Gerodontologie

„Für Implantate ist man nie zu alt“

Das erste Implantat mit 100? Warum nicht, sagt Prof. Frauke Müller. Aus ihrer Sicht ist es niemals zu spät für ein gutes Gebiss. Mehr Zähne bedeuten schließlich mehr Lebensqualität. Gern auch in A1 oder B1, wenn es Freude macht. Nur die Pflegekräfte müssten fundierter ausgebildet werden.

Юрий Красильников - stock.adobe.com

Ihr bislang ältester Patient war 100 Jahre und sechs Monate alt, als er seine ersten Implantate eingesetzt bekam. Müller ist Leiterin der Abteilung für Gerodontologie und abnehmbare Prothetik der Universität Genf. Als eine der RednerInnen beim 14. Hamburger Zahnärztetag Ende Januar („Implantologie. Heute.“) sprach sie zum Thema Implantate und Prothesen. Ihr Credo: „Es gibt keinen Grund, warum ältere Patienten nicht am Fortschritt der Zahnmedizin teilhaben sollten.“

Prof. Frauke Müller kämpft für eine bessere zahnmedizinische Versorgung älterer und betagter Menschen. Ihre Philosophie: „Je fragiler der Patient, desto besser muss die Prothese sein.“ | zm_silv

Allerdings habe der beste und schönste Zahnersatz wenig Sinn, wenn der Patient körperlich oder geistig zu gebrechlich ist, um ihn fachgerecht einzusetzen, und gleichzeitig dem Personal im Altenheim die Kenntnisse darüber fehlen. Müller fordert: „Pflegekräfte wissen oft nicht, was ein Implantat ist, weil sie diesbezüglich nicht geschult wurden. Oft wissen sie auch nicht, wie Prothesen gepflegt werden. Eine fundierte Ausbildung muss in die Grundausbildung eingebunden werden. Der Anteil der Zahnlosen in der Altersgruppe der 75- bis 100-Jährigen in Deutschland liegt bei 32,8 Prozent.“

A1 passt doch super zu Weißhaarigen

„Mit Zahnverlust verlieren wir an Lebensqualität“, sagt Müller. „Viele Medikamente bewirken zudem Mundtrockenheit. Und bei älteren Menschen lässt die Zungenkraft nach, das geht mit weniger Reinigungskraft während des Essens einher. Normalerweise schluckt man 30 Prozent der Bakterien, bei alten Patienten ist das nicht mehr so, weil die muskulären Funktionen nachlassen.“ Im Hamburg zeigte Müller das rührende Kurzvideo eines älteren Heimbewohners, dem seine Prothese vom Pfleger verkehrt herum angereicht wurde. Vergeblich versuchte er, sie einzusetzen, drehte sie im Mund herum. Nun saß sie endgültig falsch. Noch einmal herumgedreht – und schon passte sie. Die Freude des Trägers war mitreißend. Und ist für Müller Ansporn, unermüdlich für die perfekte zahnmedizinische Versorgung für Ältere zu werben. Seit 2010 ist sie Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für die zahnmedizinische Betreuung Behinderter und Betagter (SGZBB).

Dass die Betreuung älterer Patienten, die Implantate tragen, durchaus eine Herausforderung ist, weiß Müller selbst aus langjähriger Erfahrung: „Man sollte Patienten nichts aufschwatzen, das ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.“ Andererseits gelte es, älteren PatientInnen – endlich – den oft lang gehegten Wunschnach Implantaten oder einer perfekt sitzenden Prothese, zu erfüllen. „Bei Weißhaarigen sieht die Farbe A1 manchmal richtig gut aus“, sagt Müller. Und: „Je fragiler der Patient, desto besser muss die Prothese sein.“ Wer plötzlich wieder gut kauen kann, gewinne nicht nur an Lebensfreude, sondern sei auch besser geschützt vor Mangelernährung, von der viele betagte Menschen betroffen sind.

Und Müller verriet auch, dass es viele kleine, unverkennbare Anzeichen gibt, dass ein Patient altert und möglicherweise dement wird. „Ältere Patienten interessieren sich für ihre Zahnärzte, jüngere nicht. Die würden niemals nach Privatem fragen.“ Wenn aber zuverlässige Patienten im fortgeschrittenen Alter plötzlich Termine vergessen, man Nachlässigkeiten bei der Kleidung feststellt oder sie in Begleitung von Familienmitgliedern zum Kontrolltermin kommen, dann sei erhöhte Aufmerksamkeit angebracht. „Die erste Phase der Demenz dauert meist sechs bis zwölf Monate. Währenddessen besteht die Gefahr, dass das Gebiss zusammenbricht.“ 

Das Kongressthema „Implantologie.Heute“ lockte 400 ZahnärztInnen nach Hamburg | Zahnärztekammer Hamburg

Prof. Stefan Fickl: „Man muss heute digital sein, alles muss sofort und schnell gehen.“ | zm_silv

Prof. Michel Naumann: „Behandle deine Patienten immer so, wie du ein Familienmitglied behandeln würdest.“ | zm_silv

Kammerpräsident Konstantin von Laffert bei der Eröffnung | Zahnärztekammer Hambug

Dr. Dr. Peer Kämmerer: „Innovative Augmentationsmaterialien bieten neue Möglichkeiten, aber auch Risiken.“ | zm_silv

14. Zahnärztetag Hamburg

Rund 400 ZahnärztInnen trafen sich Ende Januar zum „14. Hamburger Zahnärztetag – Implantologie. Heute“

  • Einen beeindruckenden Fall aus der Praxis schilderte Prof. Michel Naumann aus Stahnsdorf. Er präsentierte die Geschichte einer 53-jährigen Patientin, die seit 40 Jahren nicht mehr beim Zahnarzt gewesen war. Als junges Mädchen hatte sie ein traumatisches Erlebnis im Zahnarztstuhl erfahren, danach alle weiteren Termine verweigert. Ihr Vater überzeugte sie schließlich, wieder zu einem Zahnarzt zu gehen.
  • Prof. Stefan Fickl in seinem Vortrag „Implantologie im parodontal vorgeschädigten Gebiss“: „Wir reden heute verstärkt über die Entzündungskontrolle, damit der Patient nicht noch mehr Knochen verliert. Wir können die Entzündung auch in der Ernährung durch die Zufuhr von Mineralstoffen reduzieren.“ Er rät unter anderem zu Säften aus Salat: „Pürierter Kopfsalat, ein schönes Gläschen, 100 ml dreimal täglich für 14 Tage.“
  • Dr. Dr. Peer Kämmerer stellte die Frage: „Wozu brauchen wir Knochenaugmentationen? Die alten Chinesen haben zum Beispiel sterilisiertes Holz hinein gemacht, das hat auch geklappt.“ Er schloss den Bogen zum 21. Jahrhundert: „Die Kinnentnahme hat sich nicht wirklich bewährt, die meisten Patienten finden am Ende die Beckenkammentnahme weniger schlimm, obwohl danach Gangstörungen für eine gewisse Zeit dazugehören.“
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