Hildegard-von-Bingen-Preis 2007

Zeit-Geist

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Der Donnerstag ist sein Tag. Dann erscheinen mindestens drei Pfund druckfrisches Papier, das, wenn man es aufschlägt, „ein ganzes Zimmer füllt“. So die Kurzcharakteristik des diesjährigen Preisträgers des renommierten Hildegard- von-Bingen-Preises der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Mainz, die Stadt der Buchdruckerkunst mit dem Gutenbergmuseum, ist prädestiniert für eine Preisverleihung „wie sie selten ist für eine bewusste und verantwortungsvolle Presse und vorbildlichen Journalismus“, so führte Kammerpräsident Dr. Michael Rumpf in eine außergewöhnliche Veranstaltung ein. Sie ist schon Tradition geworden, die kleine Feier mit besonderem Glanz im Erbacher Hof zu Mainz, bei der alljährlich herausragende Persönlichkeiten aus Print, Funk oder Fernsehen mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für ihre herausragenden Leitungen ausgezeichnet werden. „Ein froher Tag, an dem wir über den Tellerrand der Profession hinwegschauen können, um uns einzugliedern in die Gesellschaft aller, die um die Bedeutung des freien Wortes und der freien Presse wissen. Mir als Freiberufler ... ist bewusst, dass es einen freien Beruf, einen freien Bürger, nur in einer Gesellschaft geben kann, in der das freie Wort, also die Pressefreiheit gilt!“, so Rumpf weiter.

Lesefutter und Lebenslust

Helmut Ahrens, Publizist und Pressesprecher der Kammer Rheinland-Pfalz, kennt di Lorenzo schon lange und plaudert in seiner blumenreichen und für ihn bekannterweise brillianten Laudatio aus dem Nähkästchen: „Den Philosophen, den Schriftsteller, den Regisseur, den Journalisten verbindet nichts – nichts, bis auf die Tatsache, dass ihre Aussagen sich allesamt in der Wochenzeitung ‘Die Zeit’ vom 16. August 2007 finden. Einer Ausgabe, die uns neben der ‘Weltfinanzkrise’, den ‘Anforderungen der USA Sicherheitsbehörden’ oder den ‘polnischen Kaczynski-Brüdern auf Seite 47’ – groß im Bild, Irma Hofer im Jahre 1928 zeigt ... die damalige ‘Miss Germany’. Tollküne Sprünge, wie sie nur die Zeitung wagt; Diskurs, Debatte, Information, geistige Anregung, optisches Vergnügen; Lesefutter und Lebenslust. Qualitätsjournalismus eben!“ Ahrens weiter: „Giovanni di Lorenzo hat sich dieser hohen Schule des Journalismus verschrieben, mit Haut und Haaren. Er, Fernsehmann, Zeitungsmann, Buchautor, kluger Berater, scharfsinniger Redaktionsleiter. Überall, wo er ‘tanzt’, gibt er den Ton an. Sein Motto für diesen Tanz: Die Loyalität der Journalisten gehört nicht einem Politiker oder einer Partei, sondern allein dem Leser. Dabei ist der Journalist nur dann loyal, wenn er dem Leser gelegentlich nicht nach dem Munde redet.“ „Wir kennen nun das Motto zum Tanz. Was inspiriert die Melodie? Wann spielt, journalistisch gesehen, die Musik richtig?“, fragt sich Helmut Ahrens. „Wer diese Frage beantworten will, muss die falschen Töne kennen. Für di Lorenzo gehört der Populismus zum Einklang, zur Disharmonie. Populismus, sagt er, ist nicht nur eine Unsitte in der Politik, auch Journalisten sind versucht, Stimmungen zu bedienen, ja, gebärden sich sogar oft als Claqueure.“ Ahrens weiter in seiner Rede: „Das Publikum, so glaubt der Preisträger, habe deshalb nicht von ungefähr den Eindruck, dass die Medien dazu neigen, ihr Fähnchen nach dem Wind zu drehen ...“ Ahrens fügt als Bonbon hinzu: „Zwischen Medien und Politik muss Distanz herrschen, so verlangt es di Lorenzo.“

Es gelang di Lorenzo als gutem Journalisten, die Wirklichkeit mit Worten zu verwandeln und damit zu verbessern ...“Dr. Michael Rumpf

Wer unseren Leitartikel auf Seite 1 gelesen hat, der braucht für die Zahnwurzelbehandlung keine Betäubung mehr! ...“Giovanni di Lorenzo

Wartezimmerlektüre

Im Anschluss an die Laudatio beweist der Preisträger sein journalistisches Können mit eigenen Worten: Er zeichnet eine Wartezimmeratmosphäre und geht auf die ausliegende Lektüre ein. So findet sich manch ein Zuhörer und Ehrengast daran erinnert, dass auch seine Wartezimmerlektüre hauptsächlich aus Modezeitungen, Klatschpresse und eventuell noch Wirtschaftsmedien besteht. Aber als di Lorenzo das Leserprofil seiner Wochenzeitung preisgibt, in dem die Zahnärzte und Ärzte an oberster Stelle stehen, fragt er mit Recht: „Warum gönnen Sie sich eine gute Zeitung, aber diese nicht Ihren Patienten? Sie könnten mit einer Ausgabe gleich jede Menge Interessenten befriedigen.“ Er zählt dazu die einzelnen Rubriken auf ... „und alles mit nur einer Zeitung!“.

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