Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

laut Institut der Deutschen Zahnärzte erfolgt der „break even“ 2017: Dann wird – prozentual betrachtet – Deutschlands zahnmedizinische Versorgung zu einem Berufsfeld, das mehrheitlich von Frauen geprägt sein wird. Mutmaßungen, dann werde alles anders, sind aus heutiger Sicht ebenso politischpopulistisch wie emotional. Wer der Überzeugung ist, hier gehe es um Machtübernahme, hat augenscheinlich den Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung durch altbackene Vorstellungen schlichtweg verbaut. Die gesellschaftliche Diskussion verläuft jenseits von Geschlechterkriegen. Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist eine Frage der gesellschaftlichen Ordnung, die eigentlich inzwischen in allen Bereichen passiert sein sollte.

Gleichstellung wiederum ist aber heute noch ein Anspruch, dessen Umsetzung in vielen Bereichen sehr ausführlich – und immer noch divers – diskutiert wird. Bekanntlich argumentieren hier selbst fachverantwortliche Ministerien nach wie vor mit einzelnen gesellschaftlichen Kräften über das „ob und wie“ zielführender Wege.

Doch die Bewältigung solcher Fragen geht einher mit Grundsätzlichem. Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist – und so verstehen es inzwischen viele – weit mehr als „nur“ die Frage der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern. Es geht um gesellschaftlichen Wandel. Ohne neue Rollendefinition und Selbstverständnis des Einzelnen kann es Gleichberechtigung oder Gleichstellung nicht geben.

Wer aus der angestammten Männerwelt genau das wirklich glaubt, muss sich nach dem Jahr 2017 eigentlich warm anziehen. Denn dann bedeutet der Geschlechterwechsel im Berufsstand folgerichtig auch einen Machtwechsel. Demokratisch angemessener ist es, die Lebensbedingungen, die bisher den Frauen das Berufsleben deutlich erschwert haben, so aufzustellen, dass jeder auf gleiche Voraussetzungen bauen kann, unabhängig davon, ob es um Männer oder Frauen geht.

Hier ist der Wille zum Wandel da: Dass inzwischen auch Männer erkennen, wie wichtig – und sinnstiftend – die aktive Übernahme von familiären Aufgaben sein kann, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Das ist zweifelsohne ein Erfolg, den die Frauen auf ihrem Weg in eine geschlechtergerechte Welt auf der Haben-Seite verbuchen können. Erst wenn solche Dinge Normalität werden, können Frauen und Männer gleichberechtigt und -gestellt leben.

Dass diese Erkenntnis-Wende in eine Zeit fällt, die zur Bewältigung existenzieller Fragen – sei es die einer humanen Lebensgestaltung der Generation unserer Kinder oder auch die eines humanen Lebensabends von immer mehr älteren Menschen – ohnehin erfolgen muss, macht stutzig. Das Ergebnis ist dennoch erfreulich

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagelzm-Chefredakteur

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