Interview mit der Architektin Nathalie Dziobek-Bepler

„Bei Kindern geht es viel mehr ums Erleben“

Manche Kinder entwickeln vor Aufregung einen Bewegungsdrang, andere wollen sich lieber still beschäftigen oder zurückziehen. Darauf achten Architekten heute bei der Gestaltung einer Kinderzahnarztpraxis. Nathalie Dziobek-Bepler, Geschäftsführerin des Berliner Büros Baukind, verrät auch, was Eltern besonders schätzen.

Was sollte man bei der Gestaltung einer modernen Kinderzahnarztpraxis beachten?

Nathalie Dziobek-Bepler: Zwei wesentliche Aspekte stehen im Fokus bei der Gestaltung: Zum einen ist das die Funktionalität, angefangen mit dem Empfangstresen auf Höhe der Kinder, ebenso wie Garderobe und Toiletten, gefolgt vom Wartezimmer mit Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten und den Behandlungsräumen, angepasst an die medizinische Versorgung der kleinen Patienten. Zum anderen ist der emotionale Rückhalt wichtig. Kinder müssen viel stärker auf der emotionalen und der sinnlichen Ebene verstanden und abgeholt werden. Dabei ist jedes Kind natürlich unterschiedlich und verhält sich somit anders beim Arztbesuch. Viele sind ängstlich oder machen sich Sorgen.

Eine entsprechende Aufmachung der Praxis kann dem ein Stück weit entgegenwirken. Die Raumgestaltung kann helfen, negative Emotionen abzuschwächen und positive zu verstärken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Akustik. Wir arbeiten in der Regel immer mit Akustikdecken, die Schall abfangen und Lärmbildung mindern. Denn wer kennt das nicht: Lautstärke kann Stress fördern, umgekehrt kann eine gedämpfte Akustik ihn mindern. Das wirkt gegen Anspannung. Anspannung überträgt sich dabei auch durchaus von den Eltern auf die Kinder und umgekehrt.

Weitere Aspekte sind Licht und Farben. Da gehen wir auf die Wünsche der Praxisinhaber ein, schlagen aber bei der Konzeption auch vor, was günstig Einfluss nehmen könnte. Wir arbeiten gern mit warmen und zurückhaltenden Farben, in Teilbereichen aber auch gerne mit kräftigen Tönen. Wir setzen wohlüberlegte und dosierte Akzente. Die Farbwahl unterstützt ein harmonisches Gesamtbild der Räume und somit das kindliche Erleben der Praxis. Ob ein Raum rosa ist oder blau, ist den Kids übrigens völlig egal. Ordnen sie das als Mädchen- oder Jungenfarbe zu, dann ist das anerzogen. Farben und Beleuchtung helfen auch, die erwähnten Bewegungs- und Rückzugszonen abzugrenzen.

Man kann also Angst und Anspannung über die Raumgestaltung abfedern?

Ja, das geht sogar wirklich gut. Kindern, bei denen das Warten beispielsweise einen Bewegungsdrang erzeugt, kann Raum dafür geboten werden. Sie können klettern oder über einen kleinen Parcours laufen. Ruhigere Kinder können sich in entsprechend gestaltete Zonen und Nischen zurückziehen und Ruhe finden. Wenn sie malen, gibt es die Möglichkeit, die Bilder direkt an einer Magnetwand aufzuhängen. Solchen Dingen einen Rahmen zu geben, ist sinnvoller als die Praxis kleinteilig, unaufgeräumt und damit chaotisch wirken zu lassen.

Mit der Pandemie ist zudem ein sogenannter „dezentraler Wartebereich“ beliebt geworden. Den konzipieren wir zusätzlich zum zentralen Wartezimmer – etwa direkt vor einem Behandlungsraum. Es unterstützt die Prozessoptimierung, wenn die kleinen Patienten nicht mehrfach durch die Räumlichkeiten irren müssen, und es entzerrt den großen Wartebereich, schafft eine privatere Wartesituation.

Was sind die Trends und was die Ansprüche der Kinder an eine moderne Raumgestaltung?

Das Kind ist in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt, wird in seinen Bedürfnissen ernst genommen und man sollte ihm auf Augenhöhe begegnen. Das heißt seine Bedürfnisse kennen und darauf reagieren. In einer Kinder(zahn)arztpraxis geht es um das Kind und das sollte im Eingang schon erfahrbar sein – zum Beispiel mit einem Tresen auf seiner Höhe. Eine Praxis muss heutzutage nicht mehr wie eine Desinfektionsanstalt aussehen, im Bereich Praxen – und auch Krankenhausbau – ist allen inzwischen klar, dass das Wohlfühlen maßgeblich zum Genesungsprozess beiträgt. Das ist einer der tragenden Trends der Zeit, gleichzeitig ein Anspruch.

„Freundlich und gemütlich sollte es werden“

Als Dr. Christine Kirchmann nach zwanzig Jahren ihre eigene Praxis gründet, übernimmt sie eine alt eingesessene Zahnarztpraxis für Erwachsene in Frankfurt. Die Größe, der Schnitt und die Lage passen direkt sehr gut zu ihren Plänen. Gestalterisch gab es allerdings einiges zu tun, bis die Praxis für die kleinen Patienten angepasst war und den Sprung in die Moderne geschafft hat.

Wie haben Sie die Praxis in kindgerecht verwandelt?

Christine Kirchmann: Die Grundvoraussetzungen haben ja glücklicherweise gut gepasst. Der Grundriss, die grobe Raumaufteilung mit drei Behandlungszimmern, die Lage in einer kinderreichen Wohngegend mit Kitas und die Barrierefreiheit. Aber es brauchte natürlich ein Make-Over für das neue Konzept. Die Praxis sollte neben kindgerecht vor allem hell, freundlich und gemütlich werden, das war mein Ziel.

Ich wollte eine Atmosphäre schaffen, in der – in der kindlichen Wahrnehmung – die zahnmedizinische Arbeit positiv besetzt wird und die Familien Transparenz und Offenheit zum einen und ein Sicherheitsgefühl zum anderen erleben. Dabei spielen, wie ich gelernt habe, die Beleuchtung, die Farben und eine angenehme Akustik eine Rolle. Ich hatte ziemlich klare Vorstellungen, wie ich es gerne hätte. Und die haben sich total gedeckt mit den Vorschlägen des Architektenbüros. Alles ging Hand in Hand.

Wir haben uns gemeinsam mit der Architektin unter anderem für einen neu gestalteten Eingangs- und Mittelbereich entschieden. Dieser wirkt jetzt offener, die Arbeitsabläufe können fließend umgesetzt werden und alles ist selbstverständlich an die Größe der kleinen Patienten angepasst. Auch die Waschräume und die Behandlungseinheiten sind entsprechend der Bedürfnisse und Maße von Kindern. Die Kleinen im Wartebereich spielen, aber gestalten auch selbst mit. Zur Weihnachtszeit bemalen sie zum Beispiel die Fenster, ihre selbstgemalten Kunstwerke werden aufgehängt und der Schnullerbaum vor der Praxis wird ganzjährig dekoriert.

Dr. Christine Kirchmann
www.kinderzahn-kirchmann.de

Was waren Ihre Dos and Don'ts?

Ich wollte auf keinen Fall, dass kindgerecht gleich kitschig und überladen bedeutet. Vielmehr wollte ich natürliche und warme Materialien integrieren: Der Boden ist aus Kautschuk, das Mobiliar aus Holz, dazu kommen ausgesuchte hängende Zimmerpflanzen. Die Akustikdecke spiegelt sich in einem Wandbild aus demselben Material wieder. Dazu wählten wir Bilder und Accessoires. Das Farbkonzept, bestehend aus vier Farben, und die Formen sind auch in unserem Logo wiederzufinden. Das habe ich übrigens gemeinsam mit meiner Tochter entworfen. Ein großer Spaß!

Außerdem sollte meine Praxis inklusiv sein. Jeder Patient ist willkommen und soll sich von Beginn an wohlfühlen. Auch Menschen mit Behinderung oder besonderem medizinischem Unterstützungsbedarf werden von uns betreut. Draußen neben dem Eingang steht eine Bank, die in Corona-Zeiten der Entzerrung im Wartezimmer galt, nun aber nach wie vor genutzt wird und zum Plausch einlädt.

Empfangstresen vorher

Behandlungszimmer vorher

Behandlungszimmer nachher

Empfangstresen nachher

Gab es etwas, das Sie überrascht hat?

Wir haben mitten in der Pandemie mit der Planung und dem Umbau begonnen. Frau Bepler, die Architektin, war einmal bei mir vor Ort, alles Weitere haben wir telefonisch und digital mit Fotos abgesprochen und organisiert. Auch die Koordination mit den Handwerkern hat trotz räumlicher Distanz super funktioniert. Von dem wunderbaren Endergebnis war ich begeistert.

Wie bewähren sich diese Aspekte im Praxisalltag?

Wirklich sehr gut. Sowohl bei meinen Mitarbeitern, die die durchdachte Praxisaufteilung schätzen, wie auch bei den Kindern und den Eltern, die sich hier gut aufgehoben fühlen. Die Resonanz ist durchweg positiv. Die Kinder sind abgelenkt und kommen entspannt zu mir ins Behandlungszimmer. Ich würde den Umbau jederzeit wieder so in Auftrag geben.

Das Gespräch führte Laura Langer

Was sind die Unterschiede zu Praxen für Erwachsene?

Das ist einerseits natürlich der angepasste Maßstab, der in die Planung einbezogen werden muss. Und dann geht es bei Kindern viel mehr ums Erleben. Ihre impulsiven Emotionen, die sie eher rauslassen und die oft völlig ungefiltert sind, sollen sie ausleben können. Spielerische Elemente tragen dazu bei, dass sich die Kinder ernst genommen, weil wahrgenommen fühlen. Das meine ich mit „abholen“. Die Raumgestaltung ist also viel sinnlicher ausgerichtet als bei Erwachsenen und kann viel dazu beitragen, dass der Besuch beim Zahnarzt erfolgreich wird.

Worauf achten die Eltern? Was ist ihnen wichtig?

Dass sie gut teilhaben können und das Gefühl, dass ihr Kind gut aufgehoben ist. Neben der professionellen medizinischen Versorgung achten Eltern auf den Umgang mit ihrem Kind insgesamt und das emotionale Abholen vor und während der Behandlung. Aber auch die Akustik in den Räumen ist für Eltern wichtig, ebenso wie ein praktischer und bequemer Sitz, damit sie Platz finden und die Behandlung angemessen begleiten können. Das bedenken wir natürlich auch.

„Oft heißt es: 'Ich will doch noch spielen'“

Dr. Susann Özel ließ die Praxis „Kinderlieb“ in Hamburg so gestalten, dass Kinder sich hier nach Lust und Laune bewegen, ablenken oder entspannen können. Die Zahnarztwelt muss nämlich nicht direkt kalt und medizinisch sein. Die meisten kommen deshalb gerne wieder.

Was waren Ihre Wünsche, Vorstellungen und Ansprüche bei der Praxisgestaltung?

Dr. Susan Özel: Mein Wunsch war es, eine Kinderzahnarztpraxis entwerfen zu lassen, in der die Kinder sich wohlfühlen, zur Ruhe kommen und sich gern an den Besuch erinnern. In meiner Vorstellung sollte die Praxis so etwas wie ein „Safe Space“ für die Kinder sein. Der Anspruch war, ein ähnliches Wohlfühlgefühl bei den Kindern auszulösen, wie sie es empfinden, wenn sie beispielsweise in ihren bekannten Kindergarten gehen.

Dr. Susann Özel
www.zahnarztpraxis-kinderlieb.de

Was hat Ihnen das Architektenteam empfohlen?

Das Team von Baukind hat in erster Linie dazu geraten, die Praxis nach meinen persönlichen Vorstellungen bauen zu lassen. Das war für mich erst überraschend: Ich hatte mich ausführlich beispielsweise mit der Farbpsychologie beschäftigt und wollte, dass die Praxis in beruhigenden und entspannenden Farben gestaltet wird. Die Architektin bestand jedoch darauf, der Praxis meine persönliche Note zu geben, indem meine individuellen Lieblingsfarben zur Anwendung kommen. Ihr war es wichtig, dass man die Praxisinhaberin in den Räumen wiederfindet und die persönlichen Vorlieben des Menschen hinter der Praxis erfahren kann.

Fluransicht

Behandlungszimmer

Wartebereich

Wartebereich

Wie bewährt sich das Konzept?

Ich bekomme sehr viel positiven Zuspruch. Mein Eindruck ist, dass ein Großteil der Kinder gerne wieder zu uns kommt, weil sie sich beinahe schon heimisch bei uns fühlen. Manchmal haben wir sogar Schwierigkeiten dabei, die Kinder aus dem Wartezimmer zu bekommen, wenn ihr Termin beginnt. „Ich will doch noch spielen“, heißt es dann oft. Das ist also gelungen! (lacht)

Was freut Sie am meisten?

Mich begeistert, wie wir alle Sinne der Kinder mit dem Praxiskonzept ansprechen: Durch die fünf Hauptfarben wird das Visuelle der Kinder aktiviert. Wir haben beruhigende Entspannungsmusik im Wartezimmer, sodass auch auditiv den Kindern etwas geboten wird. Wir bemühen uns mit kleinen Tricks, dass die Praxis nicht nach Zahnarzt riecht, so dass die Kinder sich auch olfaktorisch wohlfühlen können. Tatsächlich wurde in der Decke das Geruchskonzept verbaut.

Allgemein ist mir weiterhin der Geruch sehr wichtig. Wir lüften regelmäßig die Räume, haben in allen Räumen Duftsprays für ein Frischegefühl. Wenn es einmal nicht gut riecht, liegen in allen Zimmern Streichhölzer aus, da bei der chemischen Reaktion des Verbrennens eines Streichholzes etwa typische „Windelgerüche“ beseitigt werden. Und wir haben Duftstecker für die Steckdosen, die für guten Geruch sorgen.

Durch die vielen verschiedenen Materialien und 3-D-Bauprojekte wird auch der taktile Sinn der Kinder angesprochen. Und last but not least dürfen die Kinder im Behandlungszimmer den Geschmack von Polierpaste und Fluoridierungsgel aussuchen, sodass sie gustatorisch das Gefühl bekommen, mitbestimmen zu dürfen.

Wie ist die Resonanz der Kinder und ihrer Eltern?

Von den meisten Kindern und auch den Eltern bekommen wir durchweg eine sehr positive Resonanz. Gerade Kinder, die nur typisch weiße, „cleane“ und damit kühle Arztpraxen kennen, haben bei uns das Gefühl, in eine ganz andere und zwar nicht-medizinische Welt einzutauchen. Die Eltern freuen sich vor allem darüber, dass – wenn es überhaupt zu Wartezeiten kommt – diese sehr kurzweilig sind durch die kindgerechte Gestaltung des von uns „Spielzimmer“ genannten Wartezimmers.

Das Gespräch führte Laura Langer.

Wie gestalten Sie eine etwas in die Jahre gekommene Praxis um?

Das kommt ganz auf das Budget an. Mit einem kleinen Budget kann man mit der Farbgestaltung, der Umgestaltung einiger Oberflächen, Leuchten und der Neugestaltung des Warteraums schon eine Menge machen. Wer ein größeres Budget zur Verfügung hat, der gestaltet die Kinderzahnarztpraxis nach einem spielerischen Konzept komplett neu.

Wie sieht Ihre Arbeit von der Planung bis zur Übergabe einer Praxis aus?

Zuerst kommt die Entwurfsphase mit der Erstellung eines sinnlichen Gestaltungskonzepts. Gibt es zum Beispiel schon einen Namen für die Praxis? Falls ja, sollte sich dieser in der Raumgestaltung wiederfinden. Auch Logos, Icons oder Schriftzüge entwerfen wir mit, gerne auf Kinderhöhe. Oder auch ganz spezielle Orte, zum Beispiel ein Zauberbaum wie bei Pippi Langstrumpf, in dem ein kleines Geschenk im Anschluss der Behandlung auf sie wartet.

Nach dieser Phase beginnt die klassische Architektenarbeit mit der Grundrissplanung: Wie viele Behandlungsräume soll es geben, wo ist das Labor, wo ist am Eingang Platz für Kinderwagen, wo gibt es Wartebereiche, vielleicht sogar mehrere und so weiter. Dann kommt die Detailplanung, sprich die Bauzeichnungen, die Auswahl aller Materialien etwa mit Akustikdecke, Leuchten, Bodenbelag. Gegebenenfalls muss ein Bauantrag gestellt werden. Es folgt die Abstimmung mit der Firma, die die technischen Einbauten wie Behandlungsstühle liefert. Dann folgt die Ausschreibung der Bauleistungen und schließlich beginnt die Bauphase.

Kinderzahnärzte in Deutschland

Grundsätzlich kann jeder Zahnarzt und jede Zahnärztin neben erwachsenen Patienten auch Kinder behandeln. Wer sich spezialisieren will, hat die Möglichkeit, sich nach dem Studium im Bereich Kinder- und Jugendzahnheilkunde fortzubilden. Nach erfolgreichem Abschluss gibt es eine entsprechende Zertifizierung. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) verlangt dafür zum Beispiel entweder ein abgeschlossenes Curriculum an der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) oder ein Äquivalent mit mindestens 150 Fortbildungspunkten anhand zertifizierter Fälle. Fortbildungen bieten auch die Landeszahnärztekammern an, die Europäische Akademie für zahnärztliche Fort- und Weiterbildung (eafz) oder das Philipp-Pfaff-Institut in Berlin und das Zahnmedizinische Fortbildungszentrum Stuttgart.

In Online- oder Präsenzschulungen und Curricula zur Kinderzahnmedizin wird gelehrt, auf die Bedürfnisse der kleinen Patienten einzugehen. Neben der kindgerechten Ausstattung der Praxen mit entsprechend angepasstem Mobiliar und Instrumenten, gelten Geduld und Empathie als die Schlüsselvoraussetzungen. Auch ZFA und Praxisteams können sich umfassend fortbilden.

Die DGKiZ hat aktuell 2.070 Mitglieder. Allerdings hat sich nicht jedes Mitglied zertifizieren lassen und nicht jedes zertifizierte Mitglied hat eine eigene Kinderzahnarztpraxis. Zum Teil sind die zertifizierten Kolleginnen und Kollegen in einer Familienpraxis, die nicht als reine Kinderpraxis auftritt, dort für die Kinderbehandlung zuständig.

In den Metropolen gibt es viele und auch große Kinderzahnarztpraxen mit zahlreichen angestellten Zahnärzten. Hier habe sich das Prinzip der MVZ ziemlich durchgesetzt, berichtet Dr. Isabell von Gymnich, Vizepräsidentin der DGKiZ. Auf dem Land hingegen sind diese spezialisierten Praxen eher noch unterrepräsentiert. 1999 waren in ganz Deutschland maximal fünf Kinderzahnarztpraxen zu finden (abseits der Lehrstühle für Kinderzahnmedizin an den Universitäten). Heute gibt es allein in Regensburg Stadt fünf Kinderzahnarztpraxen, so die DGKiZ.

Wo mit dem Begriff „Kinderzahnarzt“ oder „Kinderzahnarztpraxis“ geworben wird, muss auch tatsächlich ein Kinderzahnarzt mit seinen Fähigkeiten bereitstehen. Das haben verschiedene Urteile in den vergangenen Jahren klargestellt, andernfalls handelt es sich um Irreführung.

Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) hatte 2012 eine bundesweite Befragungsstudie zum Thema „Erfahrungen, Probleme und Einschätzungen niedergelassener Zahnärzte bei der Behandlung jüngerer Kinder“ [Kettler, N., Splieth, C., IDZ, 2013] erstellt. Deutlich wurde, dass die Versorgung kleinerer Kinder eine besondere Herausforderung darstellt – vor allem wenn es um die Einbindung der Eltern und das geeignete gesundheitspädagogische Setting bei der Prophylaxeansprache geht. Die Zusammenarbeit mit Pädiatern, Lehrern und Kindergärtnerinnen werde von den Zahnärzten mehrheitlich gesucht und als sehr hilfreich empfunden.

Was zeichnet Ihr „Lieblingsprojekt“ aus?

Wenn wir vertrauen von unseren Kunden entgegengebracht bekommen und wir vom Logo bis zum Spielzeug im Wartezimmer alles vorschlagen und aussuchen dürfen, dann werden Projekte besonders stark und rund. In der Kinderzahnarztpraxis „Kinderlieb“ in Hamburg durften wir zum Beispiel eine Sound-Höhle bauen und den oben erwähnten Geschenkebaum. Das hat nicht nur den Kindern später, sondern auch uns richtig Spaß gemacht.

Das Gespräch führte Laura Langer.

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