So war die Lehre an den Unizahnkliniken in der Pandemie
Neben der Befragung aller Universitätskliniken zu den strukturellen Anpassungen an die Corona-Pandemie (zm 13/2021, S. 16–19) wurden die Kollegen ebenfalls gebeten, jeweils einen Fragebogen zum Einfluss der Pandemie auf die studentische Lehre in der Vorklinik und in der Klinik auszufüllen. Auch wenn die einzelnen Fachgebiete an ihren Standorten teilweise als Poliklinik, Klinik, Department oder Abteilung bezeichnet werden, wird in diesem Artikel einheitlich von Abteilungen gesprochen.
Was hat sich in der Vorklinik und in den Phantomkursen im 6. Semester verändert?
Während im Januar/Februar 2020 84 Prozent der Vorlesungen (27 Abteilungen) für die Studierenden noch in Präsenz angeboten wurden, änderte sich dies von März/April 2020 bis in den Februar 2021 drastisch: Nur noch durchschnittlich 14 Prozent der Vorlesungen wurden in Präsenz durchgeführt, gleichzeitig stieg entsprechend der Einsatz digitaler Medien. Gaben vor der Pandemie die meisten Abteilungen an, kaum bis gar keine digitalen Alternativangebote vorzuhalten, wurden nach Beginn der Pandemie sowohl Vorlesungen im Livestream, aufgezeichnete Vorlesungen, Lehrfilme als auch Online-Skripte als Alternativen zum Präsenzunterricht eingesetzt.
Mit 34 Prozent wurde Zoom als häufigstes Tool für Online-Vorlesungen genannt. Jeweils 12 Prozent nutzten WebEx oder Moodle. Ansonsten wurden Tools wie MS Teams, HeiConf, ILIAS, StuDIP oder eigene Lernumgebungen eingesetzt. Eine Abteilung ergänzte die Vorlesung durch „homeworks“, die die Studierenden bearbeiten mussten, einige andere nutzten das Konzept des „flipped classroom“ (vertonte Powerpoint-Dateien wurden über eine Lehrplattform zur Verfügung gestellt, regelmäßige Zoom-Meetings wurden zur Klärung von Fragen angeboten), ebenso kamen Online-Quiz oder elektronische Lehr-/Lernmodule zum Einsatz, auch Online-Sprechstunden wurden angeboten.
Die praktische Ausbildung in der Vorklinik wurde im März/April 2020 nur noch zu 50 Prozent als Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Ab Mai 2020 stieg dieser Anteil wieder auf das Ausgangsniveau an. Dieser Anstieg ist eventuell auf die Durchsetzung von Hygienekonzepten (etwa Reduktion der Gruppengröße im Raum, Trennwände) zurückzuführen. Im Sommersemester 2020 fanden 73 Prozent der Kurse praktisch statt. Im Vergleich zum Vorjahr wurden laut Angaben knapp 82 Prozent der Kursleistungen erreicht. Auch diese Aussage ist im Rahmen der Unsicherheiten zu Beginn des Sommersemesters 2020 nachvollziehbar und spiegelt eine Anpassung der Abschlussleistungen an die kleineren Gruppengrößen wider. Ähnlich sind auch die Aussagen zu den Abschlussleistungen der praktischen Kurse im Wintersemester 2020 (73 Prozent) sowie im Vergleich zum Vorjahr 2019 (77 Prozent).
Im März/April 2020 wurden nur noch 19 Prozent der Klausuren und von Mai bis Oktober 2020 87 Prozent in Präsenz abgehalten, während von November bis Februar 2021 die Zahl wieder auf 69 Prozent sank. Die meisten Abteilungen ließen entweder die schriftlichen Prüfungen ausfallen oder führten diese angepasst an ein Hygienekonzept durch. Im März/April 2020 führten nur noch zwölf Abteilungen praktische Prüfungen durch. Ab Mai 2020 fanden diese schon wieder an 24 Abteilungen statt, jedoch sank diese Zahl im Wintersemester 2021 wieder auf 20 ab.
Was hat sich in der Klinik verändert?
Vor der Pandemie wurden 94 Prozent der klinischen Vorlesungen in Präsenz abgehalten, nur drei Abteilungen nutzten zu diesem Zeitpunkt bereits Online-Vorlesungen. Mit Beginn der Pandemie wurden dann weniger als 20 Prozent der Vorlesungen in Präsenz durchgeführt, dafür wurde der ganze Strauß an digitalen Möglichkeiten als Alternative genutzt (Vorlesungsstream live, Vorlesungsstream live und aufgezeichnet, Lehrfilme sowie Skripte). Im weiteren Verlauf der bisherigen Pandemie veränderte sich diese Nutzung nicht wesentlich. Darüber hinaus wurden auch Fälle und 3-D-Daten von Patienten zur seminaristischen Aufbereitung über eigene Cloud-Server verteilt, ebenso die flipped-classroom-Methode genutzt, virtuelle Patientenfälle zur Simulation des Auscultando und Practicando inklusive TED-Fragen bereitgestellt sowie zu den Vorlesungen einmal pro Monat Videokonferenzen zur Beantwortung von inhaltlichen und organisatorischen Fragen abgehalten. Die am häufigsten benutzten Online-Tools waren Moodle als Learning Management System (LMS) und Zoom für Videokonferenzen, gefolgt von MS Teams und OLAT als Open Source LMS sowie GRIPS, StudIP, IMED Campus, Veira, WebEX, HeiConf, ILIAS und eigene LMS.
Die praktische klinische Ausbildung der Studierenden fand vor der Pandemie zu 94 Prozent am Patienten statt und sank im März/April 2020 auf 32 Prozent ab. Von Mai bis Oktober 2020 unterrichteten 81 Prozent der Abteilungen und von November bis Februar 2021 wieder 92 Prozent am Patienten. Als Alternative zur Arbeit an Patienten führten 47 Prozent der Abteilungen im März/April 2020 Unterricht an Phantomköpfen durch. Diese Zahl stieg im Mai bis Oktober 2020 auf 55 Prozent, fiel dann aber im Zeitraum November bis Februar 2021 wieder auf 40 Prozent ab. Darüber hinaus wurde auch eine Kombination aus Patientenbehandlung und Phantomarbeiten angeboten oder die versäumte Behandlungszeit des Sommersemesters wurde während der vorlesungsfreien Zeit im Sommer 2020 nachgeholt, sowie ein Online-Hands-On-Kurs zum Erwerb chirurgischer Skills wurde zu Hause interaktiv am Tiermodell (Schweinekopf, Banane) durchgeführt, während von einer Abteilung zeitgleich durch den Dozenten vorpräpariert wurde. Auch wurde die Studentenzahl für bestimmte Lernformate verringert und einem Hygienekonzept angepasst, indem der Unterricht in kleineren Gruppen abwechselnd online und in Präsenz erteilt wurde.
Durchschnittlich hat der Behandlungskurs am Patienten im Sommersemester 2020 zu 63 Prozent stattgefunden, in zwölf Abteilungen zu 100 Prozent und in fünf Abteilungen gar nicht. Die Kursleistungen wurden im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich zu circa 80 Prozent erreicht. Im Wintersemester 2020/2021 wurde der Behandlungskurs zu 75 Prozent angeboten und 82 Prozent der Kursleistungen erreicht. Über das normale Kursangebot hinaus haben mehr als die Hälfte aller Abteilungen Online-Veranstaltungen zur weiteren Kommunikation mit den Studierenden außerhalb der Vorlesungszeiten angeboten.
Bei den schriftlichen Klausuren im klinischen Abschnitt zeigt sich ein ähnliches Bild wie in der Vorklinik: Fanden während der Unsicherheitsphase zu Beginn der Pandemie im März/April 2020 nur 28 Prozent der Klausuren in Präsenz statt, so wurden diese in den nachfolgenden Zeiträumen wieder zu 79 Prozent in Präsenz angeboten. Im klinischen Abschnitt stieg die Anzahl der Prüfungen am Phantomkopf von zwei auf elf über den Zeitraum März/April 2020 bis Mai bis Oktober 2020 an, um dann im Zeitraum November bis Februar 2021 wieder auf sieben abzufallen. Vier Abteilungen gaben an, im selben Zeitraum auch mündliche Prüfungen online abgehalten zu haben.
Die mündlichen Prüfungen in den Staatsexamina wurden mit einer Ausnahme alle in Präsenz abgehalten. In diesem Fall wurde eine Online-Prüfung durchgeführt. Bezüglich der praktischen Prüfungen in den Staatsexamina wurden die Prüfungen etwa gleichmäßig verteilt am Patienten (29 Prozent), nur am Phantom (29 Prozent) oder in einer Mischform (31 Prozent) durchgeführt. Nur vier Abteilungen gaben an, dass bei ihnen keine praktische Prüfung stattfand.
Fazit
Die verpasste Digitalisierung der vergangenen 15 Jahre wurde in Windeseile teilweise aufgeholt. Dieser Schwung sollte mit dem Abklingen der Pandemie nicht an Kraft verlieren, sondern mit in die Umsetzung der neuen ZApprO eingebracht werden. Ein positives Zeichen in diesem Zusammenhang ist, dass im aktuellen Referentenentwurf zur Überarbeitung der ZApprO digitale Veranstaltungsformate explizit genannt und freigegeben werden!







