Rezension

Rollentausch beim Daumenlutschen

Heftarchiv Gesellschaft
sf

Daumenlutschen war bereits vor über 100 Jahren ein Thema – das zeigt der „Struwwelpeter“. Der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann löste das Problem seinerzeit bekanntlich auf brutalste Weise – die Daumen mussten ab.

Die Autorin und Illustratorin Ljuba Stille schlägt einen gemäßigteren Weg ein. Ihr Bilderbuch „Liese lutscht“ zeigt die Welt zunächst einmal aus Lieses Sicht – und aus Lieses Sicht ist das Daumenlutschen alles andere als doof. Es ist immens hilfreich. Deshalb lutscht sie gern. Und sie lutscht ständig. Der Daumen schmeckt ihr einfach gut. Der Daumen spendet Trost. Der Daumen beruhigt. Und er macht Mut – etwa beim Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Auch beim Filme Schauen ist der Daumen ein prima Begleiter. All ihre Verwandten bemühen sich redlich, die Liese vom Lutschen abzubringen. Doch keiner hat wirklich Erfolg.

Aber dann kommt Lieses Oma, die ihr ein Eis verspricht, wenn sie einmal eine halbe Stunde das Lutschen sein lässt. Sieben Eis lang geht das gut. Dann fällt Liese in ihr altes Muster zurück. Die Großmutter möchte wissen, was am Daumenlutschen schön sein soll und – probiert es aus. Das finden alle in der Familie komisch. Auch Liese meint: Lutschende Omas sind peinlich.

Dieses Buch ist reich an Bildern, kurzweilig und humorvoll geschrieben. Es leitet Eltern, Verwandte, Erzieher und Kinder ab drei Jahren dazu an, ungezwungen über das Daumenlutschen nachzudenken und einfach mal darüber zu sprechen.

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