Apotheker wollen Vorsorge ausbauen

Prävention und Pillen

Zwei von drei Bundesbürgern fühlen sich gesund. Jeder Zweite glaubt allerdings auch, er sei zu dick, wie eine Umfrage der ABDA herausfand. Diese Ergebnisse bestärken die Apotheker: Sie wollen verstärkt bei der Prävention mitmischen.

Blutdruckmessungen, Diabetes- Checks und Cholesterinspiegel- Tests: Schon heute zählen diese Angebote zum Standard fast jeder Apotheke. Trotzdem ist das Präventionspotenzial nach Ansicht der Pharmazeuten noch lange nicht ausgereizt. „Jeder dritte Deutsche ist ein Präventionsmuffel“, sagte Friedemann Schmidt, Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Fett, aber froh

Jene trieben keinen Sport, achteten nicht auf gesunde Ernährung und kümmerten sich nicht regelmäßig um die Vorsorge, ergab die Infas-Umfrage im Auftrag der ABDA. Insgesamt 3 372 Bürger ab 16 Jahren wurden dafür im April telefonisch befragt.

Die vornehme Zurückhaltung könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass zwei Drittel der Befragten ihren Gesundheitszustand als gut bis ausgezeichnet einschätzen und sich prima fühlen. Mittelmäßig stuft sich ein Viertel ein, schlecht sieben Prozent. Fast die Hälfte fühlt sich allerdings zu dick – egal, ob Männlein oder Weiblein.

So gaben 47 Prozent der Befragten an, sie müssten abnehmen, 18 Prozent machten in den vergangenen zwei Jahren deswegen eine Diät. Die Mehrheit wollte sich mittels FDH gesünder fühlen (53 Prozent). Besser aussehen wollten 37 Prozent.

Zu wenig Zeit, hieß es bei mehr als der Hälfte als Grund für die Präventionsunlust. Gut ein Drittel erklärte, das Geld fehlt oder man weiß nicht, wo man anfangen soll. Aktiver sind Frauen und Ältere bei der Vorsorge: Mehr als 80 Prozent der Senioren beteuerten, sich regelmäßig aufzurappeln. Insgesamt macht laut Umfrage freilich nur jeder Vierte aller Befragten täglich oder fast täglich eine halbe Stunde Sport.

Das Gesundheitsbewusstsein der Deutschen sei dennoch hoch ausgeprägt, betonte Studienleiter Robert Follmer. Eine große Mehrheit gebe an, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Ein wichtiges Thema sei aber nach wie vor das Rauchen. Jeder vierte greife immer noch regelmäßig zur Zigarette. „Aber etwa die Hälfte der Raucher möchte eigentlich aufhören“, hob Follmer hervor. Theoretisch ist die Bereitschaft, mehr für die Gesundheit zu tun, jedenfalls vorhanden. Und auch mehr Geld dafür auszugeben, wie ein Fünftel der Befragten sagte.

Neue Geschäftsperspektive

Eine verlockende Geschäftsperspektive für die Apotheker also. Sie versprechen sich davon nämlich zusätzliche Einnahmequellen. Und Geld von den Krankenkassen.

„Die Apotheken werden sich auch in Zukunft verstärkt für die Prävention engagieren“, kündigte Schmidt denn auch an. Auch sei die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern zu verbessern. Viele Apotheker arbeiteten beim Thema Prävention bereits mit Ärzten zusammen. „Ärzte schätzen die Kooperation. Die Apotheker haben ihrerseits gelernt, ihre fachlichen Grenzen nicht zu überschreiten“, so Schmidt. Er appellierte an die Kassen, Präventionsleistungen der Apotheker zu honorieren. „Wer sich bei der Krankheitsvorsorge überfordert fühlt und wissen möchte, was er individuell tun kann, sollte sich in der Apotheke beraten lassen“, meinte Schmidt.

Kassen sind skeptisch

Präventionsleistungen seitens der Apotheker auf Kosten der Beitragszahler? Die gesetzlichen Krankenkassen sind skeptisch. Der Wunsch der Apotheker, von den Krankenkassen als Anbieter von Prävention berücksichtigt zu werden, bestehe seit langem, sagte eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbands der „Berliner Zeitung“. „Bislang konnte uns kein Kooperationsangebot überzeugen, da offenbar die kaufmännischen Interessen der Branche im Vordergrund stehen.“

Für die GKV sei es aber wichtig, dass ein Anbieter „frei von wirtschaftlichem Interesse ist“. „Grundsätzlich sind wir offen für Wettbewerb in der Prävention“, sagte AOK-Sprecher Udo Barske. „Und wenn man die Beratungsqualität der Apotheken in diese Richtung weiter entwickeln kann, ist das sicher positiv.“ Bevor man Geld in die Hand nimmt, müssten aber Zusatznutzen und Effizienz solcher Angebote geprüft werden. Die Barmer begrüßte das Angebot. „Es ist eine interessante Offerte von einem kompetenten Partner, der wir offen gegenüberstehen“, sagte ein Sprecher. Von den ärztlichen Berufsverbänden gab es bislang keine Reaktion auf den Vorstoß.

Schmidt zeigte sich zuversichtlich. Wie die Apotheker Prävention und Medikamentenverkauf im Alltagsgeschäft abwickeln sollen, ließ er jedoch unbeantwortet.

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