Humorforschung

Nach der Behandlung ein Comedy-Video

Lachen ist die beste Medizin – schon klar, kennt jeder. Aber jetzt mal im Ernst: Zum Abschluss der Serie „Humor als Kommunikationsmittel“ berichten die Autorinnen, welche handfesten Erkenntnisse die Humorforschung gewonnen hat.

Wissenschaftlich belegt: Wenn Menschen lustige 
Filme anschauen, steigen 
ihre Schmerztoleranz und die Schwelle für ihr Schmerzempfinden. AdobeStock_Rawpixel

Man könnte meinen, Humor und Wissenschaft seien zwei Dinge, die absolut nicht zusammenpassen. Doch dem ist nicht so. Die Humorforschung gibt es zwar erst seit etwa 50 Jahren, aber sie erfreut sich wachsender Beliebtheit. Hier bieten wir einen kleinen Einblick in das weite Feld – zusammen mit praktischen Anwendungsmöglichkeiten in Ihrer Praxis. Aus zahnärztlicher Sicht sind vor allem die unterschiedlichen Humorstile und der Zusammenhang zwischen Humor und Gesundheit von Interesse.

Die Humorstile haben unter anderem Rod A. Martin und seine Kollegen erforscht. Wir haben sie bereits in unserem ersten Artikel dieser Serie vorgestellt: sozialer versus aggressiver und selbstaufwertender versus selbstabwertender Humor. Im Umgang mit Patienten empfiehlt sich meistens der soziale Humor, da er ungefährlich ist und nicht auf Kosten anderer Menschen geht. Ihrem Patienten fällt der Becher mit dem Mundspülwasser runter? Sie kommentieren das besser mit „Sie können aber schön loslassen! Ich muss dafür immer zum Yoga ...“ als mit den Worten: „In Ihrem Alter kann man das Wasser wohl nicht mehr so gut halten?“

Und? welchen Humor bevorzugen Sie?

Martin und seine Kollegen haben in Studien [Rod A. Martin et al., 2003; Rod A. Martin, 2004] festgestellt, dass Menschen, die viel sozialen Humor nutzen, extrovertiert, fröhlich und emotional stabil sind und sich um andere kümmern. Menschen mit hohen Werten für selbstaufwertenden Humor sind meist fröhlich und optimistisch, haben ein starkes Selbstbewusstsein und auch ein überdurchschnittlich hohes psychosoziales Wohlbefinden. Im Unterschied dazu haben Menschen, die eher selbstabwertenden Humor benutzen, Probleme mit Depressionen, Ängstlichkeit, Feindseligkeit, Aggressionen und schlechter Laune. Ihr Selbstbewusstsein ist überdurchschnittlich niedrig, wie auch ihr psychosoziales Wohlbefinden. Entscheiden Sie selbst, auf welche Seite Sie sich schlagen wollen …

Ein weiteres Thema, dem sich die Humorforschung widmet, ist die Volksweisheit „Lachen ist die beste Medizin“. Ein Ergebnis ist hierbei relativ schlüssig belegt: Humor lindert Schmerzen. Wenn Menschen lustige Filme anschauen, dann steigen ihre Schmerztoleranz und die Schwelle für ihr Schmerzempfinden. In einem Experiment mussten Probanden eine Hand in eine Schale mit eiskaltem Wasser halten. Eine Gruppe schaute derweil einen lustigen Film, die andere eine Dokumentation. Die Gruppe, die den lustigen Film anschaute, hielt den Schmerz länger aus und behielt ihre Hand länger im Eiswasser als die Gruppe mit der Dokumentation. Interessanterweise ist für diesen schmerzlindernden Effekt Lachen gar nicht nötig. Die betreffende Person muss sich nur amüsieren.

Martin leitet daraus folgende Empfehlung für die Therapie ab: Um das Schmerzempfinden von Patienten zu verringern, braucht man sie lediglich dazu aufzufordern, sich zu amüsieren und Spaß zu haben. Lachen müssen sie dabei nicht unbedingt. Diese Erkenntnis lässt sich auch in der Zahnarztpraxis umsetzen. Empfehlen Sie Ihren Patienten also ruhig mal, nach einem Eingriff zu Hause Comedy-Videos anzuschauen. Deren schmerzlindernde Wirkung ist schließlich wissenschaftlich belegt.

Eine weitere Studie, die ebenfalls Auswirkungen auf den Praxisalltag haben kann, wurde an der Universität Greifswald durchgeführt [Scheel et al., 2017]. Sie belegt, dass Klinikclowns bei Kindern die Angst vor einer Operation mindern. So stiegen bei Kindern, die vor einer OP Besuch von einem Klinikclown bekamen, die Oxytocin-Werte, das sogenannte Bindungshormon. Außerdem gaben sie an, nun weniger Angst vor dem bevorstehenden Eingriff zu haben.

Der Klinikclown kommt auch nicht nur zum Spaß

Nutzen Sie diese positive Wirkung von liebevollem Humor. Erzählen Sie Ihren Patienten zum Beispiel eine Liebesgeschichte: Ihre Zahnbürste ist unsterblich in Ihre Zähne verliebt. Lassen Sie sie nicht wie die Königskinder unglücklich (ver)enden, sondern entscheiden Sie sich für ein Happy End!

Das Deutsche Institut für Humor hat übrigens vor Kurzem seine erste eigene Studie veröffentlicht. Dabei wurde die Effektivität von Humortrainings untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass bei den Trainingsteilnehmern der soziale Humor und das positive Selbstmitgefühl nach dem Training signifikant höher sind als davor.

Wir konnten hier nur einen kurzen Blick auf die Humorforschung werfen. Für Interessierte gibt es auf unserer Website www.humorinstitut.de viele handliche Zusammenfassungen von unterschiedlichen Studien.

Die Initiative „Arzt mit Humor“ fördert wertschätzenden Humor bei Ärzten und Pflegekräften aller Fachrichtungen. Weitere Informationen unter www.arztmithumor.de

Katrin Hansmeier ist Mitarbeiterin des Deutschen Instituts für Humor, das 2005 in Leipzig gegründet wurde. Sie trainiert Unternehmen, die Ressource Humor für sich optimal zu nutzen.

Dr. Kareen Seidler erforscht den Humor auf wissenschaftlicher Basis.

Literaturliste:

Rod A. Martin, Patricia Puhlik-Doris, Gwen Larsen, Jeanette Gray und Kelly Weir: Individual differences in uses of humor and their relation to psychological well-being: Development of the Humor Styles Questionnaire, Journal of Research in Personality 37 (2003), 48–75.

Rod A. Martin: Sense of humor and physical health: Theoretical issues, recent findings, and future directions, Humor 17:1–2 (2004), 1–19.

Scheel, T., D. Hoeppner, A. Grotevendt und W. Barthlen: Clowns in Paediatric Surgery: Less Anxiety and More Oxytocin? A Pilot Study. Klinische Pädiatrie 222 (2017), 274–280

29266772901809290181029018112910370 2926678 2901814
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare