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„Bausteine Zukunft“ zum Aufbau von Hilfsstrukturen in Indien

Multiplikatoren vor Ort sind der Schlüssel

Tilman Wagner
Vor gut zehn Jahren eröffneten wir eine kleine Zahnstation in einer sehr armen Region Indiens. Wir hofften, mit unserer Arbeit einige zentrale Impulse für die Versorgung und Prävention geben zu können. Erst dann merkten wir, wie wichtig regionale Multiplikatoren sind.

Erstmals 2015 wurde ich vom Trägerverein „Kinderheim Nethanja Narsapur“ in den indischen Bundesstaat Andhra Pradesh eingeladen, um in einer armen Region zahnärztlich zu behandeln. Die meisten Menschen dort können sich keine Therapien leisten. Die Klinikleitung des Emmanuel-Hospitals in der kleinen Ortschaft Kondolaagraharam richtete eine Zahnstation ein. Diese eröffnete ich damals gemeinsam mit einer indischen Kollegin und einer Assistentin aus Deutschland.

Der Patientenandrang war von Beginn an enorm. Wir entfernten tief zerstörte, schmerzende Zähne, führten aber auch Schuluntersuchungen und erste Prophylaxe-Schulungen durch. Daraus ergaben sich auch einige Füllungstherapien bei Kindern und Jugendlichen. Ein strategisch wichtiger Schritt war die kurzfristige Qualifizierung der Krankenschwesternschülerinnen zu zahnärztlichen Assistenzkräften, um die indische Kollegin vor Ort zu entlasten. Nach unserer intensiven Arbeit kehrten wir mit der Hoffnung zurück, nachhaltige Impulse für eine bessere zahnärztliche Versorgung gesetzt zu haben.

Doch der junge indische Kollege, der die Arbeit in der Zahnstation fortsetzen sollte, war leider nur begrenzt engagiert. Deshalb reiste ich 2024 erneut nach Indien, um die begonnene Behandlungsstrategie zu begleiten. Nachdenklich stimmte uns dabei, dass außerhalb unserer Einsätze nur sehr begrenzt behandelt wurde.

Tatsächlich gibt es bereits ideale Partner vor Ort

Die Eindrücke bei den Reihenuntersuchungen der Kinder während dieses Einsatzes brachten mich zu einem Strategiewechsel. Als ehemaliger Jugendzahnarzt stellte ich mir die Frage: Wäre es nicht zielführender, ein nachhaltiges Gruppenprophylaxe-Programm zu etablieren – vorausgesetzt, geeignete lokale Strukturen wären vorhanden? Tatsächlich existierten diese Strukturen bereits: In der Region waren über viele Jahre zahlreiche Einrichtungen wie Kinderheime, Schulen, Kitas, Krankenhäuser sowie Schwesternschulen mit insgesamt 320 Schülerinnen aufgebaut worden. Darüber hinaus übernehmen viele Pastoren zahlreicher Kirchengemeinden im großen Einzugsbereich zusätzliche Aufgaben als Sozialarbeiter und Dorfhelfer. Dieses Netzwerk wird durch Gesundheitsstationen in den Dörfern ergänzt. Diese werden von Ärzten und ausgebildeten Krankenschwestern betreut.

All diese Akteure bieten ein enormes Potenzial als Multiplikatoren und Motivatoren für präventive Maßnahmen. Ideale Partner also, um die zahnmedizinische Prävention insbesondere bei den Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren langfristig und wirksam zu verankern.

Gemeinsam mit einer Zahnmedizinischen Prophylaxeassistentin reiste ich 2025 mit kultur- und altersgerechten Präsentationen und Videos, teilweise mit Untertiteln in der Sprache Telugu, wieder nach Indien. Im Gepäck hatten wir Zahnbürsten und -pasta, die vom Verein für Zahnhygiene bereitgestellt worden waren, sowie wertvolle Unterlagen und Materialien von der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) sowie vom Kollegen Dr. Joachim Kauffmann, Kernen. An dieser Stelle möchten wir uns im Namen des Vereins „Bausteine Zukunft“ für die Unterstützung bedanken!

Auch dieses Mal wurden wir in Visakhapatnam und an allen anderen Einsatzorten mit großer Herzlichkeit und Wertschätzung empfangen. Besonders erfreulich war, dass wir an verschiedenen Orten auf Zahnärztinnen und Zahnärzte trafen. Sie unterstützten uns nicht nur, sondern zwei von ihnen waren sogar bereit, sich langfristig für das Programm zu engagieren. Sie erklärten, dass sie neben ihrer zahnärztlichen Tätigkeit Schulungen anbieten und in ihrem Umfeld Erfolgskontrollen sicherstellen möchten.

Prophylaxe-Unterweisungen als erster Erfolg

Im Rahmen der „Dental Awareness Camps“ konnten wir verschiedene Zielgruppen ansprechen. Dabei waren die Multiplikatoren eine zentrale Hilfe. So ist es uns beispielsweise gelungen, eine große Gruppe von Krankenschwesternschülerinnen in höheren Semestern zu motivieren, eigenständig Prophylaxe-Unterweisungen durchzuführen. Mit großem Engagement und viel Spaß vermittelten sie Kindern und Jugendlichen die wichtigsten häuslichen Maßnahmen zur Vorbeugung von Zahnerkrankungen auf altersgerechte Weise.

Viele Familien können sich Zahnbürsten, fluoridierte Zahnpasta oder zahnärztliche Behandlungen nicht leisten. Zahngesundheit bleibt für große Teile der Bevölkerung daher ein rein theoretisches Konzept. In der Regel wird ein Zahndefekt so lange ignoriert, bis er unerträgliche Schmerzen verursacht oder Komplikationen nach sich zieht – häufig mit Zahnverlust als Folge.

Gerade deshalb ist die Bereitstellung von Zahnpflegeartikeln sowie die praxisorientierte Schulung ihrer Anwendung ein zentraler Baustein für die nachhaltige Förderung der Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dies zeigt, wie gezielte Präventionsmaßnahmen sofort Wirkung erzielen können.

So können Sie unsere Arbeit unterstützen

Bausteine Zukunft e.V.
IBAN: DE89 6035 0130 0001 1573 09
BIC/SWIFT: BBKRDE6BXXX

Verwendungszweck: Spende für Zahnprophylaxeprogramm in Andhra Pradesh

Unser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich ausschließlich über Geld- und Sachspenden.

Um die Nachhaltigkeit des Programms zu sichern, muss zunächst auch eine regelmäßige Bereitstellung von Zahnbürsten und -pasta gewährleistet sein. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte vor Ort können die benötigten Mengen deutlich günstiger beschaffen als Familien oder Kinderheime.

Deshalb unsere Bitte: Unterstützen Sie uns dabei, die regelmäßige Versorgung mit Zahnpflegeartikeln im Rahmen unseres Prophylaxeprogramms sicherzustellen und die präventive Arbeit vor Ort kontinuierlich fortzuführen. Jede Hilfe trägt dazu bei, die Mundgesundheit der Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Die hohe Motivation und die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler stimmen uns wieder optimistisch für die Zukunft.

Dr. med. dent. Tilman Wagner

stellv. Vorsitzender
Bausteine Zukunft e.V.
Bausteine Zukunft e.V.

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