Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung

Der Walkhoff-Preis wird umbenannt

Der „Walkhoff-Preis“ heißt jetzt „DGZ-Publikationspreis“. Damit reagiert die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) auf Ergebnisse des Forschungsprojekts „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“: Im Rahmen der Studie wurde bekannt, dass Namensgeber Otto Walkhoff ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus und bereits vor 1933 in die NSDAP eingetreten war.

Otto Walkhoff

Fachlich eine Lichtgestalt der Zahnmedizin, doch nun stellte sich heraus, dass Otto Walkhoff ein überzeugter Nationalsozialist war. Maretzky,K., Vernter,R.; Geschichte d.deut. Zahnärzte-Standes; Bundesverband der Dt Zahnärzte,Köln 1974 S.127

Friedrich Otto Walkhoff, geboren 1860 in Braunschweig und gestorben 1934 in Berlin-Lichterfelde, galt als Wegbereiter der Zahnmedizin: Er erstritt den eigenständigen Doktortitel in der Zahnmedizin und führte in das Fach die Röntgenstrahlen und die Wurzelkanalbehandlung ein. Vor allem sein 1914 erschienener Fachbeitrag „Zur zahnärztlichen Promotionsfrage“ fand große Beachtung. Walkhoff gilt als einer der bedeutendsten deutschen Zahnärzte in der Geschichte des Faches: Er zählt zu den wenigen Standesvertretern, die eine Aufnahme in die „Neue Deutsche Biographie“ fanden.


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Der „Walkhoff-Preis“ heißt jetzt „DGZ-Publikationspreis“. Damit reagiert die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) auf Ergebnisse des Forschungsprojekts „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“: Im Rahmen der Studie wurde bekannt, dass Namensgeber Otto Walkhoff ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus und bereits vor 1933 in die NSDAP eingetreten war.

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Bei der Beurteilung von Personen werden oft zwei Aspekte vermengt, die wir Geschichtswissenschaftler eigentlich bewusst sehr getrennt halten: die Fachlichkeit und die Honorabilität (= Vorbildcharakter) einer Person.

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Die Verbrechen von Berufskollegen in der NS-Zeit seien zu vielen angehenden Ärzten und Zahnärzten unbekannt, kritisiert der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Er plädiert dafür, die Approbationsordnung um diesen Baustein zu ergänzen. Prof. Dominik Groß, Gesamtleiter des zahnärztlichen Aufarbeitungsprojekts, begrüßt diesen Vorstoß: „Wir stellen immer wieder fest, wie wenig Vorwissen die Studierenden mitbringen und wie schockiert sie auf die Verbrechen reagieren.“

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Hans Fliege (1890–1976) gehört zu den wenigen zahnärztlichen Hochschullehrern, denen es nach 1945 nicht mehr gelang, an ihre Karriere anzuknüpfen. Der Beitrag schildert die Hintergründe dieses Bruchs und beschäftigt sich mit der Rezeption Flieges in der Bundesrepublik.

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Aus Anlass der 70-jährigen Wiederkehr des Approbationsentzugs für Ärzte und Zahnärzte, die unter die nationalsozialistischen Rassengesetze fielen, ehrten in Bayern die KZV, die Landeszahnärztekammer und der Zahnärztliche Bezirksverband München Stadt und Land auch den Zahnarzt, Kieferorthopäden und Vererbungswissenschaftler Erich Knoche (1884–1969).1 Zunächst Hofzahnarzt in Gotha, führte Knoche seit 1921 in München eine Praxis in bester Lage, verfasste zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und konnte sich zum Bekanntenkreis von Oswald Spengler und Thomas Mann zählen. Er gehörte zu den wenigen vertriebenen Zahnärzten, die nach Deutschland zurückkehrten und denen schon früh wieder große Wertschätzung entgegengebracht wurde.

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Ein Blick auf die Ehrungen, die er zu Lebzeiten bekam, zeigt, wie hoch sein fachliches Ansehen gewesen sein muss: 1898 wurde ihm in Braunschweig der Titel des Hofzahnarztes zugesprochen, 1901 folgte die Goldene Medaille des Central-Vereins deutscher Zahnärzte (CVdZ). 1903 wurde er in München zum Ehrendoktor ernannt, 1920 in Marburg. Walkhoff wurde Ehrenmitglied des Zahnärztlichen Vereins für München und Oberbayern (1921) und Präsident (1906 bis 1926) sowie Ehrenpräsident der „Deutschen Gesellschaft für Zahn- und Kieferheilkunde“ (1930), die sich seit 1933 „Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ (DGZMK) nannte. Er war Präsident des „V. Internationalen Zahnärztekongresses“, der 1909 in Berlin tagte, und fungierte von 1915 bis zu seinem Tod 1934 als Herausgeber der im Thieme-Verlag veröffentlichten „Deutschen Zahnheilkunde“. Darüber hinaus war Walkhoff Träger zahlreicher internationaler Orden (Albrechts-Orden, Danilo-Orden, Roter-Adler-Orden, luxemburgischer Verdienstorden).

 

 

Das NS-Projekt zieht Kreise

2016 begannen Forscher der Universitäten Düsseldorf und Aachen um Prof. Dominik Groß im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) erstmals mit der systematischen Aufarbeitung der Geschichte der Zahnärzteschaft während der Nazi-Diktatur. Ende November 2019 wurden dann die Ergebnisse aus dem Projekt vorgestellt. 

Seitdem wurden drei bedeutende Preise in der Zahnheilkunde umbenannt, weil durch das Projekt bekannt geworden war, dass der ursprüngliche Namensgeber im Nationalsozialismus Täter oder Mitläufer war. Weitere Ehrungen werden aufgrund der neuen Erkenntnisse debattiert – in Münster hinterfragt man beispielsweise aktuell, ob weiterhin eine Straße nach Max Apffelstaedt, dem ersten Direktor der dortigen Zahnklinik, benannt bleiben soll, da jener bereits im Mai 1933 aus fester Überzeugung in die NSDAP eintrat.

  • Auf Seite 30 schildert die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), warum sie den Otto-Walkhoff-Preis im Zuge der neu gewonnenen historischen Erkenntnisse umbenannt hat.
  • Prof. Dominik Groß erklärt aus der Perspektive des Geschichtswissenschaftlers, welche Frage für ihn bei der Umbenennung zentral ist: Seite 32.
  • Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein erläutert auf Seite 34, warum er sich dafür einsetzt, dass die ärztliche und die zahnärztliche Approbationsordnung um die Geschichte des Berufsstands in der NS-Zeit ergänzt werden.
  • Im aktuellen Teil der Serie „Täter und Verfolgte im ‚Dritten Reich‘“ stellen wir den frühen Nationalsozialisten und Hochschulprofessor Hans Fliege sowie den verfolgten Hofzahnarzt Erich Knoche vor: Seite 36.

1927 beantragte er seine vorzeitige Emeritierung und kehrte nach Berlin zurück, wo er wissenschaftlich tätig blieb. Walkhoff starb am 8. Juni 1934 in Berlin-Lichterfelde im Haus seines Schwiegervaters Carl Sauer an Herzversagen.

Die Studie offenbarte seine NS-Überzeugung

Im Rahmen der Studie „Zahnmedizin und Zahnärzte im Nationalsozialismus“ wurde nun seine frühe NSDAP-Mitgliedschaft bekannt.

Walkhoff war bereits lange vor Hitlers Machtübernahme – im Jahr 1929 – in die NSDAP eingetreten. „Damit ist er der Gruppe der frühen und überzeugten Nationalsozialisten zuzurechnen“, hob die DGZ in einem Statement hervor. „In bisheriger Unkenntnis dieser Tatsache hat die DGZ seit dem Jahr 2000 den Walkhoff-Preis verliehen.“ Mit dem mit 3.000 Euro dotierten Preis wurden herausragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Präventive Zahnheilkunde, Restaurative Zahnerhaltung oder Endodontologie prämiert.

In Münster wird gerade diskutiert, ob die Apffelstaedtstraße – benannt nach dem ersten Direktor der dortigen Zahnklinik – umbenannt werden soll, weil Apffelstaedt aus fester Überzeugung 1933 in die NSDAP eingetreten war. (Screenshot aus den Westfälischen Nachrichten) | Oliver Werner, WN

„Die NSADAP-Mitgliedschaft von Otto Walkhoff war uns bislang nicht bekannt“, verdeutlichte DGZ-Präsident Prof. Dr. Christian Hannig. „Die DGZ repräsentiert als zahnmedizinische Fachgesellschaft auch Werte wie Humanität, Achtung der Menschenwürde und die freiheitlich demokratische Grundordnung. Als Zahnmediziner und Wissenschaftler haben wir nicht nur eine große fachliche Verantwortung, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche. In der Konsequenz werden wir daher den Walkhoff-Preis der DGZ in DGZ-Publikationspreis umbenennen. Alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Walkhoff-Preises erhalten eine geänderte Urkunde.“

Auch unter den Ehrenmitgliedern der DGZ finden sich ehemalige NSDAP-Mitglieder. Alle betroffenen Personen sind inzwischen verstorben.

Umbenannte Preise 

  • nUmbenennung des „Walkhoff-Preises“ in „DGZ-Preis“ durch die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) im August 2020
  • Umbenennung der „Oskar-Bock-Medaille“ in „DGFDT-Verdienstmedaille“ 2020 durch die Deutsche Gesellschaft für Funktionslehre und -therapie (DGFDT)
  • Umbenennung des „Martin-Waßmund-Preises“ 2011 in „Wissenschaftspreis der DGMKG“ durch die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG)
  • Umbenennung der „Hermann-Euler-Medaille“ 2005 in „DGZMK-Medaille“ durch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
  • Einstellung der Verleihung der „Otto-Loos-Medaille“ und des „Otto-Loos-Preises“ 1989 durch die Landes-zahnärztekammer Hessen
  • Umbenennung der „Ewald-Harndt-Medaille“ 2019 durch die Zahnärztekammer Berlin in „Philipp-Pfaff-Preis“.
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