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MRT in der Zahnmedizin

Eine Revolution in der Diagnostik

Lars Bonitz
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Stefan Haßfeld
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Ákos Bicsák
Die neueste MRT-Technologie hat das Potenzial, die Diagnostik in der Zahnmedizin signifikant zu verbessern. Die Strahlenfreiheit bietet die Möglichkeit unbegrenzter Verlaufsaufnahmen im Kontext von Behandlung und Monitoring – ein enormer Vorteil. Denn der tiefe Einblick ins Weichgewebe bringt neue diagnostische Informationen.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist ein seit Jahrzehnten etabliertes bildgebendes Verfahren in der Medizin. In der Zahnmedizin wurde sie bislang vergleichsweise zurückhaltend eingesetzt – primär wegen der hohen Kosten, der längeren Untersuchungszeiten und der geringeren Eignung für die Darstellung knöcherner und mineralisierter Strukturen. Aber Fortschritte in der KI-gestützten Bildverarbeitung und der Sensorik haben die Entwicklung von MRT-Niedrigfeldgeräten möglich gemacht, die mit erheblich geringerem apparativem Aufwand – und somit vergleichsweise effizienter als bisher – arbeiten können.

So stellte die Firma Siemens Healthineers im Juni 2024 gemeinsam mit dem Dentalpartner Dentsply Sirona das weltweit erste speziell für die Zahnmedizin entwickelte „dental dedizierte MRT“ (ddMRT) vor: das MAGNETOM Free.Max Dental Edition. Im Zentrum der Neuentwicklung steht eine von den Herstellern entwickelte Empfangsspule, die dicht an den dentofazialen Bereich des Patienten herangeführt werden kann und als hochempfindliches Empfangsgerät für die Magnetresonanzsignale aus dem Gewebe dient. Die ansonsten mit dem für medizinische Anwendungen vertriebenen Niedrigfeld-MRT-Gerät MAGNETOM Free.Max baugleiche Dentalversion ermöglicht in Kombination mit der dental dedizierten Empfangsspule einen unkomplizierten und weitgehend automatisierten MRT-Scan der zahnmedizinisch interessanten Areale. Das Procedere dauert je nach den gewählten Untersuchungssequenzen etwa 10 bis 20 Minuten.

Mit dem standardisierten Scan-Vorgang, der Verfügbarkeit spezieller, auf dentale Fragestellungen optimierter Untersuchungssequenzen und dem Einsatz eines MRT-Geräts mit im Vergleich zur vorherigen Generation stark reduzierten Anschaffungs- und Betriebskosten steht damit heute ein Technologiepaket zur Verfügung, das – beispielsweise über Universitätskliniken und Diagnostikzentren – die MRT für viele dentale Anwendungsbereiche zugänglich macht.

„Dentales MRT“ versus „ddMRT“?

Dass die MRT-Technologie zunehmend für die Zahnmedizin interessant wird, zeigen auch aktuelle Angebote auf dem Gesundheitsmarkt. So bieten viele Radiologen und Praxen bereits eine Diagnostik mit einem „dentalen MRT“ an. Diese Angebote basieren fast ausschließlich auf der Verwendung von herkömmlichen, für den medizinischen Bereich entwickelten MRT-Geräten. Diese Geräte liefern zwar für zahlreiche dentale Fragestellungen hilfreiche Informationen, sollten aber nicht mit einem sowohl hardware- als auch softwareseitig speziell für die Beantwortung zahnmedizinischer Fragestellungen entwickelten „dentalen MRT“-Gerät gleichgesetzt werden.

Aktuell bietet die Firma Siemens Healthineers als einziger Hersteller weltweit ein solches auf dentale­ Fragestellungen spezialisiertes MRT-Gerät an. Um Verwechslungen vorzubeugen, bezeichnet der Hersteller sein Gerät als „dental dediziertes MRT“ (ddMRT, engl. ddMRI). Das Gerät MAGNETOM Free.Max Dental Edition verfügt in Ergänzung zu den etablierten klinischen MRTs über eine speziell entwickelte dentale Empfangsspule, neuartige Messtechniken und Rekonstruktionsverfahren sowie über standardisierte Workflows, die die wichtigsten zahnmedizinischen Fragestellungen adressieren, und spezielle Erweiterungen der Software, die eine einfache Bedienung und eine Eingrenzung des Bildgebungsvolumens auf den dentomaxillofazialen Bereich unterstützen. KI-Algorithmen zur Bildrekonstruktion („Deep Resolve Boost“) und beschleunigte Messverfahren („Compressed Sensing“) ermöglichen kürzere Untersuchungszeiten. Damit ist die MAGNETOM Free.Max Dental Edition die technologisch am weitesten fortgeschrittene MRT-Bildgebung für die zahnmedizinische Diagnostik.

Hinzu kommt, dass die MRT zwei wichtige Vorteile gegenüber den röntgenbasierten Verfahren bietet: Zum einen arbeitet sie ohne ionisierende Strahlung – damit entfallen die Limitierungen der Anwendung aus Strahlenschutzgründen, beliebig viele Verlaufskontrollen werden möglich. Zum anderen liefert die MRT eine exzellente Weichteilkontrastierung. Für zahlreiche Fragestellungen in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde – etwa im Bereich der Tumor- und Kiefergelenksdiagnostik – besitzt das MRT bereits eine dominante Stellung, zudem gewinnt es in weiteren Bereichen zunehmend an Bedeutung.

Wie unterscheiden sich Röntgen und MRT?

Beim Röntgen wird das untersuchte Areal durchleuchtet und die Bildgebung entsteht, indem die Energie des auf den Sensor auftreffenden Röntgenstrahls gemessen wird. Die Messung gibt darüber Aufschluss, wieviel Röntgenstrahlung im Gewebe absorbiert wurde und wie viel zum Sensor durchdringt. Während Hartgewebe wie Knochen und Zähne hohe Absorptionsraten aufweisen (erscheinen hell), lässt Weichgewebe wesentlich mehr Strahlung durch (erscheint dunkel).

Die MRT basiert auf einem völlig anderen Prinzip. Hier werden Hochfrequenzimpulse in das Untersuchungsareal gesendet und das Gewebe „antwortet“ mit einem spezifischen Signal. Dieses Signal wird mit Sensoren registriert und der Bildverarbeitung zugeführt. Der Mechanismus macht deutlich, dass die MRT eine vielfach höhere diagnostische Vielseitigkeit als das Röntgen zulässt: Das Gewebe kann mit unterschiedlichen Hochfrequenzimpulsen angesprochen werden, worauf jeweils differenzierte und spezifische Antwortsignale ausgewertet werden können.

Wie ein MRT-Bild entsteht – die Grundlagen

Der Kern, um den sich alles dreht

Der menschliche Körper besteht zu einem erheblichen Teil aus Wasser und Fett. In beiden steckt das chemische Element Wasserstoff mit einem Atomkern aus einem Proton. Damit befindet sich fast überall im menschlichen Gewebe eine sehr hohe Zahl von Wasserstoffprotonen. Genau das macht die Wasserstoffprotonen so wertvoll für die MRT: Sie sind überall, sie sind häufig und sie „antworten" auf Magnetfelder auf eine ganz besondere Weise.

Aber was ist ein Proton eigentlich? Das Proton ist zunächst einmal ein positiv geladenes Teilchen, doch zusätzlich besitzt es eine quantenmechanische Eigenschaft namens Spin. Den Spin kann man sich wie einen Drall vorstellen, wie einen winzigen Kreisel, der sich um seine eigene Achse dreht. Und dieser Drall macht jedes Proton zu einem kleinen Magneten.

Was das Magnetfeld bewirkt

Ohne äußeren Einfluss sind all diese­ Mini-Magnete völlig chaotisch im Gewebe angeordnet. Sie zeigen in alle möglichen Richtungen: Die Magnetfelder heben sich gegenseitig auf und das Gewebe wirkt nach außen hin völlig unmagnetisch. Legt man nun im MRT-Gerät ein Magnetfeld von außen an, können die Protonen zwei bevorzugte Zustände/Richtungen einnehmen: entweder „mit dem Feld“ (energieärmer) oder „gegen das Feld“ (energiereicher). Und jetzt passiert etwas Entscheidendes: Es gibt minimal mehr Protonen im energieärmeren Zustand. Dieser Überschuss richtet sich in Richtung des äußeren Magnetfeldes aus.

Bei einer Magnetfeldstärke von einem Tesla sind es nur wenige Protonen pro Million, die den energieärmeren Zustand einnehmen. Aber weil im Gewebe eine astronomische Zahl von Protonen steckt, wird aus „kaum messbar“ dann „eindeutig messbar“. Die MRT lebt von genau diesem Effekt: Sie nutzt ein extrem kleines Ungleichgewicht, das aber über Skalierung ein messbares Signal produziert.

Protonen stehen nie still

Hier funktioniert die MRT anders als jede andere Bildgebung. Die Protonen stehen nämlich nicht einfach still im Magnetfeld, sie präzedieren – ähnlich einem Spielzeugkreisel, der nicht umfällt, sondern um die Schwerkraftrichtung einen kleinen Kegel beschreibt. Genauso beschreiben die Protonen einen Kegel um die Richtung des ­Magnetfeldes.

Diese Präzessionsbewegung hat eine definierte Frequenz — die sogenannte Larmorfrequenz. Und sie hängt direkt von der Stärke des Magnetfeldes ab: je stärker das Feld, desto schneller die Präzession. Für Wasserstoff liegt sie im Bereich der Radiowellen, bei 1,0 Tesla etwa bei 42 MHz, bei 1,5 Tesla etwa bei 63 MHz. Im Ruhezustand präzedieren die Spins zwar alle, aber völlig unkoordiniert — ihre Phasen sind zufällig, sie „reden durcheinander“. Das Signal, das sie gemeinsam aussenden, ist null.

Mit dem MRT besser diagnostizieren und therapieren

Ein achtjähriger Patient stellte sich mit einer tastbaren Raumforderung regio 36 vestibulär und intermittierenden Schmerzen vor. Während im Röntgen nur unspezifische periapikale Strukturveränderungen zu sehen waren, zeigte das MRT gut sichtbar eine entzündliche Läsion, vereinbar mit einem intraossären Abszess. Differenzialdiagnostisch konnten ein Hämangiom oder ein Tumor ausgeschlossen werden. Postoperativ konnten dank der strahlenfreien Bildgebung Verlaufsaufnahmen angefertigt werden – so ließ sich ein Rezidiv ausschließen.

Abb. 1: Panoramaschichtaufnahme mit kaum sichtbarer Läsion mit unspezifischer periapikaler Strukturveränderung an Zahn 36 im altersentsprechenden Wechselgebiss