Trendtag zur Zeitökonomie

Wer Talent hat, kennt keinen Stress

Zeit ist deswegen so wertvoll, weil sie begrenzt ist. Der Tag hat 24 Stunden, die Woche hat sieben Tage – und innerhalb dieser strikten Grenzen bewegen sich die individuellen „Zeitkonten“, die jedem zur Verfügung stehen. Auch und gerade für den Zahnarzt – mit seinen zahlreichen Rollen als Praxischef, Behandler, Mediziner, Privatperson – kann unter diesem Gesichtspunkt gelten, was auf dem Achten Deutschen Trendtag in Hamburg als zentrale These untersucht wurde: „Eigenzeit ist das Kapital von morgen“.

Für Peter Wippermann, Gründer des Hamburger Trendbüros und Professor für Kommunikationsdesign an der Universität Duisburg-Essen, sind viele der gegenwärtigen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft Zeitprobleme. Da die meisten gesellschaftlichen Systeme auf einem „linearen Verständnis von Zeit“ basierten, sei das Erwerbsleben in die Abschnitte „Ausbildung“, „Beruf“ und „Rente“ aufgeteilt. Dieses Modell scheitere aber an der Realität. Berufsbilder, so Wippermann, ändern sich oder verschwinden gänzlich. Ein gutes Examen garantiere heute keinen sicheren Arbeitsplatz mehr. Hierauf müsse sich jeder Einzelne einstellen – und auch der Staat.

Die „Flexibilisierung“ des Lebens werde weiter zunehmen, prognostiziert der Trendbüro-Chef. „Die verfügbare Zeit intelligent zu nutzen“, erklärt Wippermann, „ist keine Frage der Work-Life-Balance, sondern der ökonomischen Notwendigkeit.“

Während die einen gezwungen sein werden, Geld zu investieren, um Zeit zu sparen, werden die anderen gezwungen sein, Zeit zu investieren, um Geld zu sparen. Bestes Beispiel hierfür sei der aktuelle Boom bei Billig-Airlines. Wippermann: „Wer Wochen im voraus online bucht und sich auf einen speziellen Punkt festlegt, tauscht Flexibilität gegen einen Preisvorteil.“ Eine zunehmende Vernetzung werde auch in anderen Märkten dazu führen, dass Kunden ihre Zeitinvestitionen – und damit auch den gezahlten Preis – selbst bestimmen werden.

Kreative Freiräume

„Der Umgang mit der Zeit war schon immer eine der größten Herausforderungen für eine gelungene Lebensführung.“ Dr. Reinhard K. Sprenger, Managementberater und Autor, ging der Frage nach, welche Chancen es in einer zukünftigen Ökonomie für eine selbstverantwortliche Zeitgestaltung im Arbeitsleben geben wird. Die Individualisierung der Arbeitszeit wird, so Sprenger, neue kreative Freiräume im Beruf schaffen; es werde künftig aber mehr und länger gearbeitet.

„Wer sich auf die Rente freut, macht ohnehin den falschen Job“, sagt Sprenger. Klassische „9-to-5-Jobs“ werde es in Zukunft immer weniger geben; sie würden durch Projektarbeit und freie Zeiteinteilung ersetzt. Einigen mag das sehr nach unübersichtlichen Arbeitsbedingungen und Stress klingen. Sprenger aber meint: „Stress ist der Orden der Unbegabten.“ Will sagen: Wer für das, was er tut, Talent besitzt, der hat auch keinen Stress, egal wie viel oder wie wenig Zeit ihm zur Verfügung steht.

Für Andreas Lukoschik, TV-Moderator und Diplompsychologe, ist klar, dass nur wer richtig Pause machen kann auch richtig arbeiten kann. „Die Zeit ist der große Gleichmacher“, so Lukoschik. „Keiner weiß, wieviel er davon hat. Keiner kann sich mehr davon zulegen. Und dennoch versuchen es die meisten.“

                                                                           

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