Sylter Woche

Politik, Prothetik, Praxispower

Genau 1267 Zahnärztinnen, Zahnärzte und deren Teammitglieder hatten sich angemeldet, um sich auch in diesem Jahr auf der nördlichsten Insel Deutschlands fort zu bilden. Damit jährte sich der größte Fortbildungskongress seiner Art zum 57. Mal. Die „Sylter Woche“ der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein stand diesmal ganz im Zeichen der Prothetik, der Kooperationspartner war die Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien.

Sie kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Spanien angereist, um ein vielschichtiges Programm an Vorträgen und Kursen rund um das Thema „Zahnersatz – Innovation und Tradition“ zu erleben.

Präsident Dr. Michael Brandt sparte bei seiner Begrüßung nicht mit Kritik an der Politik. So monierte er unter anderem die verschärften Anforderungen in der Praxishygiene als zum Teil überzogen, abwegig und dabei sehr kostenintensiv. Die zahnärztliche Profession nehme die Hygiene schon aus eigenem Interesse sehr ernst, so Brandt. Unverständlich sei hingegen der bürokratische Aufwand, der den Praxen abverlangt werde. „Die mögliche Folge in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein: Der Tod vieler kleiner Landpraxen.“

Auch zum e-Health-Gesetz des Bundesgesundheitsministers fielen konkrete Worte: „Ärzte und Zahnärzte für Verzögerungen in der Umsetzung des Datenaustausches zahlen zu lassen, wäre ebenso dreist wie eine zusätzliche Passagierabgabe für die Fertigstellung des Berliner Flughafens – geben Sie dies gerne an den Gesundheitsminister weiter“, ergänzte Brandt an den anwesenden Dr. Thomas Stritzl, Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages, gerichtet.

Dr. Peter Kriett, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein setzte noch einen drauf: „Mit dem Antikorruptionsgesetz soll das selbstständige Handeln in Misskredit gezogen werden.“ Auch Dr. Peter Engel legte die Finger in eine derzeit „klaffende“ Wunde: „Die Freiberuflichkeit wird durch die EU-Deregulierung immer stärker angetastet. Unser Heilberuf droht, von Fremdbestimmungen unterwandert zu werden. Dies lassen wir nicht zu.“

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Referenten-Potpori

Dr. Andreas Sporbeck, Vorstand für Fortbildung der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, hatte ein Potpori von 22 renommierten Referenten zusammen gestellt, die ihre Forschung und neue sowie alt bewährte Erkenntnisse in Vorträgen präsentierten. Anschließend hatten die Besucher die Gelegenheit, diese Erkenntnisse in Seminaren zu vertiefen.

So auch beim Notfallseminar für Zahnärzte nebst Team, das Prof. Dr. Dr. Thomas Kreusch und Prof. Dr. Patck Warncke, Flensburg, seit Jahren immer wieder anbieten und sich vor Zulauf kaum retten können. Ist es doch in den Praxen angekommen, dass eine Notsituation nur im Team gemeistert werden kann, um Leben zu retten. „Merken Sie sich Zahlen: die 112 für den Notruf und die 30-2 zur Reanimation. Und beginnen Sie sofort mit der Herzmassage! Verlieren Sie keine Zeit!“ Er erklärte, dass viele moderne Behandlungsstühle eine Notfallposition haben, in die der Patient mit einem Handgriff gebracht werden kann. „Damit sparen Sie sich das Zeit aufwendige Zupacken zu zweit und auf den Boden legen,“ sagte Warncke. Sein Tipp: „Teilen Sie jedem Teammitglied eine Aufgabe zu: Notruf absetzen, Notfallkoffer holen, Tür öffnen und mehr“.

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