Gold, Schmuck, Kunst und Uhren

Geschenke gegen die Inflation

Schenken macht Spaß. Das gilt umso mehr, wenn die mit Sorgfalt ausgewählten Objekte von besonderem, steigendem Wert sind. In Zeiten, in denen die Spar-zinsen eher gegen null tendieren und die Inflationsängste steigen, können eine qualitätsvolle Uhr, eine gut erhaltene Münze oder ein kleines, aber meisterliches Kunstwerk ein liebevolles Geschenk und zugleich eine gute Anlage sein.

Die Auktionsergebnisse der laufenden Saison beweisen: Wer es sich leisten kann, investiert einen Teil seine Vermögens in schöne, aber wertbeständige Dinge wie Uhren, Oldtimer oder Kunst. Auch das  Interesse an Goldmünzen scheint ungebrochen, obwohl der zuletzt nachgebende Goldpreis anderes vermuten lässt. Doch Experten rechnen immer noch mit einem Anstieg auf 1 900 Dollar je Feinunze bis Ende 2012. Alternativ zum Gold fließen derzeit ganze Vermögen in Immobilien und treiben die Preise, so dass schon Warnungen vor einer Blase laut werden. Die Gründe sind bekannt: Die anhaltend niedrigen Zinsen bringen so wenig Rendite, dass sie auch die derzeit noch niedrige Inflationsrate von rund zwei Prozent nicht deckt. Zusätzlich wächst die Angst der Menschen vor einer steigenden Geldentwertung so lange, wie die EZB die Zinsen niedrig hält und die Märkte mit ungeheuren Geldmengen flutet. Die Wirtschaft brummt nicht mehr, sie säuselt eher. Aktionäre rechnen mit schwächeren Aufträgen und weniger attraktiven Kursen. Es bleibt also genügend Geld übrig, um es in die schönen Dinge zu investieren. Stimmt die Qualität, dürfte mit etwas Geduld eine angemessene Rendite wachsen.

Gold

Im Gegensatz zu Papiergeld und den virtuellen Milliarden ist Gold nicht beliebig vermehrbar und deshalb in diesen Zeiten sehr begehrt. Der Preis für eine Unze lag Mitte November bei 1 731 Dollar. Aktuell kostet der Ein-Unzen-Barren beim Edelmetallhändler „Pro Aurum“ 1 386 Euro. Für 100 Gramm sind 4 417 Euro zu zahlen. Wie hoch der Goldpreis noch steigen wird, weiß niemand. Die Meinungen gehen weit auseinander. Fans des gelben Metalls sehen ihn bereits im fünfstelligen Bereich. Analysten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank in Frankfurt gehen wie die Kollegen von der Deutschen Bank davon aus, dass der Preis in der ersten Hälfte 2013 die 2 000-Dollar-Marke überschreiten wird. Viel hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa ab. Einen besonders starken Einfluss üben die Asiaten aus. Sinkt dort die Nachfrage nach Gold für Schmuck, gibt der Goldpreis nach.

Leichter handeln als große Barren lassen sich Anlagemünzen mit einer Unze Gewicht wie der südafrikanische Krügerrand, das australische Känguru oder das kanadische Maple Leaf. Die Mehrkosten für die Prägung belaufen sich auf 20 bis 30 Euro. Allerdings bringt Gold keine laufenden Erträge wie Zinsen und es muss sicher aufbewahrt werden. Doch Experten wie der Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucher-zentrale Baden-Württemberg in Stuttgart und Kurt von Storch, Gründer und Vorstand der Vermögensverwaltung „Flossbach von Storch“ in Köln, empfehlen sicherheitsbewussten Anlegern einen Depotanteil von fünf bis zehn Prozent.

Silber

Liebevoll als der kleine Bruder von Gold bezeichnet, gilt Silber ebenfalls als attraktives Anlagemetall. Das bestätigt auch Rohstoffanalyst Weinberg: „Silber gehört mit einem Preisanstieg um zehn Prozent seit Jahresbeginn zu den Rohstoffen mit der besten Preisentwicklung in diesem Jahr.“ Den größten Anteil haben sich vor allem Investoren und spekulative Anleger gesichert.

Das Researchhaus „Thomson Reuters GFMS“ in New York rechnet mit einem Anstieg der industriellen Nachfrage von sechs und sieben Prozent in den nächsten zwei Jahren. Der Preis dürfte entsprechend nachziehen. Zurzeit sind es 33,50 Dollar je Unze. Barren gibt es ab zehn Gramm für 23 Euro. Beliebt sind auch Ein-Unzen-Münzen wie die österreichische „Philharmoniker“ für rund 30 Euro.

Diamanten

Die Glitzersteine dienen als Geldanlage nur dann, wenn sie nicht als Ring oder Brosche gefasst sind. Ein knappes Angebot und eine steigende Nachfrage vor allem aus China lassen auf stetig steigende Preise hoffen. Das gilt vor allem für Steine bester Qualität (siehe zm 15/2012), die mit einem international anerkannten Zertifikat ausgestattet sind. Wer sich Diamanten in den Safe legen möchte, braucht Geduld bis er Gewinne einstreichen kann. Denn für private Anleger besteht eine große Spanne zwischen An- und Verkauf.

Schmuck

Unter bestimmten Voraussetzungen eignet sich auch Schmuck als Investment. Bedingung ist wie eigentlich immer: Das Stück muss höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Klaus Michael Röder und seine Frau Antje aus Bergisch-Gladbach bei Köln, Spezialisten für antiken Schmuck, setzen auf die Prachtstücke der Vergangenheit: „Diese hohe Qualität der Verarbeitung wie wir sie vom Schmuck aus der Vergangenheit her kennen, ist heute schon deshalb nicht mehr möglich, weil sie nicht mehr bezahlbar wäre.“ Wichtig ist ihnen auch das Design: „Es muss typisch für die Zeit sein, aus der es stammt.“ So wandte man sich in den 1960er-Jahren von den floralen Motiven ab hin zum Abstrakten. Eine typische Brosche, zusammengesetzt aus verschiedenen Materialien, aus dieser Zeit kostet um die 5 000 Euro. Deutlich teurer wird es, wenn große Namen wie Tiffany oder David Webb dahinter stehen. Dann sind für ein Armband oder Collier leicht Bereiche um 30 000 bis 50 000 Euro erreicht. Diese Stücke dürften sich auf Dauer als gute Anlage erweisen. Wichtig ist auch, auf beste Materialien zu achten „Denn“, so Röder, „gerät ein Stück aus der Mode, reduziert sich der Wert aufs Material.“ Jenseits aller Trends behaupten sich Schmuckstücke, die von berühmten Künstlern wie Pablo Picasso, Georges Braques oder Joan Miro entworfen wurden. Sie wurden in kleinen Auflagen unter Aufsicht der Künstler hergestellt und gehören heute zu den begehrten Objekten. Ab und zu tauchen sie in Auktionen auf. Bei Röder kostet eine Brosche von Braques, Gold mit Lapislazuli 14 800 Euro.

Uhren

Sich mit seinem Investment zu schmücken, fällt Männern bisweilen etwas leichter als Frauen. Während zeitgenössischer Schmuck nur dann an Wert gewinnt, wenn er möglichst einmalig und außergewöhnlich in Form und Qualität ist, erweisen sich Chronometer eher als wertstabil, wenn nicht sogar als wertsteigernd. Das funktioniert natürlich nicht mit einer Allerweltuhr. Auch hier muss die Qualität hervorragend sein und auf dem Ziffernblatt sollte ein berühmter Name stehen. Dazu gehören Patek Philippe, Rolex, Audemars Piguet, Bréguet, die italienischen Zeitmesser von Officine Panarai und die deutschen von Lange Söhne sowie Glashütte. Michael Brückner, selbstständiger Fachjournalist und Autor des Buches „Faszination Armbanduhren“, nennt Kriterien, die für den Kauf von Uhren mit Wertsteigerungspotenzial wichtig sind: Hersteller, Modell, mechanische Komplexität, Authentizität, Seltenheit, Zustand und Provenienz. Auf Auktionen erreicht Patek Philippe die höchsten Preise. 1999 erzielte eine Taschenuhr dieser Marke mit elf Millionen Dollar den höchsten Preis, der jemals für eine Uhr gezahlt worden ist. Der Einstiegspreis für eine Rolex liegt bei 5 000 Euro, eine Patek Philippe beginnt bei 10 000 Euro.

Antikes Silber

Weniger aus Investmentgründen als vielmehr aus Freude an der handwerklich perfekten Gestaltung geraten Sammler beim Anblick von Terrinen und Tellern, die schon die Tische europäischer Fürsten geziert haben und sogenannte Inventarnummern aufweisen, ins Schwärmen. Spitzenstücke finden auf Auktionen ohne Probleme neue Besitzer. Schwieriger wird es bei weniger musealen Stücken. In diesem Bereich lässt das Interesse nach, weil junge Sammler sich auf anderen Gebieten tummeln. Deshalb gibt es sehr gute Qualitäten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert mit gut lesbaren Punzen (Stempel) zu erschwinglichen Preisen. Von Meistern geschmiedete Leuchter oder Teekannen gibt es für ein paar tausend Euro. Kleine Dosen mit üppig getriebenem Dekor bot beispielsweise Gerrit Böttcher, Kunsthändler aus Großburgwedel, auf der „Cologne Fine Art“ im November für weniger als 2 000 Euro an. Ein Paar kleine Leuchter von 1732 kosteten 5 800 Euro.

Porzellan

Wie bei den Silberobjekten finden auch beim Porzellan vor allem Spitzenstücke von musealer Qualität auf Auktionen regelmäßig ihre Käufer.

Um auch junge Leute für das weiße Gold zu interessieren, lockt Ex- perte und Händler Johann Ofner schon mal mit Sonderkonditionen: „Gern gebe ich einen besonders schönen Meißen-Teller mal etwas günstiger ab, wenn das Interesse groß ist. Vielleicht kehrt der Kunde ja als neuer Sammler wieder.“ Grundsätzlich rät er dazu, die zerbrechlichen Objekte vor allem aus Neigung zu kaufen und weniger mit Investment- gedanken. Die Preise steigen langsam, aber stetig. Der Markt gilt als volatil, vor allem deshalb, weil die Geschmäcker der Chinesen und Europäer doch sehr unterschiedlich sind.

Manchmal sorgen Auktionen für Sensationen auf diesem Gebiet, zum Beispiel wenn eine Meissner Schnupftabakdose einen Rekordpreis von 860 000 Euro erzielt. Wer weniger ausgeben möchte, bekommt bei Ofner schön bemalte Tabatieren ab etwa 3 000 Euro.

Kunst

Kunstkauf hat viel mit Emotionen zu tun. Was dem einen gefällt, lehnt der andere ab. Welche Gemälde wertstabil sind, kann erst die Zukunft zeigen. Das gilt vor allem für zeitgenössische Kunst. Keine Gedanken mehr machen muss sich, wer ein Gemälde von Gerhard Richter sein eigen nennt. Der Preis dafür zeigt nur noch nach oben. Stücke, die in den Achtzigerjahren für 100 000 Euro zu haben waren, kosten heute 15 Millionen.

Preiswertere, aber dennoch qualitativ anspruchsvolle Kunst gibt es noch für Sammler, die sich auch für Werke älteren Datums erwärmen können. Das trifft vor allem für Altmeisterzeichnungen und für Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu. Berühmte Namen wie Dürer oder Rembrandt erzielen hohe Preise, wobei gerade bei Rembrandt die Zuordnung nicht immer einfach und die Qualität sehr unterschiedlich ist. Bei der Düsseldorfer Galerie „C.G Boerner“ kostet ein Dürer-Holzschnitt „Heilige Familie“ 33 000 Euro. Beim Auk-tionshaus Ketterer erzielte ein Kupferstich „Das Liebespaar und der Tod“ 13 125 Euro, geschätzt war das Blatt mit 5 600 Euro. Bei dieser Auktion am 23. November bestätigte sich der Trend, dass die Alte Kunst allmählich neu entdeckt wird: Jeder zweite Kunde war ein Neukunde. Bemerkenswert war vor allem das Interesse aus dem Ausland. Russen, Chinesen und auch Südamerikaner haben die alte deutsche Qualität schon länger für sich entdeckt. Sprunghafte Steigerungen wie bei der zeitgenössischen Kunst sind auf diesem Gebiet nicht zu erwarten. Spezialist Bruce Livie von der Galerie „Arnoldi-Livie“ in München meint: „Dem steht bei den Schätzen der Vergangenheit eine ruhige aber stetige Aufwärtsbewegung bei den Preisen gegenüber. Preiseinbrüche hat es nie gegeben.“

Auch im Bereich der Moderne gibt es hochkarätige Künstler, deren Werk als gesichert gilt und bei denen gleichzeitig die Preise dennoch im Rahmen bleiben, weil sie vielleicht zurzeit nicht im Fokus stehen. Dazu gehört nach Meinung von Thomas Weber, Galerie „Boisserée“ in Köln, unbedingt der Spanier Eduardo Chillida: „Wir beobachten Chillida seit etwa zwei Jahrzehnten. Er gehört zu den wichtigsten Künstlern der Moderne. In dieser Zeit hat sich sein Preis verdreifacht.“ So kostete die Aquatinta-Radierung „Hommage à JSB (Johann Sebastian Bach)“ , 133 Exemplare, vor fünf bis sechs Jahren noch 2 000 Euro. Jetzt ist sie für 5 900 Euro zu haben.

Eine „Gravitation“ von 1987, bei der mehrere Schichten Papier übereinander hängen, ist ein Unikat und kostet 85 000 Euro.

Große Literatur und künstlerische Fertigkeit vereinte Hermann Hesse. Er schrieb Gedichte wie „Rückgedanken“ oder „Schmetterlinge im Spätsommer“. Zu kaufen gibt es sie geschrieben auf seiner Schreibmaschine, die ihm 40 Jahre lang diente und auf der auch Werke wie „Das Glasperlenspiel“ oder „Steppenwolf“ entstanden sind. Die Blätter hat er mit Aquarellen geschmückt. In der Galerie „Rudolf“ auf Sylt kosten sie 12 800 Euro.

Liebhaber der aktuellen Kunst, die am Beginn einer Sammlung stehen, finden kompetente Unterstützung bei den Kunstvereinen. Mitglieder haben die Chance, zeitgenössische und qualitativ gute Blätter von jungen Künstlern zu günstigen Preisen erwerben zu können.

Oldtimer

Was in der Vergangenheit vor allem die Liebhaber alter Luxusautos als teures aber schönes Hobby betrachtet haben, erweist sich mehr und mehr als Wertanlage. Einer der Gründe ist, dass mangelnde Pflege, Unfälle und natürlich die begrenzte Stückzahl automatisch zu einer Wertsteigerung führen. Vermögensverwalter Dr. Marc-Oliver Lux aus Grünwald bei München kennt sich mit den rollenden Anlageobjekten aus: „Langfristig kann man bei Oldtimern Wertsteigerungen von durchschnittlich zehn bis 25 Prozent pro Jahr erzielen.“ Seiner Meinung nach haben sie sogar die jüngste Krise bis jetzt „spurlos überwunden“.

Ein Flügel-SL-Mercedes ist nicht reproduzierbar, Replikate erreichen meist nur einen Bruchteil des Wertes vom Original. Dank der steigenden Nachfrage lassen sich die Schönheiten häufig auch schnell wieder verkaufen. Gefragt sind inzwischen schon die nur rund zehn Jahre alten BMW Z8. Von diesem Modell wurden zwischen 2000 und 2003 nur 5 703 Exemplare in Handarbeit gebaut. Allerdings lag der Neupreis schon bei 122 700 Euro. Gebraucht erzielen sie je nach Ausstattung schon 150 000 Euro.

Die Kehrseite der Medaille: Anleger benötigen ein umfangreiches Fachwissen, gute Kontakte für die Ersatzteilbeschaffung und ein gefülltes Bankkonto, um die Kosten für Versicherung, Wartung und Unterbringung bestreiten zu können. Vor allem intensive Pflege sichert den Werterhalt beziehungsweise die -steigerung.

Marlene EndruweitFachjournalistin für Wirtschaftm.endruweit@netcologne.de

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