RKI bittet um erhöhte Wachsamkeit

Affenpocken breiten sich oft ausgehend vom Gesicht aus

mg
Gesellschaft
Nach mehreren Fällen von Affenpocken in Großbritannien, Spanien und Portugal skizziert das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Epidemiologischen Bulletin Symptome der Zoonose und bittet um erhöhte Wachsamkeit.

Anfang Mai 2022 wurde in Großbritannien ein Fall von Affenpocken diagnostiziert, der nach einem Urlaub in Nigeria aufgetreten war. Seither wurden sechs weitere Fälle von Affenpocken im Vereinigten Königreich bei Personen ohne vorherige Reisen und ohne Kontakt zu bekannten reiseassoziierten Fällen dokumentiert, schreibt das RKI und beruft sich auf Informationen der Gesund­heitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA).

Dabei handele es sich um zwei Fälle in einer Familie sowie um vier Fälle bei Männern, die Sex mit Männern hatten (MSM). Letztere haben sich offenbar in London infiziert. Außer in der Familie und bei zwei der MSM-Fälle seien keine Verbindungen der Fälle untereinander bekannt. Wie verschiedene Medien berichten, sind mittlerweile auch in Spanien und Portugal Fälle sowie ein Fall in den USA re­gistriert worden. In Kanada untersuchen Gesundheitsbehörden laut örtlichen Medien rund ein Dutzend Verdachtsfälle. 

Ausschlag ähnelt Windpocken und startet oft im Gesicht

Affenpocken sind eine durch Affenpockenviren verursachte Erkrankung. Klinisch äußert sie sich vor allem durch Fieber, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost, Erschöpfung, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie durch Hauteffloreszenzen, die simultan die Stadien Macula, Papula, Vesicula und Pustula durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen, melden RKI und UKHSA. Der Ausschlag breitet sich dabei oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln, heißt es.

Folgen einer überstandenen Infektion sind laut RKI Narbenbildung und selten auch Erblindung. Die Krankheit verläuft in der Regel milder als die klassischen Pocken (Variola-Virusinfektion), aber gerade bei sehr jungen und/oder immungeschwächten Patienten sind demzufolge gerade in Endemiegebieten auch schwere Verläufe und Todesfälle möglich.

Eine mögliche Therapieoption, vor allem für immungeschwächte Patienten, ist laut RKI seit Januar 2022 auch in der Europäischen Union zugelassen, bisher aber nicht breit verfügbar. Reservoirtiere in afrikanischen Endemiegebieten sind nicht Affen, sondern vermutlich Nagetiere. Infektionen können nach Angaben des RKI durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden. In den USA gab es etwa 2003 einen Ausbruch durch als Haustiere gehaltene Präriehunde, die sich vor ihrem Verkauf durch Kontakt mit Nagetieren aus Afrika infiziert hatten.

Übertragung in der Krankenversorgung ist möglich

Mensch-zu-Mensch-Übertragungen durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Krusten mit limitierten Infektionsketten von bis zu sechs Personen sind beschrieben, zum Beispiel im Rahmen der Krankenversorgung. Auch die sexuelle Übertragung von Pockenviren ist möglich (für Vacciniavirus beschrieben).

Das Problem: Weite Teile der Weltbevölkerung haben nach RKI-Angaben mittlerweile keinen durch die früheren Pockenschutzimpfungen vermittelten Impfschutz mehr. In Nigeria werden darum seit 2017 vermehrt Affenpockeninfektionen beim Menschen diagnostiziert sowie reiseassoziierte Infektionen bei Nigeria-Rückkehrenden vor allem im Vereinigten Königreich.

Bei einem verdächtigen klinischen Bild sollte insbesondere bei Reiserückkehrenden aus (West-)Afrika eine Affenpockeninfektion in Betracht gezogen werden, rät das RKI. Und: Angesichts der autochthonen Übertragungen in Großbritannien sollten Affenpocken auch bei Personen ohne bekannte Reiseanamnese mit unklaren pockenähnlichen Effloreszenzen (in Abgrenzung von Windpocken) in die erweiterten differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.