Diese drei digitale Innovationen zünden in der Parodontologie
Die EFP hat die Gewinner des diesjährigen EFP Digital Innovation Award bekannt gegeben. Der 2022 ins Leben gerufene und von Haleon unterstützte Preis fördert die Entwicklung innovativer digitaler Technologien für die Öffentlichkeit, für Fachkräfte im Bereich Mundgesundheit und für die parodontologische Forschung. Die drei ausgezeichneten Projekte zeigen, wie digitale Technologien einschließlich künstlicher Intelligenz (KI) zur Prävention, Diagnostik und Behandlung parodontaler Erkrankungen beitragen können.
1. Preis: Objektive Beurteilung der Kaufunktion
Der erste Preis ging an das Projekt „Bringing Objective Masticatory Function Assessment into Periodontal Care“ von Luca Aquilanti, Mauro Merli und Giorgio Rappelli aus Italien.
Ihre Innovation QUB3 ist ein digitales System, das die objektive Beurteilung der Kaufunktion im zahnärztlichen Praxisalltag erleichtern soll. Es basiert auf dem etablierten Two-Colour Mixing Ability Test (Zweifarben-Mischtest) und vereint die Vorbereitung der Testproben, die Bildaufnahme, die automatisierte Analyse und die digitale Dokumentation in einem vereinfachten, standardisierten klinischen Ablauf. Objektive Ergebnisse sollen innerhalb von weniger als 60 Sekunden vorliegen.
Die Technologie soll Zahnärztinnen und Zahnärzten helfen, die Kaufunktion zu beurteilen und im Verlauf zu überwachen. Dies ist insbesondere bei der Behandlung fortgeschrittener Parodontitis von Bedeutung. Darüber hinaus soll das System die klinische Interpretation erleichtern und die Kommunikation mit den Patienten verbessern.
2. Preis: Intelligente Plattform für die Parodontaldiagnostik
Der zweite Preis wurde an NexoProbe vergeben, ein Projekt von Ferran Sánchez, Fernando Fernández, Alejandro Hermosilla und Raúl Aragall von der Universität Valencia in Spanien. NexoProbe ist eine KI-gestützte Plattform, die parodontale Befunde, Röntgenaufnahmen, dreidimensionale Bilddaten, digitale Zahnmodelle und die klinische Entscheidungsfindung in einer einzigen digitalen Umgebung zusammenführen soll.
Die Plattform soll Behandelnde unterstützen, indem sie Zahnstrukturen automatisch identifiziert, parodontale Messwerte mit den individuellen dreidimensionalen anatomischen Modellen der Patienten verknüpft und Vorschläge für Diagnosen, Prognosen und Therapieoptionen auf Grundlage der klinischen S3-Leitlinien der EFP erstellt.
Darüber hinaus verfügt NexoProbe über ein Patientenportal, das den parodontalen Zustand, die Diagnose und den Krankheitsverlauf mithilfe interaktiver, farbcodierter 3D-Visualisierungen veranschaulicht. Dadurch sollen Patienten ihre Erkrankung besser verstehen und motiviert werden, therapeutische und präventive Empfehlungen einzuhalten. Ein erster funktionsfähiger Prototyp wurde bereits entwickelt.
3. Preis: KI-gestütztes Selbstscreening auf Gingivitis und Parodontitis
Der dritte Preis ging an ScanMyGum, entwickelt von Prof. Olivier Huck von der Universität Straßburg in Frankreich. Dabei handelt es sich um eine KI-gestützte Smartphone-App, mit der Nutzer selbst frühe Anzeichen von Zahnfleisch- und Parodontalerkrankungen erkennen können.
Anhand von drei mit dem Smartphone aufgenommenen Fotos analysiert die KI, ob das Zahnfleisch gesund erscheint oder Hinweise auf eine Gingivitis beziehungsweise Parodontitis vorliegen. Die Anwendung gibt außerdem individuelle Präventionsempfehlungen und rät bei Bedarf dazu, professionelle zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
ScanMyGum befindet sich derzeit im Prototypstadium. Eine klinische Validierungsstudie mit 1.200 Teilnehmenden ist in Vorbereitung. Die Anwendung soll ausdrücklich als Screening-Instrument dienen und keine professionelle Diagnose ersetzen.
Digitale Innovationen in der Parodontologie fördern
„Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie kreatives Denken und digitale Innovation dazu beitragen können, konkrete Herausforderungen in der parodontalen Versorgung zu bewältigen“, erklärte Prof. James Deschner, Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses der EFP.
Die Innovationen reichten von der Befähigung der Patienten, eine aktivere Rolle bei ihrer Mundgesundheit zu übernehmen, bis hin zur Unterstützung klinischer Entscheidungen. Sie hätten das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der parodontalen Gesundheit zu leisten.
Deschner gratulierte den Preisträgern zu ihrer Originalität und ihrem Engagement und äußerte die Hoffnung, dass ihre Leistungen andere dazu inspirieren würden, neue Denkansätze und innovative Ideen zu entwickeln.


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