BZÄK-Präsident bei der VDZI-Mitgliederversammlung in Kassel

Den Wettbewerb als Chance nutzen

Um das Spannungsfeld zwischen präventionsorientierter Zahnheilkunde und Zahntechnik zu beleuchten, hatte der Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) den Präsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, zum Gespräch geladen. Weitkamps Appell: Die Zahntechniker sollten sich einem fairen Wettbewerb stellen und die Herausforderungen der Präventionsorientierung für den Berufsstand als Chance nutzen.

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, kam mit einer eindringlichen Botschaft zur VDZI-Mitgliederversammlung am 4. Dezember 2001 nach Kassel: Er forderte die Zahntechniker auf, das Praxislabor endlich aus dem Zielfokus der politischen Diskussionen zu verdrängen und stattdessen die wirklichen Belange dieser Zeit ins Visier zu nehmen. Er verwies auf die Chancen, die sich aus einem fairen Wettbewerb und aus den Herausforderungen der präventionsorientierten Zahnheilkunde ergeben. Weitkamp betonte, er wolle die Koexistenz von Zahnärzteschaft und Zahntechnik nachdrücklich unterstützen. Die Notwendigkeit des Erhalts des Praxislabors sei vom Bundesgerichtshof bestätigt worden. Dr. Weitkamp betonte, dass sich die über die zahnärztlichen Laboratorien verarbeitete Menge über Jahre konstant zwischen 27 bis 31 Prozent bewege. Er wehrte sich gegen die Forderung des VDZI, das zahnärztliche Labor ordnungspolitisch zu begrenzen, um den zahntechnischen Berufsstand zu schützen. Einen Protektionismus, welchen der VDZI auch gegenüber der Politik verschiedentlich eingefordert hatte, könne und dürfe es nicht geben. „Einen Zaun um eine grüne Wiese zu ziehen, ist illusorisch“. Stattdessen ermutigte er dazu, „ein Stückchen mehr Marktwirtschaft“ zuzulassen und sich den Wettbewerb zu erschließen. Die Vielfalt der zahnärztlichen und zahntechnischen Leistung müsse nach Preis und Angebot wahrgenommen werden, wobei der Patient im Mittelpunkt stehen und nach seinen Bedürfnissen wählen müsse. Dr. Weitkamp betonte, dass er durch entsprechende Rechtsprechung und die Entwicklung in Europa auch allmählich einen Wandel im System der gesundheitlichen Versorgung hin zu mehr Liberalität und Wettbewerb erwarte.

Präventionsorientierung

Der BZÄK-Präsident erläuterte den Zahntechnikern die Bedeutung der präventionsorientierten Zahnheilkunde: „Es wird noch Prothetik geben, aber in wesentlich anderer Form“. Er forderte ein Modell von diagnose- und befundabhängigen Festzuschüssen und machte die Chancen deutlich, die sich auch für den zahntechnischen Beruf ergeben: „Bei aller Solidarität sollte man vor dem Wettbewerb keine Bedenken haben.“ Der zum Zeitpunkt der Diskussion noch amtierende VDZI-Präsident Lutz Wolf appellierte an die Zahnärzteschaft, das erneute Angebot des VDZI zu einem umfassenden gesundheitspolitischen Dialog mit dem Ziel gemeinsamer Lösungen anzunehmen. (Wolf und der gesamte VDZI-Vorstand traten noch am gleichen Nachmittag wegen verbandsinterner Auseinandersetzungen um Finanzfragen überraschend zurück.) „Die Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Gewerbelabor ist und muss eine echte Vertrauensbeziehung sein und bleiben“, sagte er. Wolf forderte eine Verständigung über eine sozialverträgliche Mindestversorgung mit Zahnersatz in der vertragszahnärztlichen Versorgung. Diese Grundversorgung sehe er in dem augenblicklichen Leistungsrahmen beschrieben. „Dieses fachliche Versorgungsniveau zur gesetzespolitischen Disposition zu stellen, hieße für beide Berufsstände, aber vor allem für die zahnärztlichen Gremien, einen schweren politischen Glaubwürdigkeitsverlust, eine Diskreditierung jahrzehntelanger fachlicher Praxis und fachlicher Notwendigkeit in der Versorgung in Kauf zu nehmen“, sagte Wolf. Für ein dereguliertes GKV-System verlangte er nach Rahmenbedingungen. Für die Techniker existenzielle Strukturfragen einem angeblich freien Markt zu überlassen, hieße, seiner berufsständischen Verantwortung auszuweichen und Fehlentwicklungen Tür und Tor zu öffnen.

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.