Editorial

Über Bande gespielt

"Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten." (Hanns-Joachim Friedrichs, 1927-1995). Doch woran erkennt man dann einen guten Zahnarzt?

Wenn es nach der aktuellen Berichterstattung der

Sendung ZDF Zoom vom 29.Juli 2015

geht, daran, dass dieser nicht auf Fortbildungsveranstaltungen der Industrie geht, verständliche und nachvollziehbare Heil- und Kostenpläne erstellt, die Kosten für die Patienten natürlich so gering wie möglich ansetzt und dabei eine hohe und lange haltbare Qualität seiner Arbeiten liefert.

Und natürlich daran, dass der Zahnarzt nur Heilkundler ist und keinerlei wirtschaftliche Interessen verfolgt. Würde man diese Beschreibung auf einem x-beliebigen Zahnarztkongress vorstellen, würde es aus dem Auditorium schallen: Prima, genauso sind wir! Vielleicht käme noch die leise Einschränkung, dass es ja auch unter den Kollegen das eine oder andere schwarze Schaf gebe …

Und schon sind wir mitten im Problem. Denn die Berichterstattung – und da unterscheiden sich die öffentlich-rechtlichen Medien nicht von den sogenannten privaten – folgt nicht dem guten, sondern dem schlechten Beispiel. Anlässe gibt es genug: vom Patienten nicht verstandene Heil- und Kostenpläne, die nicht nachvollziehbare Höhe der Steigerungsfaktoren, Ergebnisse der Implantate, die nicht den Erwartungen der Patienten entsprechen („Wieso? Bei dem Filmstar sah es doch auch so gut aus!“) und so weiter und so fort. Solcherart Berichterstattung folgt aber auch einer Agenda. Das ist jetzt meine Behauptung.

Deshalb sollte man nicht mit einem „Ach, alles wie immer!“ zur Tagesordnung übergehen. Denn für alle in diesem Film dar- gestellten Beispiele tatsächlichen und angeblichen zahnärztlichen Fehlverhaltens oder gar Versagens gibt es Pro und Kontra. Nur: Es macht überhaupt keinen Sinn, sich darüber aufzuregen.

Viel wichtiger scheint mir, dass all die im Film genannten Argumente nur der Aufgalopp sind für ein ganz anderes Spiel, das gerade medial inszeniert wird. Nämlich die Frage, inwieweit der Staat wesentliche Fürsorgefunktionen für seine Bürger weiter zentralisieren kann. Nur zu deren Wohl natürlich. Da passt ein selbstständig entscheidender Patient ebenso wenig ins Bild wie Heilberufler, die sich ihre Leistung direkt von den Patienten bezahlen lassen, vulgo denen vorher etwas verkauft wurde.

Schauen Sie sich einmal den ZDF-Zoom-Beitrag unter diesem Aspekt an und Sie werden sehen, wie „genial“ diese Forderung nach mehr politischer Kontrolle umgesetzt ist. Man suggeriert, dass der Patient gar nicht in der Lage ist, aufgrund der ihm vom Zahnarzt gegebenen Information eine qualifizierte Entscheidung zu treffen. Wie auch, denn der Zahnarzt will ja nur verdienen … In der Diktion von Hannes Vogel, so der Name des Journalisten, bedeutet das „bereichern“ - und davor müsse die Politik die Patienten schützen. Mit mehr Kontrolle der Leistungserbringer! Wie kann sie das? Mit einem freien Berufsstand am allerwenigsten.

Um diesen in den Griff zu bekommen, werden dann halt auch mal Patientenberatungsorganisationen wie die UPD ausgetauscht, wenn sie nicht die seitens der Politik gewünschten negativen Botschaften „produzieren“, um … ja was? Die Freiberuflichkeit sturmreif zu schießen.

Da passt dann ein solcher Fernsehbeitrag perfekt ins Bild, meint Ihr

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