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Im Einsatz für die Projekthilfe Gambia

Eine niedrigschwellige Versorgung ist hier unerlässlich!

Die zahnmedizinische Versorgung in Gambia ist, vor allem in den ländlichen Regionen, äußerst begrenzt. In den größeren Städten findet man vereinzelt Kliniken oder Praxen, doch außerhalb der urbanen Zentren gibt es praktisch keine Zahnärzte. Mein Einsatz fand im abgelegenen Dorf Jahaly statt, weit ab von städtischer Infrastruktur.

In den Dörfern gibt es meist nur ­klinisches Personal ohne zahnmedizinische Zusatzausbildung. Die dentalen Gesundheitshelferinnen und -helfer können einfache Extraktionen durchführen oder die Basisaufklärung leisten, aber keine umfassende Zahnbehandlung. In Jahaly ist das nächste Krankenhaus oder die nächste zahnärztliche Praxis nur mit dem Auto über unbefestigte Straßen erreichbar, die bei Regen kaum passierbar sind. Für die Menschen hier bedeutet eine zahnärztliche Versorgung oft einen Tagesmarsch oder eine teure Autofahrt, die nur selten möglich ist.

Zuletzt kam ein Zahnarzt vor zwei Jahren ins Dorf

Zahnärzte waren im Rahmen des Projekts der Organisation Projekthilfe Gambia e. V. zuletzt vor zwei Jahren in Jahaly im Einsatz. Seitdem hat sich der Bedarf zugespitzt: Viele akute Fälle­ ­haben sich verschlimmert, kariöse Zähne sind unbehandelt geblieben, Abszesse und Schmerzen haben zugenommen. Die Bevölkerung dort wartet dringend auf zahnmedizinische Hilfe.

Neben dem „Health Centre“ befinden sich auf dem Projektgelände auch eine „Dental Unit“ und ein Kindergarten. Die „Dental Unit“ besteht aus zwei gefliesten Räumen mit einem nicht motorisierten Behandlungsstuhl ohne Absauganlage. Die Arbeit dort findet unter einfachen hygienischen Bedingungen statt.

Dennoch konnten wir täglich Dutzende­ Extraktionen durchführen, ­akute Schmerzen lindern und vor allem Aufklärungsarbeit leisten. Mir war besonders die Prophylaxe wichtig: Mit einfachen Demonstrationen zur Zahnhygiene, Fluoridanwendungen bei Kindern und Gesprächen über Ernährung konnten wir nachhaltige Impulse ­setzen.

Ohne das Klinikpersonal wäre der Einsatz nicht möglich

Bereits vor meinem Zahnmedizinstudium habe ich mich in Gambia ehrenamtlich engagiert. Im Jahr 2013 verbrachte ich als Krankenschwester fünf Monate im „Health Centre“ in Jahaly. Diese Zeit hat mich fachlich und menschlich stark geprägt – seitdem fühle ich mich mit Afrika verbunden. Auch im und nach dem Zahnmedizinstudium absolvierte ich weitere Auslandseinsätze in Uganda, Kenia, auf Madagaskar und erneut in Gambia. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig eine niedrigschwellige medizinische Versorgung ist.

Im Januar dieses Jahres bin ich dann allein nach Gambia geflogen. Vor Ort wurde ich vom engagierten Klinikpersonal tatkräftig unterstützt – sei es bei der Patientenbetreuung, bei Übersetzungen, beim Assistieren oder bei der Dokumentation der Behandlungen. Diese Zusammenarbeit war unbezahlbar und hat meinen Einsatz erst möglich gemacht. Im Vorfeld hatte ich intensiv Materialspenden gesammelt: Instrumente, Einmalartikel wie Handschuhe und Masken, Lokalanästhetika und vieles mehr. Vor Ort konnte ich die Spenden sehr gut gebrauchen, denn gerade in abgelegenen Regionen fehlt es an jeglicher zahnmedizinischen Ausstattung.

Meine kleine Mundgesundheitsstudie

Ein weiterer Schwerpunkt meines Einsatzes war die zahnmedizinische Datenerhebung in einem Kindergarten in Jahaly. Das Ziel bestand darin, den Mundgesundheitszustand und den zahnärztlichen Versorgungsgrad der lokalen Bevölkerung im Kindesalter erstmals systematisch zu erfassen. Der Fokus lag dabei auf den Kindergartenkindern, da sie eine besonders schutzbedürftige Gruppe darstellen.

Der Kindergarten ist in drei Stufen (Level I–III) mit jeweils zwei Klassen gegliedert. Zum Zeitpunkt der Untersuchung besuchten 248 Kinder die Einrichtung. An der zahnmedizinisch-klinischen Untersuchung nahmen 222 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren teil, was einer Quote von rund 90 Prozent entspricht. Zur Beurteilung der Mundgesundheit verwendete ich den dmft-Index. Untersucht wurden also ausschließlich Milchzähne.

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Kariesbelastung bereits im Vorschulalter. Mit zunehmendem Alter stieg der dmft-Wert an, während der Anteil kariesfreier Kinder deutlich abnahm. Im Vergleich zur Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) lag der dmft-Wert der vier- bis sechsjährigen Kinder in Jahaly mit 4,0 (zwei bis vier betroffene Milchzähne) erwartungsgemäß deutlich über dem von Kindern in Deutschland im Alter von acht bis neun Jahren (dmft 1,3), von denen 60 Prozent kariesfrei sind. Zusammenfassend zeigt die Erhebung, dass Karies bei den untersuchten Kindern in Jahaly früher auftritt, stärker ausgeprägt ist und vielfach unbehandelt bleibt. Diese Daten können die Grundlage für gezielte präventive Programme, frühzeitige Aufklärung und therapeutische Maßnahmen bilden, um die zahnmedizinische Versorgung der Kinder zu verbessern.

Ein schmerzfreies Lächeln ist hier so viel mehr

Was mich immer wieder berührt, ist die unglaubliche Dankbarkeit der Menschen. Ein schmerzfreies Lächeln bedeutet hier so viel mehr als nur ­einen medizinischen Erfolg. Dieser Einsatz hat mir erneut gezeigt, warum ich Zahnärztin geworden bin. Es geht nicht nur um Füllungen oder Extraktionen, sondern darum, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder ­ihren finanziellen Möglichkeiten zu helfen. Gambia wird für mich immer ein besonderer Ort bleiben. Hier begann meine Reise nach Afrika und ich bin mir sicher, dass es nicht mein ­letzter Einsatz dort gewesen sein wird.

Der gemeinnützige Verein Projekthilfe Gambia e.V. engagiert sich seit vielen Jahren für die medizinische Versorgung in Jahaly, Gambia, wo ärztliche und zahnärztliche Hilfe kaum verfügbar ist. Für kommende Einsätze suchen wir ehrenamtliche Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Spenden – insbesondere zahnmedizinische Materialien oder finanzielle Unterstützung.

Projekthilfe Gambia e.V.
Dahlhauserstr. 6, 45529 Hattingen
E-Mail: info@buschklinik.de oder vorstand@buschklinik.de
Website: buschklinik.de

Zurück in Gambia für den Verein Projekthilfe Gambia e.V.

Dr. med. dent. Luca Thomas

Zahnärztin,
Zahnarztpraxis Oppspring,
Mülheim

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