Editorial

Das Beste aus zwei Welten

Sascha Rudat, Chefredakteur Lopata/axentis

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln ... und wieder rein. Der viertägige Stopp des Impfstoffs AstraZeneca war nur ein weiterer Akt in dem an irren Volten nicht armen Drama „deutsche Impfstrategie“. Inzwischen macht sich allenthalben viel Resignation und Kopfschütteln breit. Vergessen sind die nicht allzu weit zurückliegenden Zeiten, als Deutschland und seine Regierung als Musterknaben in Sachen Pandemiebewältigung galten. Jens Spahns Ruf hat deutlich gelitten, um es zurückhaltend auszudrücken. Hinzu kommt der Masken-Skandal, der – Stand heute – eigentlich ein Unions-Skandal ist. Dass einige Bundestags- und Landtagsabgeordnete in der Pandemie nix Besseres zu tun hatten, als sich durch vermeintlich clevere Geschäfte die eigenen Taschen vollzupacken, führt zum Fremdschämen – ein Grundgewissen vorausgesetzt. Die Auswirkungen auf das Ansehen „der“ Politik sind fatal.

Derweil versuchen die Landeszahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen das Beste aus den neuen Umständen zu machen. So wurden Zahnärztetage wie in Westfalen-Lippe oder Schleswig-Holstein auf online umgestellt. Mit enormem Aufwand werden die ehemals analogen Fortbildungsangebote ins Netz gestreamt. Dass die Nachfrage nach Fortbildungen und der Wissensdurst nach wie vor vorhanden sind, zeigen etwa die rund 2.000 Anmeldungen beim Zahnärztetag Westfalen-Lippe, der mit Vorprogramm über vier Tage lief. Natürlich fehlt bei diesen virtuellen Formaten der persönliche Austausch, der für viele Zahnärztinnen und Zahnärzte neben der eigentlichen Fortbildung der zweite große Anreiz ist, Zeit und Geld zu investieren, um an einem solchen Kongress teilzunehmen. Auf der anderen Seite bieten die digitalen Angebote die bequeme Möglichkeit, sich aus der Ferne zuzuschalten. Regionale Grenzen spielen keine Rolle mehr, da Anfahrtswege und Übernachtungsmöglichkeiten kein Thema sind. Dafür rücken Inhalte und die didaktische Aufbereitung in den Vordergrund. Die zeitversetzte „Teilnahme“ wird durch aufgezeichnete Vorträge erst machbar – dann aber ohne die Möglichkeit, sich beispielsweise per Chat in Diskussionen einzubringen oder Fragen zu stellen.

Sind diese Erfahrungen erst einmal gemacht, werden die Nachfrage – und die Ansprüche – steigen. Ich bin mir sicher, dass hybride Formate – also eine Mischung aus Präsenz- und Online-Angebot – der neue Standard werden: für diejenigen, die das Präsenzerlebnis unter Kolleginnen und Kollegen haben möchten auf der einen Seite, und für die, bei denen der reine Wissenserwerb im Vordergrund steht oder keine Möglichkeit einer persönlichen Teilnahme vorhanden ist, auf der anderen Seite. Das erscheint erst einmal einfach und komfortabel, da man als Teilnehmerin oder Teilnehmer die Wahl hat. Das Beste aus beiden Welten sozusagen.

Für die Veranstalter und die Referenten allerdings steigt der dafür zu betreibende Aufwand deutlich. Denn es wird nicht reichen, Präsenzangebote einfach per Video ins Netz zu stellen. Hybride Formate stellen ganz neue didaktische Herausforderungen an alle Beteiligten. Nicht kleinreden darf man auch den enormen technischen Aufwand beziehungsweise die Abhängigkeit von der Digitaltechnik. Wir alle haben uns in den vergangenen zwölf Monaten mehr als einmal über abgehackte Video-Übertragungen, eine gruselige Tonqualität oder gleich komplett abgebrochene Verbindungen geärgert. Wenngleich mit zunehmender Erfahrung schon vieles besser geworden ist. 

Alle diese Aufwände bei gleichzeitiger Professionalisierung und höheren Ansprüchen bedeuten deutliche finanzielle Vorausleistungen der Veranstalter. Inwieweit höhere anfallende Kosten an die Teilnehmenden in Form von steigenden Gebühren weitergegeben werden können, bleibt abzuwarten. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass sich die Fortbildungslandschaft nachhaltig verändern wird. Wir sind mitten in einem Transformationsprozess.


Wir leben also in spannenden Zeiten – im Positiven wie im Negativen. Die Welt wird nach der Pandemie nicht mehr dieselbe sein. Wie sich das ausgestaltet, liegt natürlich auch an uns.

Sascha Rudat
Chefredakteur

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