Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Debatte um seinen Gesundheitsbericht

Wie fit ist Trump wirklich?

ck
Gesellschaft
Der Präsident sei bei „ausgezeichneter Gesundheit“, solle aber abnehmen und mehr Sport treiben, meint sein Leibarzt. Fachkollegen bezweifeln die Diagnose: Es geht um Trumps Herzgesundheit – und seine Haare.

US-Präsident Donald Trump hatte am 26. Mai das Walter Reed National Military Medical Center in Maryland zur Untersuchung besucht und anschließend auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, dass „alles perfekt verlaufen“ sei. Es ist seine dritte bekannte Kontrolluntersuchung seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im vergangenen Jahr.

Ist er wirklich "vollkommen geeignet, alle Pflichten des Oberbefehlshabers und Staatsoberhaupts wahrzunehmen“?

Sein Leibarzt, der Marinearzt Captain Sean Barbabella, teilte am 29. Mai in einem vom Weißen Haus veröffentlichten Memorandum (siehe Kasten) mit, dass Trump über eine „starke Herz-, Lungen-, neurologische und allgemeine körperliche Funktionsfähigkeit“ verfüge. Barbella ging auf Trumps Gewicht und die Prellung an seiner Hand ein, kam aber zu dem Schluss, Trump sei „vollkommen geeignet, alle Pflichten des Oberbefehlshabers und Staatsoberhaupts wahrzunehmen“.

Beim Montreal Cognitive Assessment, einem gängigen Test zur Messung der kognitiven Fähigkeiten, erreichte Trump angeblich 30 von 30 Punkten. Er wiegt demnach 108 kg (238 lb) und hat seit seiner ärztlichen Untersuchung im April 2025. 6,3 kg (14 lb) zugenommen.

Barbabella schrieb, der Präsident habe Hinweise zu Ernährung, körperlicher Aktivität und weiterer Gewichtsabnahme erhalten und nehme Medikamente zur Cholesterinsenkung. Laut dem Memorandum betrug Trumps Ruhepuls 73 Schläge pro Minute, und sein Herzalter wurde auf etwa 14 Jahre jünger als sein chronologisches Alter geschätzt.

„Sein anspruchsvoller Tagesablauf mit zahlreichen hochrangigen Treffen, öffentlichen Auftritten und regelmäßiger körperlicher Aktivität trägt weiterhin zu seinem allgemeinen Wohlbefinden bei“, befand Barbabella.

Warum fehlen in dem Gesundheitsbericht Ergebnisse zu Herz-Kreislauf-Tests?

Fachärzte stellen die Diagnosen allerdings infrage: Sie bemängeln im Wall Street Journal, dass in dem Gesundheitsbericht wichtige Informationen über die Ergebnisse der Herz-Kreislauf-Tests fehlten.

So vermissten sie eine Ejektionsfraktion zur Ermittlung des Prozentsatzes an Blut, der mit jeder Herzkontraktion gepumpt wird; ein Kalzium-Score; eine Ultraschalluntersuchung zur Plaques-Bestimmung in den Arterien sowie ein CAD-RADS-Score zur Beurteilung von Verengungen in den Arterien. Stattdessen heißt es in dem Bericht, es gebe „keine arteriellen Verengungen oder strukturellen Anomalien“ im Herzen der großen Blutgefäße, was laut Ärzten einfach bedeuten könnte, dass keine Blockade vorliegt.

Trumps Gesundheitsattest

Am 29. Mai hatte der Leibarzt des Präsidenten, Captain Sean P. Barbabella, der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, Trumps Gesundheitsbericht zugeschickt. Betreff: „Ergebnisse der jährlichen Gesundheitsuntersuchung von Präsident Donald J. Trump“*.

"Am 26. Mai 2026 unterzog sich Präsident Donald J. Trump seiner jährlichen medizinischen Untersuchung im Walter Reed National Military Medical Center. Diese umfassende Vorsorgeuntersuchung umfasste eine gründliche Überprüfung aller im vergangenen Jahr durchgeführten diagnostischen Untersuchungen und Labortests sowie Konsultationen mit 22 Fachärzten aus verschiedenen akademischen Einrichtungen. Alle Aspekte der Untersuchung wurden gemäß den Empfehlungen der U.S. Preventive Services Task Force durchgeführt. Der Präsident hat die Veröffentlichung dieser Ergebnisse genehmigt.

Vitalstatistik

Alter: 79 Jahre, Körpergröße: 190 cm, Gewicht: 108 kg, Ruhepuls: 73 Schläge pro Minute, Blutdruck: 105/71 mmHg, Pulsoximetrie: 98 Prozent bei Raumluft, Temperatur: 98,7 °F

Jährliche Gesundheitsuntersuchung und diagnostische Zusammenfassung

  • Augen: Sehschärfe, Gesichtsfelder und Augeninnendruck lagen im Normbereich. Die Funduskopie nach Pupillenerweiterung war unauffällig.

  • Kopf/Ohren/Nase/Hals: Die Untersuchung war unauffällig, abgesehen von einer Narbe am rechten Ohr, die auf eine frühere Schussverletzung hindeutet. Das Hörvermögen ist intakt. Die Zähne sind in sehr gutem Zustand.

  • Hals: Die Schilddrüse und die Lymphknoten waren unauffällig. Eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern ergab normale Befunde.

  • Lunge: Die Lungen waren beidseitig bei der Auskultation unauffällig, und die Computertomografie-Angiografie des Brustkorbs zeigte keine Auffälligkeiten.

Zusätzliche Laborwerte: Glukose (nüchtern): 83,2 mg/dl (Normal: 70–99 mg/dl), Hämoglobin A: 5,3 (Normal: 4,0–5,6), Homocystein: 14,6 (0–19,9), Harnstoff-Stickstoff (BUN): 20 mg/dl (Normal: 8–23 mg/dl), Kreatinin: 0,83 mg/dl (Normal: 0,74–1,35 mg/dl), ALT: 29 U/l (Normal: 7–56 U/l), AST: 26 U/l (Normal: 10–40 U/l), Vitamin B12: 355 pg/ml (Normal: 200–900 pg/ml), Vitamin D: 45 (Normalwert 30-100), PSA: 1,0 ng/ml (Normal: <4,0 ng/ml), TSH: 2.270 µIU/ml (Normal: 0,4–4,0 µIU/ml)

Sozialanamnese: lebenslange Abstinenz von Tabak und Alkohol

aktuelle Medikamente: Rosuvastatin (Cholesterinkontrolle), Ezetimib (Cholesterinkontrolle), Aspirin (Herzprävention)

Kardiologie: Die koronare CT-Angiographie zeigte keine arterielle Obstruktion oder strukturelle Anomalien des Herzens oder der großen Gefäße. Darüber hinaus wurde sein Herzalter, ein etabliertes Maß für die kardiovaskuläre Vitalität, durch eine KI-verstärkte Elektrokardiographie (EKG) auf etwa 14 Jahre jünger als sein chronologisches Alter geschätzt. Weitere Untersuchungen, einschließlich einer Echokardiographie, zeigten keine Auffälligkeiten. Die Herzkammern und -klappen sind normal, die Ejektionsfraktion ist erhalten. Die Herzuntersuchung ergab einen regelmäßigen Herzschlag mit normalen Herztönen. Insgesamt ist die Herzfunktion normal, und die Durchblutung der Extremitäten ist intakt.

Gastrointestinaltrakt/Abdomen: Die Abdomenuntersuchung war unauffällig.

Urogenitaltrakt: Die Untersuchung war unauffällig.

Extremitäten/Muskuloskelettal: Es wurde eine leichte Schwellung der Unterschenkel festgestellt, die sich im Vergleich zum Vorjahr gebessert hat.

Neurologisch: Eine umfassende neurologische Untersuchung zeigte einen normalen mentalen Status, intakte Hirnnerven, normale Muskelkraft, Sensibilität, Reflexe, Gang und Gleichgewicht. Er füllte außerdem den Patientenfragebogen zur Gesundheit-9 (PHQ-9) und den Screening-Fragebogen zur generalisierten Angststörung-7 (GAD-7) auf Depression und Angst aus, die unauffällig waren. Die kognitive Funktion, beurteilt mit dem Montreal Cognitive Assessment (MoCA), lag mit einem Wert von 30 von 30 Punkten im Normbereich.

Dermatologisch: Die Untersuchung der Handrücken ergab Ekchymosen (Blutergüsse), die mit einer leichten Weichteilreizung im Zusammenhang mit häufigem Händeschütteln im Rahmen der Einnahme von Aspirin zur kardiovaskulären Prävention vereinbar sind. Dies stellt eine häufige und gutartige Nebenwirkung der Aspirintherapie dar. Es wurden keine verdächtigen Läsionen oder besorgniserregenden Wucherungen festgestellt.

Laborberichte (Normalwerte eingeschlossen): umfassende Laboruntersuchung

Die Auswertung, einschließlich des kompletten Blutbildes, des umfassenden Stoffwechselprofils, des Gerinnungsprofils, des D-Dimers, des B-Typ-natriuretischen Peptids und der kardialen Biomarker, liegt im Normbereich.

Lipidprofil

  1. Gesamtcholesterin: 143 mg/dl (Optimal <200 mg/dl) Triglyceride: 104 mg/dl (Normal <150 mg/dl) HDL („gutes“ Cholesterin): 70 mg/dl (Wünschenswert >40 mg/dl) LDL („schlechtes“ Cholesterin): 53 mg/dl (Optimal <100 mg/dl)

  2. Komplettes Blutbild: Leukozyten: 4,9 K/µl (Normal: 4,0–11,0 K/µl) Hämoglobin: 14,0 (13,2–16,5) Hämatokrit: 40 (39,7–50,3) Thrombozyten: 202 K/µL (Normal: 150-450 K/µL) Herz: ProBNP: 56 (Normal: 0-450)

*Übersetzung des Originalberichts aus dem Englischen

Außerdem weist Trumps Krankenakte laut der Washington Post eine auffällige Lücke auf, in der einst ein Medikament gegen Haarausfall vermerkt war. Dem Bericht zufolge nahm der für seine sorgfältig gepflegte Haarpracht bekannte Trump jahrelang Finasterid (Propecia), ein gängiges Medikament gegen erblich bedingten Haarausfall bei Männern.

Auch das Medikament gegen Haarausfall taucht nicht mehr auf

Drei seiner früheren Ärzte bestätigten, dass er das Medikament sowohl vor als auch während seiner ersten Amtszeit eingenommen hatte. Vermerkt wurde aber nur, dass Trump Rosuvastatin und Ezetimib zur Senkung seines hohen Cholesterinspiegels sowie Aspirin für seine Herzgesundheit einnimmt.

„Das wirft erhebliche Fragen auf, was möglicherweise noch verschwiegen wird“, sagte Robert Klitzman, Psychiater und Leiter des Masterstudiengangs Bioethik an der Columbia University. Er warnte davor, dass Finasterid mit einem erhöhten Depressionsrisiko in Verbindung gebracht werde, was sich potenziell auf die Amtsführung des Präsidenten auswirken könne.

Finasterid greift nachweislich nicht nur in den Testosteron-Stoffwechsel ein, sondern kann das hormonelle Gleichgewicht und damit die ausgeglichene Stimmung dauerhaft schädigen, was schließlich zu einer Depression führt.

Die Ärzte wollen die ganze Krankengeschichte erfahren

„Wir wollen sicherstellen, dass wir die ganze Geschichte erfahren, um zu wissen, ob die Person, die eine Position innehat, die Aufgaben des Amtes ausreichend wahrnehmen kann“, sagte Klitzman gegenüber der Washington Post.

Steve Joffe, Arzt und Bioethiker an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania, wies darauf hin, dass die Offenlegung der fortgesetzten Einnahme von einem Medikament gegen Haarausfall „kaum Nachteile“ mit sich bringe.„Es gibt ein gewisses Maß an Offenheit und Transparenz, das die Menschen von jemandem erwarten dürfen, dem sie so tiefes Vertrauen entgegenbringen“, sagte Joffe dem Blatt.

„Ein 80-Jähriger, der der wie besessen von seiner Gesundheit schwadroniert!“

„Trumps durchweg positive Ergebnisse stehen im krassen Gegensatz zu dem, was die Amerikaner sehen: sichtbare Blutergüsse und Hautausschläge , seine häufigen Nickerchen vor laufenden Kameras und die Tatsache, dass er ein 80-jähriger Mann ist, der wie besessen von seiner Gesundheit schwadroniert“, resümiert die Washington Post .

Auf Nachfrage der Zeitung, ob der Präsident Propecia noch einnehme, erklärte das Weiße Haus, es sei nicht verpflichtet, alle Medikamente offenzulegen, die der Präsident einnimmt.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen