Diese Powerfrau weiß, wofür ihre Praxis steht!
Selbstständigkeit war für Heinrich lange eine diffuse Idee. In ihrer Anstellung konnte sie früh mitgestalten, übernahm Managementaufgaben, baute Strukturen mit auf. So wuchs sie aus der Angestelltenrolle heraus. Es gab keinen dramatischen Wendepunkt, aber irgendwann dachte sie: „Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Irgendwann muss man entscheiden, ob man es wirklich will.” Dass dieser Moment ausgerechnet in einer Lebensphase kam, in der Familie und Beruf ohnehin Organisationskunst verlangten, gehört im Nachhinein zur Dramaturgie dieser Gründung.
Für die betriebswirtschaftliche Planung und die Praxissuche wandte sich Heinrich an ihren Finanzberater Rico Uhlig von der Deutschen Ärzte Finanz (DÄF), mit dem sie bereits seit vielen Jahren in Kontakt stand. Kurz vor Weihnachten 2024 erteilte sie den Auftrag – und wenige Tage später lag ein konkretes Objekt auf dem Tisch. Drei Monate später war Friederike Heinrich Praxisinhaberin – so schnell kann es manchmal gehen!
Die Standortwahl war für Heinrich eng mit ihrer eigenen Biografie verbunden. Ihr Wunsch war es, in der Nähe ihres Heimatorts im Berliner Umland zu leben und zu arbeiten, wo sie familiär verwurzelt ist. Da sich dort jedoch keine geeignete Praxis zur Übernahme fand und ein Neubau zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, fiel die Entscheidung auf Berlin-Pankow – eine pragmatische Wahl, die sich schnell als die richtige erwies. Der Bezirk bietet ideale Voraussetzungen: Zahlreiche Familien, viele Kitas und Schulen sowie eine gut situierte Nachbarschaft bilden die Zielgruppe. Ergänzt wird das Umfeld durch eine Physiotherapiepraxis, einen Kinderarzt und weitere familienorientierte Angebote wie Kinder-Yoga.
Eine Studienfreundin ist jetzt bei ihr angestellt
Auch das Naming passt dazu. Heinrich wünschte sich einen Praxisnamen, der nicht an ihre Person geknüpft ist. Denn „Dentelle Berlin“ ist kein Einzelkämpferprojekt: Für die allgemeine Zahnheilkunde ist Nelli Birkholz als angestellte Zahnärztin an Bord. Die Freundin aus Studientagen war zum richtigen Zeitpunkt auf Stellensuche. „Das hat super gepasst!”
Heinrich selbst behandelt in erster Linie Kinder – mit besonderem Fokus auf ganzheitlicher Zahnmedizin und Zungenbandverkürzungen. Mit dem KFO-Master bietet sie auch kieferorthopädische Behandlungen an. Die Aufgabenteilung ist klar, das Konzept trägt einen Namen, hinter dem beide Zahnärztinnen stehen können.
„Kinder, Eltern, Geschwister – das ist im Alltag die Realität. Und die Praxis soll das abbilden.”
Friederike Heinrich
Schon im Studium zog es Heinrich in Richtung KFO. In der Assistenzzeit merkte sie, dass ihr der Umgang mit Kindern liegt. „Kinder sind direkt. Sie lassen sich gut durch eine Behandlung leiten, wenn das Vertrauen da ist“, berichtet Heinrich. „Später kam dann meine eigene Erfahrung als dreifache Mutter hinzu.“
In der alten Praxis, die ausschließlich auf Kinder spezialisiert war, hatte sie erlebt, dass Kinder und Erwachsene gleichermaßen gut auf das Konzept ansprachen, dort aber nicht gemeinsam behandelt werden konnten. Genau das wollte sie anders machen.
Mit der Übernahme zum 1. April 2025 ging Dentelle Berlin sofort in Betrieb: In einem Interimsraum behandelte Heinrich weiter, während der Rest der Praxis zur Baustelle wurde. Geplant waren sechs Monate. Geworden sind es neun. „Man unterschätzt, wie viele Entscheidungen auf einen zukommen. Oft entscheiden scheinbare Kleinigkeiten darüber, ob der Betrieb läuft”, sagt Heinrich. Seit Januar 2026 arbeitet das Team endlich in den fertigen Räumen.
Natürlich gab es kleine Katastrophen
Zu den kleinen Katastrophen zählten ein neues Röntgengerät und eine Klimaanlage, für deren Installation Boden und Decke gleich mehrfach aufgerissen werden mussten, bis alles passte. Dass die Praxis trotz allem nicht in Schieflage geriet, war kein Zufall. Rico Uhlig hatte von Anfang an dazu geraten, den Interimsraum einzuplanen, um den Betrieb auch während des Umbaus aufrechtzuerhalten. „Das ist oft der Unterschied zwischen anstrengend und wirtschaftlich gefährlich”, so der Experte.
Dentelle Berlin soll nicht nach Zahnarzt aussehen. Das war Heinrichs Bedingung: keine grellen Farben, kein durchgehendes Weiß, kein klinisches Einheitsdesign. Stattdessen: Pastelltöne, eine Blumentapete, Industrieelemente und fünf Behandlungszimmer, die alle individuelle Akzente setzen. Die Atmosphäre soll einladend sein – für Kinder genauso wie für Erwachsene, die beim Zahnarzt nur schwer entspannen können.
„Dentelle“ – mit Spitze und Eleganz
Naming, Logo, Geschäftsausstattung, Beschilderung und Folierung hat Heinrich gemeinsam mit der Frankfurter Praxismarketing-Agentur m2c entwickelt. Der Praxisname Dentelle ist mehr als ein femininer Touch: Das französische Wort für „Spitze” steht zugleich für Eleganz, Präzision und Raffinesse – aber auch für handwerklichen Anspruch und eine Tradition mit klarer Handschrift. Logo, Farbwelt und Typografie finden sich auf Visitenkarten, dem Briefpapier und der Pre-Website wieder.
Für die Kinder gibt es eine eigene Kommunikation: Sie erhalten nach der Behandlung einen Brief von der Zahnfee, eine Tapferkeitsurkunde oder ein Zahnputzzeugnis. Materialien, die Kinder stolz machen und motivieren.
How to: Familienpraxis mit Profil
Konzept vor Gestaltung. Erst klären, für wen die Praxis da ist und was sie kann – dann gestalten. Das Corporate Design ist ein Kompass, nicht der Ausgangspunkt.
Teamrollen klar definieren. Wer behandelt wen? Klare Zuständigkeiten schaffen Orientierung – für die Patienten und für das Team.
Räume als Teil des Angebots denken. Design ist kein Luxus, sondern Teil der Patientenerfahrung. Wer Vertrauen aufbauen will, fängt im Wartezimmer an.
Kinderkommunikation mit System. Brief, Urkunde, Zeugnis: Kleine Rituale mit großer Wirkung stärken die Bindung.
Umbau mit Puffer planen. Aus sechs Monaten werden neun. Wer Verzögerungen von Anfang an einkalkuliert – räumlich und finanziell –, bleibt handlungsfähig.
Eine vollumfängliche Website soll in Kürze online gehen, unterstützt durch Suchmaschinenwerbung und eine Neuauflage des Praxisflyers. Ihren Instagram-Kanal will Heinrich weiterhin selbst bespielen – nun aber regelmäßiger.
„Die Wirtschaftlichkeit muss beim Umbau ständig mitgedacht werden.”
Herr Uhlig, Sie haben Frau Heinrich von der Praxissuche bis zur Eröffnung begleitet. Wie verlief die Zusammenarbeit?
Rico Uhlig: „Ich kenne Frau Heinrich schon aus ihrer Zeit als angestellte Zahnärztin. Neben einer klaren Vision hat sie die Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen. Viele Mandanten brauchen zunächst Sicherheit und Orientierung, bevor sie den Schritt wagen. Bei ihr stand die Richtung. Unsere Aufgabe war es, die Wirtschaftlichkeit darum herumzubauen.”
Wie verlief die Praxissuche?
„Ungewöhnlich schnell. Sie wusste genau, was sie wollte, und für dieses Konzept mussten die richtigen Räume gefunden werden. Kurz vor Weihnachten haben wir angefangen zu suchen, wenige Tage später lag das Objekt auf dem Tisch. Ein Volltreffer auf Anhieb – das gelingt, wenn man Mandanten gut kennt.”
Was war die größte Herausforderung?
„Das Budget einzuordnen. Nicht als Bremse, sondern als Orientierung: Was kostet welcher Wunsch, was ist wirklich notwendig, was kann warten? Wenn Umbau, Technik, Marketing und Design gleichzeitig anlaufen, muss Wirtschaftlichkeit ständig mitgedacht werden.”
Fazit: Dentelle Berlin ist kein schnell aufgehübschtes Übernahmeprojekt, sondern eine unverwechselbare Praxis mit ganz eigenem Konzept. Wer in einem gesättigten Markt sichtbar sein will, muss wissen, wofür er steht – und das konsequent nach außen tragen.









