Alzheimer Krankheit

Progression drei Jahre lang aufgehalten

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Ein aktueller Erfolg scheint den Wissenschaftlern gegen die Alzheimer-Krankheit gelungen zu sein. Bei der „Alzheimer´s Association International Conference“ (AAIC) in Toronto wurden jetzt neue Studiendaten vorgestellt, die einen Progressionsstopp der Erkrankung über drei volle Jahre belegen.

Die Behandlungserfolge bei der Alzheimer-Demenz sind bislang sehr limitiert, es gelingt lediglich, die Progression über einen gewissen Zeitraum zu verlangsamen. Einen völligen Progressionsstopp für drei Jahre haben nun Dr. Norman Relkin et al. vom Weill Cornell Medical College in New York City erwirken können. Im Rahmen einer kontrollierten Studie haben die Forscher 24 Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Alzheimer-Erkrankung sechs Monate lang Placebo-kontrolliert mit hoch dosierten intravenösen Immunglobulinen (IVIG) behandelt. Es schloss sich eine offene zwölfmonatige Studienphase an, in der alle Patienten IVIG in unterschiedlichen Dosierungen erhalten konnten. Um die langfristigen Auswirkungen der Behandlung evaluieren zu können, wurde allen Patienten ferner für den Zeitraum weiterer 18 Monate die Gabe von 0,4 mg/kg des Wirkstoffs alle zwei Wochen angeboten.

Deutlicher Vorteil durch Medikamentierung

Das Ergebnis: Bereits nach der ersten sechsmonatigen Studienphase war ein deutlicher Vorteil hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit der Patienten in der Verumgruppe nachzuweisen. Bei vier Patienten, die über den vollen Dreijahreszeitraum behandelt worden waren, ergab sich überraschenderweise offenbar sogar ein völliger Stillstand der Progression. „Es war kein Abfall der Kognitionsparameter, der Gedächtnisleistungen und der Alltagsfunktionen bei diesen Patienten während des Behandlungszeitraums festzustellen“, berichteten die Wissenschaftler in Vancouver. Fünf Patienten, die zunächst Placebo, dann aber Verum erhalten hatten, zeigten zuerst ein deutliches Fortschreiten der Erkrankung, das sich unter der IVIG-Gabe dann aber verlangsamte. „Es ist dies die erste Studie, in der eine langfristige Stabilisierung der Erkrankung gezeigt werden konnte“, ordnete Studienleiter Relkin die Daten ein.

Eine abschließende Beurteilung der Ergebnisse steht nach seinen Worten noch aus, da die Zahl der Studienteilnehmer für eine endgültige Bewertung der erzielten Effekte zu klein war. Die Forscher hoffen nun, dass sich die Ergebnisse in einer derzeit laufenden Phase-III-Studie bei 390 Patienten bestätigen werden. Gelingt dies, so käme das einem klaren Durchbruch bei der Behandlung der Alzheimerschen Krankheit gleich.

Bei IVIG handelt es sich um polyklonale Antikörper, die aus Spenderblut gewonnen werden. Enthalten sind in dem Präparat auch Antikörper gegen Beta-Amyloid, ein Protein, dem nach derzeitiger Kenntnis bei der Alzheimer-Krankheit zentrale pathogenetische Bedeutung zukommt. Das könnte die beobachteten Effekte erklären, vermuten die Wissenschaftler. Sie hoffen, auf Basis der neuen Resultate in absehbarer Zukunft eine Immuntherapie gegen die Alzheimer-Krankheit etablieren zu können.

Christine Vetter

Merkenicher Str. 224

50735 Köln

info@christine-vetter.de

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