und weiter: „Die meisten alten Männer haben Ihnen genug Arbeit überlassen!“

AS Akademie – Nachwuchs für die Selbstverwaltung

Professionelle Schulung für die Berufspolitik
Am 5. März 2020 startet der 11. Fortbildungsgang der Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement (AS). Seit 20 Jahren gibt es das berufsbegleitende Fortbildungsangebot für ZahnärztInnen, die Interesse an der Übernahme von Verantwortung in Gremien der zahnärztlichen Berufspolitik und Selbst-verwaltung haben und sich das notwendige Know-how dafür zulegen wollen. Neben der gesundheitspolitischen Fortbildung erhalten die Teilnehmer auch Rüstzeug für das betriebswirtschaftliche Management ihrer Praxis. Zum umfangreichen Themenspektrum gehören unter anderem Recht und Ökonomie des Gesundheitswesens und der Zahnarztpraxis, Gesundheitssystemforschung, Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit. Diskussionsforen zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen mit Entscheidungsträgern und Besuche bei politischen Institutionen in Berlin und Brüssel runden das vielseitige interdisziplinäre Studienprogramm ab. Die Studienvermittlung erfolgt unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Christoph Benz, durch hochkarätige Dozenten aus Politik, Wissenschaft und Praxis. Das zweijährige Curriculum kostet 3.900 Euro und wird gemäß den Leitsätzen der BZÄK/DGZMK/KZBV zur zahnärztlichen Fortbildung mit Punkten bewertet. Einige wenige Plätze sind noch frei. Anmeldung und weitere Informationen: www.zahnaerzte-akademie-as.de


Arbeit schon, aber auch die Stühle? Zitieren wir – ohne das Sujet von den vielen alten Männern auf den Stühlen der Berufspolitik überstrapazieren zu wollen, sondern es vielmehr ins richtige Licht zu rücken – nochmals aus der Abschlussrede der AbsolventInnen: „Wir sind ein Beispiel dafür, dass es politisch motivierten Nachwuchs gibt. Allerdings ist Ihr (gemeint sind die, die sich bereits in der Berufs- und Standespolitik engagieren, die Redaktion) Wissen und Ihr Erfahrungsschatz für uns enorm wichtig. Wir möchten Sie, die erfahrenen Standespolitiker, nicht verdrängen, sondern mit Ihnen gemeinsam die Zukunft unserer Kollegen gestalten. Und hiermit meinen wir alle Kollegen, die Jungen, die Älteren, die Angestellten, die Selbstständigen und die, die ihr Glück in einem MVZ suchen. Wir spielen nicht die Reise nach Jerusalem! Geben sie alle bitte ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiter an die Kollegen und Kolleginnen, die nicht zwei Jahre jünger sind, sondern 20 Jahre.“

Das hätten Dr. Dr. Jürgen Weitkamp und Prof. Dr. Burkhard Tiemann, die beiden Gründerväter der AS Akademie vor etwas mehr als 20 Jahren, als eines der Ziele der Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement, nicht anders beschrieben. Womit wir bei der Auflösung der Überschrift angelangt sind. Die zwei Väter sind nun geklärt. Mangels damaliger Gründungsfrauen gab es keine Mütter. Und trotz der nicht unerheblichen zusätzlichen Belastung durch den knapp zweijährigen Studiengang erblickten im Laufe des 10. Jahrgangs trotzdem drei Kinder das Licht der Welt. Keine der Mütter hat deswegen Kurse oder Seminare versäumt, alle erreichten ihren Abschluss. Soviel zum Dauerthema Work-Life-Balance oder genauer – den damit landläufig verbundenen Vorstellungen.

Und jetzt wird auch verständlich, warum Benz in seiner Einleitung sagte: „Die AS Akademie ist ein Kraftwerk für die Standespolitik ...“

Die Trägerorganisationen der Akademie

Ziel der AS Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement ist eine umfassende wissenschaftlich und systematisch ausgerichtete Selbstprofessionalisierung der Zahnärzteschaft für den Erhalt und die Stärkung der Freiheit im Heilberuf.
Unter Schirmherrschaft von BZÄK und KZBV wird sie derzeit von der Ärztekammer Saarland (Abt. Zahnärzte), den Zahnärztekammern Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sowie den KZVen Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe getragen und kooperiert mit dem Bundesverband der Zahnmedizinstudenten in Deutschland (BdZM e.V.).

Freiberuflichkeit in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels

Europa, seine Institutionen und die vielfältigen Verbindungen in die nationale Politik und Gesetzgebung sind ein wesentlicher Bestandteil des Curriculums – und ein nicht unwesentlicher Grund für häufiger werdende Bauchschmerzen bei den „freien Berufen“. Schließlich geht es um gesellschaftliche Grundordnungsprinzipien.

Mit den sogenannten freien Berufen verbinden sich in den einzelnen Ländern sehr unterschiedliche ordnungspolitische Konzepte, führte der Festredner, RA Florian Lemor, Hauptgeschäftsführer der Bundeszahnärztekammer, aus. In der Dienstleistungsrichtlinie finden sich nach deutschem Verständnis Heilberufler nicht wieder, nicht jedoch aus europäischer Perspektive.

In Deutschland hat die Freiberuflichkeit eine grundlegend andere Dimension: Hier erwächst aus der Informationsasymmetrie im Verhältnis Professional zu Patient ein besonderer Schutz der Leistungsempfänger vor den Leistungserbringern, der – und das ist der Punkt – von den Leistungserbringern selbst zu gewährleisten ist. Zudem ist in Deutschland die freiberufliche Selbstverwaltung mittelbare Staatsverwaltung. Das dies im Kontext des EU-Megatrends Deregulierung – wozu im Wesentlichen die Dienstleistungsfreiheit zu zählen ist – zu Konflikten führt, liegt auf der Hand. Hierzu wies Lemor auf eine äußerst problematische, sich aktuell entwickelnde Konstellation im Zusammenhang mit der Verhältnismäßigkeitsrichtlinie hin: Man versucht, „Europa“, mithin also die Vorstellung der Kommission, auf der Landesebene in Deutschland quasi durch die Hintertür durchzusetzen. In der Konsequenz würde dieses gemäß der deutschen Rechtslage auf die Einführung einer Fachaufsicht hinauslaufen. Ein gewaltiger Unterschied zum heutigen Prinzip der Rechtsaufsicht.

Ein weiterer Megatrend aus Brüssel ist die Deregulierung samt der damit verbundenen Ökonomisierung. Es bestehe jedoch die Hoffnung, dass das deutsche SGB V von diesem Trend verschont bleibt. Zwar gelte der Grundsatz „keine Flucht ins Sozialrecht“, doch der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) habe anlässlich einer Konferenz am 2. Dezember betont, dass er hier keine Rechtsfriktionen sehe. Das Fazit Lemors: „Wir stehen vor einer Zeitenwende, zwei Systeme prallen aufeinander.“ Letztlich komme es auf eine kluge Mischkalkulation an, die das Maximum für den Berufsstand herausholen müsse. Das Maximum bedeute aber nicht, dass alles beim Alten bleiben könne.

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