Mehr-Flaschen-Adhäsive versus Universaladhäsive

Ist die „Battle of the Bottles“ vorbei?

Die Zahnerhaltung kann inzwischen auf eine 30-jährige Evolution der Adhäsivsysteme zurückblicken. Während man sich bei der Weiterentwicklung zunächst auf Vereinfachung und Beschleunigung konzentrierte, weiß man heute, dass Handling und reduzierte Fehleranfälligkeit flächendeckend am wichtigsten sind. Seit einigen Jahren sind nun die sogenannten „Universaladhäsive“ auf dem Markt und es ist an der Zeit, diese gegenüber den jahrzehntelangen „Goldstandards“ zu bewerten. Brauchen wir heute noch ein Mehr-Flaschen-Adhäsiv?

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Frankenberger

Jeder restaurativ tätige Kollege bedient sich heute jeden Tag der Adhäsivtechnik – er weiß aber auch, dass er dieser schonungslos ausgeliefert ist [Frankenberger et al., 2009]: Funktioniert die Adhäsion, ist der Zahnarzt dazu in der Lage, ohne jegliche Makroretention zu kleben wie etwa bei Table Tops oder Frontzahn-Veneers [Edelhoff et al., 2019]. Versagt die Adhäsion (zu früh), stellen sich klinische Misserfolge ein, von der Sekundärkaries bis zum kompletten Retentionsverlust [van Meerbeek et al., 2003].

Andererseits haben die Möglichkeiten der Adhäsivtechnik die Zahnmedizin extrem bereichert, drei fundamentale Aspekte belegen dies:

  • Minimalinvasivität: Der bedingungslose Respekt vor gesunder Zahnhartsubstanz ist durch Schmelz- und Dentinbonding erst klinisch umsetzbar geworden [van Meerbeek et al., 2003]. Obwohl Minimalinvasivität weit mehr bedeutet als „kleine Löcher zu bohren“ – Exkavation, Nachhaltigkeit und Reparabilität sind ebenso wichtig –, ist sie in der Majorität der Fälle dem obsoleten „Extension for Prevention“ überlegen [Frankenberger et al., 2014] (Abbildung 1).
  • Ästhetik: Ohne adhäsive Maßnahmen ist es undenkbar, ästhetische Maßnahmen umzusetzen.
  • Biologie: Eine durch Adhäsivtechnik erst möglich gewordene schonende, defektorientierte Präparation hat auch biologische Vorteile, weil weniger Beschleifen gesunder Zahnhartsubstanz zur Retentionsgewinnung erfolgen muss und damit das endodontologische Begleitrisiko deutlich sinkt [Politano et al., 2018; Garling et al., 2019]. Dieser Vorteil wird begleitet von einer heute mehr defensiv ausgelegten Exkavationsstrategie und dem klaren Bekenntnis zur Reparatur teildefekter zahnfarbener Restaurationen ohne generalisierten Fehler [Schwendicke et al., 2019; Frankenberger et al., 2003].

Abb. 1: Adhäsivtechnik ermöglicht minimalinvasive Restaurationen unter maximalem Erhalt gesunder Zahnhartubstanz. | Frankenberger

Tabelle 1 | Beispiel: Scotchbond Universal / 3M Espe, Seefeld, Prime&Bond active / Dentsply Sirona, Konstanz, iBond Universal / Kulzer Dental, Wehrheim, AdheSE Universal /
Ivoclar Vivadent, Schaan, Liechtenstein, Futurabond U / Voco, Cuxhaven, Clearfil Universalbond Quick / Kuraray, Tokio, Japan, Tokuyama Universal Bond / Tokoyama,
Tokio, Japan (selbsthärtend) | Quelle: Frankenberger

 

Individuelle Auswahl des Adhäsivsystems

Jeder Zahnarzt hat ein spezielles Verhältnis zu seinem verwendeten Adhäsivsystem, da es täglich zum Einsatz kommt und Misserfolge schmerzlich sind. Bei der Auswahl des individuellen Bondings sind verschiedene Mechanismen zu beobachten, so dass beispielsweise sehr oft dasjenige Adhäsivsystem verwendet wird, das im Studium an der Universität verwendet wurde – zumindest dann, wenn man damit gute Erfahrungen gemacht hat. Ein für sehr lange Zeit beobachtbarer Trend war der Hang zu vermeintlich schnelleren Adhäsiven aus einer Flasche. Heute weiß man mehr denn je, dass 60 Sekunden Adhäsivtechnik die Grundlage einer mehrjährigen Lebensdauer von gebondeten Restaurationen sind (Abbildung 2).

Regel Nr. 1 sollte daher sein, in diesen 60 Sekunden möglichst wenig falsch zu machen – Zeitsparen gehört hier nicht hin, denn gerade im Rahmen der adhäsiven Vorbehandlung wird ein wichtiges Fundament für jegliche Restauration geschaffen (Abbildung 3).

Die Klassifikation der Adhäsivsysteme hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert, wie aus Tabelle 1 klar hervorgeht.

Abb. 2: Ausgedehnte Kompositrestaurationen nach Entfernung insuffizienter Amalgamrestaurationen aus einer klinischen Studie beim 10-Jahres-Recall ohne jeden Hinweis auf Versagen beim Bonding, auch nicht bei dentinbegrenzten Approximalkästen. | Reinelt/Krämer

Abb. 3: Komposit-Adhäsiv-Dentin-Interface im konfokalen Laserrastermikroskop (1:3000). Als Adhäsivsystem wurde hier Syntac (Ivoclar Vivadent) verwendet.
Foto: Frankenberger/Nikolaenko | Frankenberger

Abb. 4: Versuchsaufbau (links) und Ergebnisse (rechts) zur Langzeitbelastung von Schmelz-/Dentinbonding in vitro über fünf Millionen Kauzyklen inklusive Retentionsverlust über die Zeit | Frankenberger

Abb. 5: Dentinhaftung im Microtensile-Verfahren [MPa] nach Wasserlagerung bis zu 36 Monaten: Deutlich wird, dass das konventionelle Self-Etch-System bei Dentinätzung Schwächen zeigt (hier: Clearfil SE Bond, Kuraray), im reinen Self-Etch-Betrieb aber die besten Werte. Es wird aber vor allem klar, dass der Ätzmodus (Phosphorsäure vs. Self-etch) bei den getesteten Universaladhäsiven keinen oder einen sehr geringen Einfluss auf die Dauerhaftigkeit der Komposit-Dentin-Verbindung hat (SEE: selective enamel etch / E+R: Etch-and-rinse). | Frankenberger

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