Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Steigende Unfallzahlen mit E-Scootern

DGMKG warnt vor schweren Gesichtsverletzungen

Nach E-Scooter-Unfällen sind nicht selten auch invasive zahnärztliche Behandlungen notwendig, wie beispielsweise Implantatversorgungen. Mariia - stock.adobe.com (generiert mit KI)
br
Zahnmedizin
  •  
Rund 40 Prozent der Verletzungen bei E-Scooter-Unfällen betreffen den Kopf- und Gesichtsbereich – und die Zahlen der Unfälle steigen. Darauf macht jetzt die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) aufmerksam und empfiehlt mehr Prävention.

Die Zahl schwerer Unfälle mit E-Scootern steigt erheblich an. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden – ein Anstieg von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig sind Verletzungen im Kopf- und Gesichtsbereich. Die DGMKG weist darauf hin, dass vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind, und fordert das persönliche Fahrvermögen sowie die aktuelle Verkehrslage, die Wetterbedingungen und den Zustand der Straße mehr zu beachten.

Komplexe Verletzungsmuster mit vielen Frakturen

Eine Auswertung des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin aus den Jahren 2020 bis 2024 zeigt, dass rund 40 Prozent der Verletzungen bei E-Scooter-Unfällen den Kopf und das Gesicht betreffen. „Gerade im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie behandeln wir nach E-Scooter-Unfällen regelmäßig komplexe Verletzungsmuster“, erklärt PD Dr. med. Björn Riecke, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin. Besonders häufig sehen wir Unterkieferfrakturen – darunter sind häufig Kiefergelenkfrakturen wie mehrfragmentäre Gelenkköpfchenfrakturen und Gelenkhalsfrakturen. Auch beidseitige Mittelgesichtsfrakturen, Zahnfrakturen sowie Riss-Quetschwunden kommen oft vor.“

Moderne Chirurgie ermöglicht präzise Versorgung

Die Versorgung komplexer Kopf- und Gesichtsverletzungen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Hochauflösende dreidimensionale Bildgebungsverfahren wie die Computertomografie (CT) oder die digitale Volumentomografie (DVT) ermöglichen eine exakte Diagnostik und eine präzise Operationsplanung. Des Weiteren ermöglichen CAD/CAM-geplante patientenspezifische Titanimplantate eine größtmögliche Annäherung an die ursprüngliche Anatomie. „Dank dieser modernen Verfahren können Patientinnen und Patienten präziser versorgt werden, haben kürzere Krankenhausaufenthalte und eine schnellere Rehabilitation“, betont Riecke.

„Je früher komplexe Gesichtsverletzungen durch spezialisierte Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurginnen und -chirurgen behandelt werden, desto besser sind die Chancen, langfristige funktionelle und ästhetische Einschränkungen zu vermeiden.“

PD Dr. med. Björn Riecke, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg

Auch künftig werde sich die Versorgung weiter verbessern. „Künstliche Intelligenz wird die Auswertung bildgebender Verfahren zunehmend unterstützen und die Operationsplanung weiter optimieren“, so der DGMKG-Experte. „Durch die verkürzte Operationszeit wird die Belastung für die Patientinnen und Patienten verringert.“

Häufig sind auch zahnärztliche Behandlungen notwendig

Das oberste Ziel der Behandlung bestehe darin, Funktion und Ästhetik der verletzten Mund- und Gesichtsbereiche vollständig wiederherzustellen. Dennoch könnten schwere Gesichtsverletzungen auch nach erfolgreicher Versorgung Beschwerden verursachen. „Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich, schmerzhaftes Kauen, eine schmerzbedingt eingeschränkte Mundöffnung, Augenbewegungsstörungen oder Doppeltsehen sind mögliche Unfallfolgen“, führt Riecke weiter aus. In Einzelfällen kann sich eine Kiefergelenksarthrose entwickeln. Zahnverletzungen machen darüber hinaus häufig weitere zahnärztliche Behandlungen bis hin zu Implantatversorgungen erforderlich. Auch sichtbare Narben könnten dauerhaft bestehen bleiben.

Prävention kann schwere Verletzungen verhindern

Nach Auffassung der DGMKG ist Prävention der wirksamste Schutz vor schweren Gesichts- und Kopfverletzungen, die durch E-Scooter-Unfälle hervorgerufen werden. Auf Fahrten unter Alkoholeinfluss sollte grundsätzlich verzichtet werden. Zudem empfiehlt die Fachgesellschaft das Tragen eines Helms. Zwar schützt ein herkömmlicher Fahrradhelm das Gesicht nur eingeschränkt – vor schweren Mittelgesichts- und Unterkieferfrakturen bietet lediglich ein Integralhelm einen wirksamen Schutz –, dennoch kann bereits ein Fahrradhelm das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich senken.

Eine Vorbildfunktion erfüllt hier die französische Hauptstadt: Angesichts stark angestiegener Unfall- und Todesopfer durch E-Scooter-Unfälle (79 Todesfälle in 2025 – 34 mehr als 2024) hat Paris vor Kurzem neben einer Helmpflicht auch eine Pflicht zum Tragen einer Warnweste oder anderer reflektierender Ausrüstung eingeführt. Ohne Helm wird eine Geldstrafe von 135 Euro fällig, ohne Weste oder Reflektoren 35 Euro. Solche präventiven Maßnahmen begrüßt die DGMKG ausdrücklich.

Die DGMKG ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen mit mehr als 1.900 Mitgliedern.

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen