Repräsentative Umfrage

E-Health: Studie prognostiziert Ausverkauf der Gesundheitsdaten

von nb
Nachrichten
Die digitale Nutzung von Gesundheitsangeboten wird von den Bürgern stärker vorangetrieben als durch die Politik. Dies birgt Gefahren, warnt das Marktforschungsunternehmen E-Patient Analytics.

Die Bevölkerung in Deutschland hat keine Berührungsängste mit der digitalen Medizin mehr. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle

https://www.epatient-analytics.com/media/2022/12/PM_EPatient-Survey-2022.pdf

, eine jährliche repräsentative Befragung mit 6.000 Teilnehmenden.

Mittlerweile trackt jeder zweite Befragte Vitaldaten wie Bewegung, Schlaf, Stress oder Schmerzen mit digitalen Gesundheitsanwendungen. 17 Prozent der Befragten nutzen außerdem regelmäßig eine Medikamenten-App und 16 Prozent scannen mit dem Handy ihr Rezept zur Online-Bestellung ein. Online-Arztsprechstunden werden ebenfalls von 16 Prozent der Befragten genutzt.

Der Boom wurde durch corona ausgelöst

Während der Corona-Pandemie habe es einen regelrechten Boom bei der Nutzung von Gesundheits-Apps und Online-Arztsprechstunden gegeben, erläutert Studienleiter Dr. Alexander Schachinger. Im Jahr 2021 kam die Corona-Warn-App innerhalb weniger Wochen bei fast 50 Prozent der Bevölkerung auf das eigene Handy – „eine Entwicklung mit einem Tempo, wie es sie nie zuvor im Gesundheitsbereich gegeben hat”, so Schachinger.

Dabei sei die Bevölkerung viel weiter als die Politik. „Die deutsche Bevölkerung ist bereit für E-Health, aber die Politik liefert nicht”, ergänzt Prof. Klaus Hurrelmann, wissenschaftlicher Begleiter der Studie.

„Schon heute wird der Einfluss vor allem der amerikanischen Internetkonzerne wie Google und Amazon immer stärker, weil sie sich über ihre Angebote Zugriff auf die Vitaldaten verschaffen und sich zusätzlich in Einrichtungen der medizinischen Versorgung und der Gesundheitsversicherung einkaufen.” Wenn das so weitergehe, zeichne sich „der Ausverkauf der gesundheitlichen Vitaldaten der Bevölkerung in Deutschland ins Ausland ab”, betont Hurrelmann.

Soziale Ungleichheiten nehmen zu

Ein weiteres Problem: Der E-Health-Markt in Deutschland ist „in hunderte Einzellösungen zersplittert, die nicht zentral vernetzt sind und deshalb für die medizinische Forschung nicht nutzbar sind”, sagt Schachinger. Aufgrund dieser „zu komplizierten Angebotslandschaft” sei die Nutzung von digitalen Gesundheitsanwendungen stark vom Bildungsstand und Nettoeinkommen abhängig.

Menschen mit höherem Bildungsgrad und Einkommen nutzen demnach häufiger digitale Angebote als Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad und Einkommen. Beispiel Online-Sprechstunde: So gaben 20 Prozent der Befragten mit Abitur oder Studium an, Online-Sprechstunden zu nutzen. Von den Befragten mit Hauptschulabschluss waren es nur 11 Prozent.

Zudem gab jeder dritte Befragte an, digitale Leistungen ohne Erstattung aus eigener Tasche zu bezahlen. „Die Gesundheitspolitik lässt die Patientinnen und Patienten nicht nur mit einem Anbieterflickenteppich allein, sie akzeptiert sogar eine Versorgungsungleichheit”, lautet das Fazit von Schachinger.

Derhttps://www.epatient-analytics.com/der-epatient-survey/analysiert seit 2010 die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen in der Bevölkerung mithilfe des unabhängigen Verbraucher-Marktforschung-Panels Kantar Deutschland. Bei der Befragung der 6.000 Teilnehmenden wird bei der Zusammensetzung der Stichprobe streng darauf geachtet, dass diese der realen deutschen Bevölkerungsstruktur „der 90 Prozent Onliner in Deutschland” entspricht (90 Prozent der Bürger über 18 Jahre in Deutschland sind online). In die Analyse fließen außerdem Sekundärdaten aus der Konsum- und Werbeforschung ein, sowie ein Screening des E-Health-Markts in Deutschland.

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