Koordinierungskonferenz Hilfsorganisationen

Mission Nächstenliebe

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Die Strahlkraft des humanitären Engagements der Zahnärzteschaft reicht um den Globus und bleibt doch oft unbemerkt. Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer Berlin und Mitglied des BZÄK-Vorstands, sprach sich auf der Koordinierungskonferenz der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) dafür aus, das „Networking“ zwischen den verschiedenen Hilfsprojekten zu optimieren und die Arbeit der einzelnen Akteure durch die BZÄK strategisch zu bündeln. „Tue Gutes und sprich darüber“ lautete sein Gebot an alle Beteiligten.

Es war die zweite Konferenz am Standort Berlin. Vier Jahre nach der letzten Zusammenkunft war das Interesse für die vom Vorstand der BZÄK anberaumte Veranstaltung groß. Etwa zwei Dutzend Beteiligte von 20 Projekten folgten der Einladung in die Hauptstadt. Dr. Wolfgang Schmiedel, Moderator der Konferenz und Vorstandsreferent der BZÄK für soziale Aufgaben/Hilfsorganisationen, verdeutlichte die doppelte Wirkungskraft, die im sozialen Engagement der Hilfsorganisationen liege. Priorität habe die Hilfe vor Ort. Darüber hinaus zeichneten sich aber durch die Einbeziehung der sozialen Projekte in die berufspolitische Gesprächsführung auf Bundes- und Landesebene ebenfalls Erfolge ab. Das soziale Engagement der Zahnärzteschaft stoße bei den Politikern auf positive Resonanz. Zudem sei es wichtig, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch darüber zu berichten. Nur wer sein Wirken in Form von medialen Beiträgen der Zahnärzteschaft, aber auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stelle, könne Gehör finden und Unterstützung erhalten.

Koordinierung stärken

Schmiedel erläuterte die zukünftig angedachte Rolle der BZÄK im Zusammenspiel der Hilfsorganisationen. Sie solle eine Koordinierungsfunktion übernehmen. Ihre Aufgabe sei es, die Kommunikation zwischen den einzelnen Organisationen zu lenken und als eine Art Supervisor zu begleiten. In seiner Funktion als Vorsitzender des Berliner Hilfswerks Zahnmedizin e. V. beleuchtete

Schmiedel auch dessen Kernbereiche. Die „Obdachlosenpraxis MUT“ sowie das Projekt „Fixpunkt“, das sich für die zahnärztliche Versorgung von Drogenabhängigen einsetzt, seien zwei von vielen guten Beispielen, die das gelebte soziale Engagement des Berufsstands widerspiegelten.

Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, würdigte die Arbeit der Hilfswerke und betonte die immense Bedeutung des sozialen Engagements für den Berufsstand. Wie Schmiedel verdeutlichte Oesterreich das nachhaltige Ziel der Konferenz: „Der gemeinsame Fokus der Hilfswerke sollte auf einer Anbindung der einzelnen Akteure an die BZÄK liegen. Eine Bündelung nach Themenbereichen ist hier sicherlich von Vorteil, um ein effizientes Arbeiten zu ermöglichen.“ Wie unterschiedlich die Schwerpunkte der einzelnen Hilfsprojekte sind, zeigte sich in den Vorträgen. Unterstützt werden etwa notleidende Kinder aus Armutsvierteln in Südamerika, Lepra-Kranke in Nepal, Aids-Waisen aus Afrika oder Drogensüchtige vor der eigenen Haustür.

Dr. Imke Kaschke, Oberärztin der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivmedizin am Zentrum für Zahnmedizin der Berliner Charité referierte zu „Special Smiles®“. Das Projekt sei Bestandteil des Gesundheitsprogramms „Healthy Athletes“ der Special Olympics – Wettbewerbe für Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung – und umfasst kostenlose zahnärztliche Kontrolluntersuchungen und Anleitungen zur Zahnund Mundhygiene. Sogenannte „Clinical Directors“ untersuchten die Patienten auf ehrenamtlicher Basis. Bestandteil seien die Mundgesundheitssituation, die Überprüfung der Putzfrequenz, die Abschätzung des Behandlungsbedarfs sowie die Bereiche Karies/Trauma, Restaurationen/Gingivitis sowie Extraktionen/Fluorosis.

Dipl.-Päd. Astrid Leicht engagiert sich im Bereich Zahnmedizin und Prophylaxe bei Drogenabhängigen im Rahmen des bereits erwähnten Berliner Projekts Fixpunkt – Verein für suchtbegleitende Hilfen e. V.. Ziel der Arbeit seien Gesundheitsförderung und Infektionsprophylaxe drogenabhängiger Patienten. Leicht beleuchtete bedrückende alltägliche Probleme, wie etwa die wechselseitig geringe Akzeptanz zwischen Drogenabhängigen und Zahnärzten. Sie übte auch Kritik gegenüber den Kollegen von der Suchthilfe: Ihrer Erfahrung nach blende man die Prophylaxe weitestgehend aus und kümmere sich erst in Haft oder stationärer Reha um die zahnmedizinische Versorgung.

Grundsätzlich lebe das Projekt vom ehrenamtlichen Engagement der Zahnärzteschaft. Welche persönlichen Voraussetzungen muss ein Zahnarzt für die Mitarbeit in dem Projekt mitbringen? Dazu Leicht: „Wichtig ist die Bereitschaft, unter erschwerten Bedingungen handwerklich zu arbeiten.“ Darüber hinaus müsse man soziale Fähigkeiten, vor allem Empathie mitbringen. Und Berührungsängste seien fehl am Platz.

Dass zahnärztliches soziales Engagement auf dem afrikanischen Kontinent erfolgreich sein kann, weiß Dr. Rainer A. Jordan. Der Oberarzt der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin im Klinikum der Universität Witten/Herdicke betreut das, im Rahmen universitärer Entwicklungshilfe realisierte, GambiaDentCare-Programm. Seit Mitte der neunziger Jahre errichten Wittener Zahnmediziner ein zahnmedizinisches Versorgungssystem für das westafrikanische Land Gambia. Durch die Hilfe des Programms könnten an zwölf Standorten pro Jahr 15 000 Patienten von 36 ausgebildeten Fachkräften behandelt werden.

Als Repräsentant für ein weltweit agierendes Hilfswerk berichtete Dr. Klaus Winter vom Engagement der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ), das auch von der BZÄK unterstützt wird. Das HDZ engagiere sich seit 22 Jahren weltweit und habe seitdem Krankenhäuser, Sozialstationen, Internate, Kinderheime und Berufsbildungszentren in mehreren Ländern errichtet. Gesundheitsprogramme in Ländern wie der Mongolei, Pakistan und Indien gehörten ebenso zum Ergebnis der Arbeit der Stiftung, wie Zahnprophylaxe in Gambia und Eritrea oder die Errichtung von Kinderheimen in Peru und Argentinien. Für das Jahr 2009 hat das HDZ Hilfsmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 295 000 Euro veranschlagt.

Synergien nutzen

Wolfgang Schmiedel konstatierte, dass ein kontinuierlicher Austausch zwischen den einzelnen Akteuren forciert werden müsse, um Synergieeffekte aufzufangen und parallel auftretende Probleme besser lösen zu können. Schließlich hätten alle Projekte einen gemeinsamen Beweggrund: nachhaltig gelebte Nächstenliebe.

Allgemeine Zustimmung fand der Vorschlag, die Projekte in Arbeitsgruppen zu unterteilen, die von der BZÄK koordiniert würden. Hilfsprojekten, die eine ähnliche Arbeitsweise aufweisen, könnte so die bilaterale Gesprächsführung erleichtert werden. Durch den unmittelbaren Austausch könnten die Erfahrungswerte anderer Hilfswerke schließlich in eigenen Projekten Beachtung finden.

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