Frühjahrsempfang von KZBV- und BZÄK in Berlin

Wolkig statt heiter

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Während im Großteil der Republik ein Schauer nach dem anderen niederprasselte, herrschte beim KZBV-Frühjahrsfest im Berliner Reichstag traumhaftes Wetter. „Wenn die Zahnärzte feiern, geht eben die Sonne auf“, scherzte KZBV-Chef Dr. Jürgen Fedderwitz. Vor 300 Gästen aus Politik, Berufsstand und Society machten er und BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp indes deutlich, dass die Reformen gravierende Veränderungen für Zahnärzte und Patienten bringen werden. Im Unterschied zu dem heiteren Maitag ist eben nicht alles eitel Sonnenschein

„Die zahnmedizinische Versorgung befindet sich zurzeit im Umbruch“, umriss Fedderwitz die Ausgangslage. Ausgelöst durch die Regelungen im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, im Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) sowie im geplanten Versicherungsvertragsgesetz (VVG) werde die Gesundheitsreforrm einschneidende Veränderungen nach sich ziehen. Für den zahnärztlichen Berufsstand und die Patienten. „Nicht mit allen Modifikationen sind wir Zahnärzte glücklich“, stellte der KZBVVorsitzende klar. „Insbesondere der PKV-Basistarif bereitet uns Bauchschmerzen. Denn im Unterschied zu den Ärzten ist für uns von Belang, dass wir im Sinne unserer Patienten auch weiterhin eine besondere Therapievielfalt gewährleisten.“ Ganz konkret bestehe hier jedoch die Gefahr, dass diese Versicherten in Zukunft von innovativen Versorgungsformen – man denke an Implantate im Bereich ZE – ausgeschlossen werden.

Gefährliches Fallbeil

„Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass bei dem Basistarif kein senkrechtes Fallbeil angesetzt wird, das die privaten Leistungen von den GKV-bezuschussten Leistungen abhackt und die GKV-Patienten damit komplett vom medizinischen Fortschritt abtrennt“, stellte Fedderwitz klar. „Das heißt mit anderen Worten: Nur wenn diese Senkrechte in eine Waagerechte umgebaut wird, haben Patienten auch die Möglichkeit, ungeachtet der Diagnose zusammen mit ihrem Zahnarzt die geeignete Behandlung zu wählen. Wird der Leistungskatalog so strukturiert, bleibt die Therapiefreiheit auch im PKV-Basistarif gewährleistet.“

Dass der Umbruch mit Veränderungen der zahnärztlichen Profession einher geht, liegt für ihn auf der Hand. Ein einzigen Blick auf die DMS IV und man sehe, dass sich die orale Mundgesundheit hierzulande in den vergangenen Jahren enorm verbessert hat: „Deutschland belegt mittlerweile europaweit einen Spitzenplatz in der Kariesvermeidung – damit verändert sich natürlich auch das Aufgabengebiet des Zahnarztes.“ Insgesamt 70 Prozent aller Zwölfjährigen besitzen ein gesundes Gebiss ohne Karies oder Füllungen, resümierte Fedderwitz. Zwischen 1997 und 2005 ging die Karies in dieser Altersgruppe um fast 60 Prozent zurück. Bei den Erwachsenen seien mittlerweile 95 Prozent aller an Karies erkrankten Zähne gefüllt, bei den Senioren fast 90 Prozent der fehlenden Zähne ersetzt. Ein ausgezeichnetes Ergebnis, das den Erfolg und die Bedeutung zahnärztlicher Präventionsarbeit noch einmal schwarz auf weiß herausstellt, wie der KZBV-Chef verdeutlichte: „Die DMS IV wurde vom Berufsstand allein gestemmt, und auf diese Leistung können wir zu Recht stolz sein. Das weiß die Politik, das weiß auch das Ministerium.“ Dass dieser Erfolg alles in allem auf dem Engagement aller Beteiligten beruhe, ist für Fedderwitz selbstredend. Hier seien auch die Krankenkassen nicht ausgenommen. Vor allem habe die Individualprophylaxe ihren Beitrag zur Mundgesundheit geleistet.

Mundgesundheit ist Thema

Die Erfolge der zahnmedizinischen Prävention betonte auch BZÄK-Präsident Weitkamp. Die Ergebnisse der DMS IV belegten beispielgebend die Richtigkeit der kontinuierlich fortgesetzten nationalen oralen Präventionsstrategie der deutschen Zahnärzteschaft. Weitkamp. „Unter dem Motto ‘An jedem Zahn hängt ein Mensch’ verweisen wir bereits seit Jahren auf den wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang zwischen Zahnmedizin und Medizin.“ Dass die World Health Assembly, kurz WHA, als höchstes Entscheidungsorgan der WHO das Thema Mundgesundheit erstmals seit 25 Jahren wieder auf die Agenda setzt, befürwortete Weitkamp daher ausdrücklich. Er begrüßte es als wichtigen Schritt, dass die WHO dazu eine Resolution und einen Aktionsplan ausarbeiten will: „Wir sehen darin eine willkommene Unterstützung für das Anliegen der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Deutschland, die Verbindung von oraler und allgemeiner Gesundheit stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken – Stichwort Lebensqualität – und im Bewusstsein der Menschen zu verankern.“

Eine klare Absage erteilte der BZÄK-Präsident allen Plänen der Regierung, die Abhörmöglichkeiten durch Polizei, Zollfahndung und Geheimdienste auszuweiten, und zwar derart, dass auch Ärzte in ihrer Praxis ausgehorcht werden können: „Mit diesen Gesetzentwürfen wird selbst vor der ärztlichen Schweigepflicht nicht mehr halt gemacht – ein derartiger Eingriff in die Bürgerrechte ist auch durch mögliche Gefahrenabwehr nicht zu rechtfertigen!“ Dieser Vorstoß stehe dem hippokratischen Eid und der gesamten Medizinertradition diametral entgegen. „Freiheit und Vertrauensschutz lassen sich nicht dadurch verteidigen, dass man sie ad absurdum führt. Wie will man etwas schützen, wenn man es wegnimmt?“

Kehrseite der Medaille

Als Kehrseite der Medaille erweist sich für Fedderwitz die Zunahme der Parodontalerkrankungen. Diese Entwicklung sei nicht mit Mitteln der GKV zu steuern. „Wenn wir zusammen mit den anderen Playern eine intelligente Lösung auf Basis der Festzuschüsse entwickeln, mit der auch das BMG sich anfreunden kann, wäre das sicherlich eine gute Sache. Für die Patienten wie für die Versorgung“, stellte der KZBVChef fest. „Denkbar wären beispielsweise Wahltarife und Boni.“

Dass die Verhandlungen mit der Politik, aber auch mit den Kostenträgern, nicht immer einfach sind, illustrierte der KZBVVorsitzende am Beispiel Gemeinsamer Bundesausschuss. Hier stehe dem ärztlichen Fünfergremium eine Phalanx der Krankenkassen gegenüber. „Das bedeutet, dass wir Mediziner zwar auf Zusammenhalt setzen, aber dennoch den Sachverstand des jeweiligen ärztlichen Kollegen im Ausschuss anerkennen müssen, wenn wir in der Sache weiterkommen wollen.“ Einzig in allem vorteilhaft bewertete er den Ausbau der Kostenerstattung: „Das Thema hat einen richtigen Pusher gemacht!“

Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder beurteilte die Reform dagegen im Sinne der Regierung durchweg positiv. Ungeachtet aller Problematiken war er sich sicher, dass die zahnärztliche Versorgung in Folge der neuen Gesetze verbessert wird. Als Grund nannte er „die besonderen Möglichkeiten, die sich auf Kassenwie Zahnärzteseite mit der im Gesetz verankerten Liberalisierung auftun“. Auch in punkto Qualitätssicherung ist Schröder optimistisch: „Die Gebührenordnung liegt bereits als Rohling auf dem Tisch. Jetzt geht es gemeinsam an die Bearbeitung – die Potenziale sind vorhanden.“

Mit Blick auf den Veranstaltungsort Reichstag wünschte Schröder einen anregenden Austausch zwischen Berufsstand und der Politik, denn: „Nicht immer haben die Zahnärzte die Gelegenheit, der Politik im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf herumzutanzen.“ 

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