Spam-Experiment

Gefährlicher Müll

Die Oscar nominierte Doku „Super Size Me“ diente als Vorbild. Darin futterte der Protagonist 30 Tage lang nur Fast-Food. Bei einem Experiment des Anti Viren- Softwareherstellers McAfee konsumierten die Probanden ebenfalls Einheitskost: Spam, Spam, Spam.

Der Aufbau des Cyber-Feldversuchs ist schnell beschrieben: Vom 1. bis zum 30. April 2008 setzten sich 50 freiwillige Teilnehmer aus zehn Ländern den unzähligen Junkmails aus, die täglich in den Postfächern landen. Dafür mussten sie ein neues E-Mail-Account anlegen und die Adresse ohne Sinn und Verstand im Internet verbreiten – natürlich ohne Spamschutz oder -filter.

Hauptanliegen von McAfee: Herauszufinden, welchen Gefahren sich User aussetzen, wenn sie auf Angebote völlig unbekannter Absender eingehen: Kommen bestellte Produkte wirklich an? Werden persönliche Daten an andere Spammer weitergegeben? Landet Spyware auf dem benutzten Rechner? Oder noch schlimmer: Werden User Opfer eines Cyber-Verbrechens?

Mehr Psychologie

Nach Abschluss des Experiments stellten sich die McAfee-Spezialisten der herkulischen Aufgabe, alle gesammelten Mails zu analysieren. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie jetzt in einem globalen Spambericht.

Die Zahlen: Insgesamt kamen im Laufe des Versuchsmonats 10 4832 Junkmails zusammen. Im Durchschnitt waren das 2 096 Nachrichten pro Teilnehmer, also 70 pro Tag. Das Ranking führen die Surfer aus den USA an. Auf ihrem Konto landeten satte 23 233 Spams. In Deutschland waren es mit 2 331 Treffern zehnmal weniger.

Ein beunruhigendes Ergebnis: Spammer gehen nach Aussage der Experten mit immer mehr psychologischem Geschick vor. Sie passen ihre Strategie sprachlich und kulturell dem Adressatenkreis an, heißt es in dem Report. Das Prinzip ist nicht mehr, wahllos möglichst viele Fallen aufzustellen, sondern Spams gezielt auf einzelne Zielgruppen abzustimmen.

Die 50 Probanden erhielten so deutlich mehr Mails in ihrer Landessprache als erwartet – mit 14 Prozent wurden lokalisierte Spams am häufigsten in Deutschland versendet. Hoch im Kurs stehen bei den Internetbetrügern nach wie vor Geldthemen, zum Beispiel unerbetene Kreditzusagen, Kreditkartenangebote und Wege zum schnellen Geld. Der Zuwachs auf diesem Gebiet hängt laut McAfee mit der weltweiten Finanzkrise zusammen. Hoch türmen sich die virtuellen Müllberge außerdem in den Bereichen Erotik und unerwünschte Werbung. Auch vermeintliche Erbschaften von unbekannten verstorbenen Verwandten locken weiterhin viele User in die Falle. In Deutschland ist ihre Zahl allerdings relativ niedrig, nur drei Prozent der User antworten auf solche Offerten – der vorletzte Platz im internationalen Vergleich. Spitzenreiterposition nehmen die Deutschen bei Spams zum Thema Medizin und Gesundheit ein.

Aus den Tagebüchern

Für McAfee dokumentierten die jeweils fünf Probanden pro Land ihre Erlebnisse in einem Tagebuch auf der Webseite mcafeespamexperiment.com.

Einer der deutschen Teilnehmer: Philipp, Student. Sein Fazit: „Was mich überrascht hat: Das, womit ich am ehesten gerechnet habe (zum Beispiel Viagra), ist bei mir gar nicht erst eingelaufen. Dagegen haben Gewinnspiele und Umfragen ziemlich klar die Nase vorn.“

Zum Thema Datenschutz stellte Proband Andreas, Softwarehersteller, fest: „Ehrlich gesagt hatte ich mir den Ausgang ein bisschen anders vorgestellt. Ich dachte eigentlich, dass ich innerhalb des Monats eine wahre Spamflut erhalten würde. Da ich mich allerdings Großteils auf Deutschen Seiten rumgetrieben habe, kann ich für mich sagen, dass es anscheinend mit dem Datenschutz in Deutschland wohl doch nicht soooo im Argen liegt.“ Agnieszka, Künstlerin, hat Ähnliches beobachtet: „In meiner Bilanz ist das deutschsprachige Webarial im Gegensatz zu Amerika, Kanada und UK deutlich weniger mit Spam verseucht, allerdings sollte man jedoch auch hier ein waches Auge behalten und lieber keinem verlockendem PopUp nachgeben.“

Susanne TheisenFreie Journalistin in KölnSusanneTheisen@gmx.net

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